
Der japanische Hersteller Suzuki Marine hätte es nicht besser treffen können: Pünktlich zur Präsentation der neuen Außenbordmotoren DF 70, 80 und 90 rissen die Wolken über Helsinki auf. So hatten wir unter blauem Himmel die Möglichkeit, die in der Sonne glänzenden Maschinen Probe zu fahren. Die Anwesenheit von Direktor Masahiro Yamamoto und den Entwicklungsingenieuren unterstrich dabei den hohen Stellenwert, den Suzuki selbst der Europapremiere beimisst. Alle drei neuen Motoren waren der Öffentlichkeit zum ersten Mal bei der Miami Boat Show am 14. Februar vorgestellt worden. Doch als wichtigsten Markt weltweit betrachten die Motorenproduzenten aus Fernost Europa und dabei vor allem Skandinavien, Deutschland und die Mittelmeeranrainer Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland sowie die Türkei. Vor zehn Jahren initiierte Suzuki die so genannte Viertaktrevolution bei den Außenbordmotoren: Die Einführung der Modelle DF 60 und DF 70 mit Kraftstoffeinspritzung wurde durch Innovations-Awards belohnt. Jetzt erfinden die Japaner die gleiche Motorenkategorie noch einmal neu – mit der Einführung der neuen Viertaktmotorengeneration. „Mit diesen neuen Motoren demonstrieren wir unser Engagement hinsichtlich ständiger Verbesserung und Neuerung“, erklärte Masahiro Yamamoto, Leiter der europäischen Marketinggruppe für Suzuki Marine & Power Products, um das zu produzieren, was der Markt bezüglich hoher Leistung in Kombination mit Kraftstoffeffizienz verlangt.“ Die drei Viertaktaußenborder der neuesten Generation setzen nach Angaben des Herstellers „einen neuen Standard“ für kraftstoffeffiziente Leistung in Leichtbauweise. Die 70, 80 und 90 PS starken Motoren sollen bei der Leistungsausbeute und Durchzugskraft ihren Vorgängern überlegen sein. In ihrer Klasse, so Suzuki, seien es die effizientesten Motoren. In der Tat laufen die Motoren gleichmäßiger. Es gibt kein Leistungstief oder -hoch. Die Kraft wird über das gesamte Drehzahlband geschmeidig in Vortrieb umgesetzt, was wir bei ruhiger See im östlich des Zentrums gelegen Hafen zwischen der Insel Högholmen und der Halbinsel Katajanokka vor Helsinki auf verschiedensten Booten zwischen fünf und sieben Metern Länge testen konnten. Der DF 80 TL mit Langschaft setzt am Heck einer Jeanneau Merry Fischer 585 kleinste Gasbefehle in Schub um. Am Spiegel der 5,60 m langen Buster XL sorgt der DF 90 TL für beeindruckende Beschleunigungswerte. Der DF 70 TL ist in der Kabine einer finnischen TG-5900 kaum noch zu hören. Der Fahrtwind war immer deutlich lauter als die Maschinen. Wie haben die Ingenieure das erreicht? „Durch eine Vielzahl von Entwicklungen in den kleinsten Bauteilen“, erklärt uns – in seinem Skizzenbuch zeichnend – der Erste Ingenieur, Shuichi Mishima, auf dem Anleger der Testflotte. Der Ingenieur stellt fest, dass durch das Suzuki-Lean-Burn-System im Durchschnitt 20 Prozent weniger Sprit verbraucht wird – bei Höchsttempo sogar 30 % – als beim Vorgängermodell. Damit beansprucht er für sich, den besten Motor seiner Klasse entwickelt zu haben, der natürlich auch die Euro-1-Emissionsstandards erfüllt. Alle drei Außenbordmotoren verfügen über die neue Magergemisch-Kontrolltechnologie – eine Funktion, die den Kraftstoffbedarf anhand der Betriebsbedingungen vorausberechnet und den Motor mit einem sehr mageren Kraftstoff-Luft-Gemisch versorgt. Diese Funktion bedeutet mehr Kraftstoffersparnis insbesondere bei Marschgeschwindigkeit. Das verhilft Bootsfahrern und Anglern auf dem Kahn zu mehr Fahrzeit auf dem Wasser und weniger Besuchen an der Tankstelle. Zudem wurde bei den 1.502 cm3 großen Reihen-Vierzylindern die mechanische Funktionsfähigkeit verbessert. Die Ingenieure entwarfen eine neue Ölpumpe mit größerem mechanischen Wirkungsgrad und verbesserten zusätzlich die hydrodynamischen Eigenschaften im Schmiersystem, sodass das Öl mit geringerem Widerstand durchs System fließen kann. Zusätzlich dazu haben sie dem Vierventilmotor ein digital angesteuertes, sequentiell-elektronisches Kraftstoffeinspritzsystem, die Multipoint-Injection, sowie ein Volltransistor-Zündsystem zur Leistungs- und Effizienzsteigerung spendiert. Nach insgesamt zweijähriger Entwicklungszeit plant Suzuki, pro Jahr 100.000 Motoren im neuen Motorenwerk in Hammamatsu mit 300 Mitarbeitern zu montieren. Von 1996 bis 2007 konnten die Japaner den Verkauf von Außenbordern fast verdreifachen. Die nagelneuen DF-Motoren kommen noch in diesem Jahr zu den Händlern, sodass Suzuki direkt an diese gigantischen Zuwachsraten anschließend könnte. Das Zeug dazu haben sie. Der Anteil von zwei- und viertaktenden Motoren hat sich zu Gunsten der Viertakter verschoben. Von 180.000 bei Suzuki produzierten Einheiten waren in 2007 nur noch 40.000 Zweitakter. 2006 waren es immerhin noch 71.000 gewesen. Angesichts dieser Entwicklung plant Suzuki im Moment, die Zweitakter ganz aus dem Programm zu nehmen. Die gezielten Eingriffe der Ingenieure veränderten auch das Gewicht und die Maße der Motoren positiv. Die 155 kg wiegenden Motoren sind 18 Prozent leichter geworden und 23 cm kürzer als ihre Vorgängermodelle – und sind so die kompaktesten und leichtesten Maschinen ihrer Klasse. Die Gewichtsersparnis ging einher mit einer reduzierten Anzahl von Komponenten; unter anderem ist die im Ölbad laufende Steuerkette automatisiert und stellt sich von nun an selbst ein. Zusätzlich wurden das Getriebe und der Getriebekasten um 23 Prozent leichter. Wegen der kürzeren Distanz zwischen Motor und Antrieb setzt Suzuki wieder auf das bewährte Konzept der versetzten Antriebswelle, wodurch der Reibungsverlust weiter minimiert wird. Durch diese Anordnung ergibt sich ein kompakteres Design und optimierte Gewichtsverteilung, was den DF 90, so die Angaben des Herstellers, zum kleinsten Außenbordmotor der 90-PS-Klasse macht. Mit einer Motorenbauhöhe von 147,9 cm ist er fast acht Zentimeter kürzer als Suzukis aktueller 90-PS-Viertaktmotor und bis zu 23 cm kürzer als Konkurrenzmodelle. Dadurch ist auch die Handhabung leichter, und er bietet mehr Freiraum am Bootsspiegel. Mit einer Getriebeuntersetzung von 2,59:1 und (wegen der höheren Leistung) größer ausgefallenen Alu-Dreiblatt-Propellern glänzen die neuen DF-Motoren mit spürbar besseren Beschleunigungswerten und höherer Maximalgeschwindigkeit. Durch die vielen technischen Neuerungen betrachtet sich Suzuki als Technologievorreiter für Viertaktaußenbordmotoren. Die beste Technologie, so das Firmencredo, solle nicht nur den größten Motoren – wie dem 300 PS leistenden V6 – vorbehalten sein, sondern auch die kleineren Antriebe schneller, leichter und effizienter machen. 30 Prozent der Bootfahrer verlangen nach 50-PS-Motoren oder mehr; der skandinavische Bootsmarkt wartet sogar mit einer Durchschnittsleistung von 80 PS auf. Auf diesen Erkenntnissen gründend, wurden die neuen Antriebe als Modellerweiterung für dieses wichtige Marktsegment entwickelt. Die DF-Modellreihe erfüllt diese Vorgaben und liefert für eine große Auswahl gängiger Boote ein neues Leistungs- und Komfortniveau. Die neue Familie der Viertakter – das erste 80-PS-Modell von Suzuki inbegriffen – soll ein breites Sortiment an Booten einschließlich Center-Console-Booten, GFK-Freizeitbooten, Alubooten und RIBs angemessen befeuern. Auch Besitzer kleiner Boote stellen heute höchste Ansprüche an die Motorenleistung und den Komfort. Daher sind die DF-Außenbordmotoren mit leistungsstarken 27-Ampere-Generatoren ausgestattet, die speziell dafür konzipiert sind, den Großteil ihrer Leistung im unteren Drehzahlbereich zu entwickeln. Dadurch wird permanent eine zuverlässige Stromzufuhr gewährleistet, um Pumpen, Licht und eine Vielzahl an Marineelektronikgeräten auch bei ausgedehntem Leerlauflastbetrieb sicher zu betreiben. Die neuen Außenbordmotoren sind die ersten im neuen, modernisierten Suzuki-Design, die zudem das japanische Symbol tragen, das für den Begriff „Schönheit“ steht. Der Spezial-Korrosionsschutzlack, der direkt auf die Aluminiumlegierung aufgetragen und anschließend mit einer Grundbeschichtung aus Epoxydharz, einer metallic-schwarzen Grundierung aus Acrylharz und klarem Decklack aus Acrylharz vervollständigt wurde, schützt die Außenhaut vor Salzwasser. Durch diese intensiven Anti-Korrosionsmaßnahmen sollte den Motoren auch unter den rauen Marine-Bedingungen ein langes und effektives Leben möglich sein. Bleibt abzuwarten, was der Wettbewerb in den nächsten Jahren vorlegt. Text: Uwe Meiling