Kalte Tage, kein Problem

03/2008

Kalte Tage, kein Problem

Etwas Warmes braucht der Mensch: Alljährlich stellen sich viele Skipper die Frage: Warum habe ich noch immer keine Bordheizung? Schließlich kann man sich nicht wie im letzten Winter auf Plus-Grade auf dem Thermometer verlassen.
Welches System das Richtige ist, also Wasser oder Luft, hängt vor allem von der Heizdauer und der Art des Einsatzes ab. Zur Nachrüstung für Sportboote sind Luftheizgeräte zu empfehlen, da sie (natürlich nur durch eine Fachkraft) einfach einzubauen sind und schnelle Heizleistung bieten. Auch für Kajüten, in denen übernachtet wird, empfehlen sich wegen des sehr niedrigen Stromverbrauchs und vorwählbarer Innenraumtemperatur Luftheizgeräte.
Wasserheizgeräte werden überwiegend in den Bootswerften bei der Yachtkonzeption berücksichtigt. Sie werden in das vorhandene Wassersystem integriert und dienen zur unabhängigen Beheizung von Brauchwasser, den angeschlossenen Heizkörpern wie bei einer Zentralheizung und zur Vorheizung des Motors.
Als Faustregel zur Berechnung der benötigten Heizleistung gilt: Für einen Kubikmeter zu beheizenden Raum wird ein Wärmestrom von 120 bis 200 Watt benötigt, abhängig von Einsatzort und Nutzungszeitraum. Sehr nützlich, um sich vor einer Fachberatung ein Gefühl für den eigenen Heizbedarf zu verschaffen, ist der „Wohlfühl-Berater“, eine einfache webbasierte Anwendung des Yachtheizungsherstellers Webasto. Man gibt auf der Internetseite webasto-marine.com einfach Bootslänge, Wunschrevier, Bootstyp und die Größe der Glasflächen ein und erhält einen Vorschlag, welche Heizung da wohl passt.
Für kleine Räume, zum Beispiel auf einem Anglerboot, sind Petroleumheizungen geeignet. Sie arbeiten je nach Hersteller mit Dochten, Brennern oder Glühstrümpfen, haben meist einen eingebauten Petroleumtank und sind bei richtiger Bedienung annähernd geruchsneutral. Ähnlich wie bei Spiritusbrennern verfügen die mobilen Petroleumgeräte meist nicht über einen separaten Abluftschornstein – für gute Belüftung sollte also gesorgt werden. Achtung: Auch fest eingebaute Petroleumöfen mit Schornstein verbrauchen reichlich Sauerstoff, sodass Sie ausreichend Frischluft in die Kajüte respektive ins Cockpit lassen sollten. Ein komplettes Heizungssortiment für Yachten jeder Größenordnung hat der Eberspächer auf der diesjährigen boot Düsseldorf vorgestellt. Gezeigt wurden sowohl Luft- als auch Wasserheizungen. Letztere erwärmen nicht nur die Kabine, sondern auch das Brauchwasser. Die verfügbare Heizleistung der verschiedenen Geräte reicht von einem bis 35 kW. Dabei nehmen die Heizungen den Diesel direkt aus dem Bootstank.
Als Neuheit stellte Eberspächer eine jüngst entwickelte Serie von Wasserheizungen namens Hydronic M II vor, die nach Angaben des Herstellers die doppelte Lebensdauer und eine deutlich schnellere Heizleistung gegenüber dem Vorgängermodell bieten und dabei im Betrieb extrem leise sind.
Die wahlweise acht, zehn oder zwölf Kilowatt starken Heizgeräte eignen sich für mittelgroße Motoryachten bis etwa zwölf Metern Länge. Je nach Ausführung können damit vom Frühjahr bis zum Herbst 55, 70 oder 85 Kubikmeter Bootsraum beheizt werden. Verdoppelt wurde die Zahl der Betriebsstunden – von früher 3.000 auf jetzt 6.000 Stunden. Für das Mehr an Lebensdauer sorgen eine neu entwickelten Brennkammer, die ebenfalls neuen EC-Motoren des Verbrennungsluftgebläses und eine andere Wasserpumpe als bisher.
Der zum Heizen benötigte Dieselkraftstoff wird äußerst sparsam verwendet: Die 8-kW-Variante verbraucht maximal 0,9 Liter pro Stunde und kann zudem mit bis zu 100 % Biodiesel (PME) betrieben werden. Alle Ausführungen besitzen eine feine, bei einigen Geräten bis zu sechsstufige Leistungsregelung. Neben der Kabine kann mit dieser Wasserheizung auch das Brauchwasser im Boiler erwärmt oder der Motor angeschlossen werden. Ein grundsätzlicher Vorteil dieses Heizungstyps sind die kleinen und Platz sparenden Rohrleitungen.
Komfortfunktionen gibt es bei Eberspächer auch: Über einen Thermostaten lässt sich die Temperatur in der Kabine wunschgemäß regeln. Einige Bedienteile bieten eine praktische Vorprogrammierung, damit es in der Kajüte bereits gemütlich warm ist, wenn der Skipper an Bord kommt. Per Fernbedienung lassen sich zudem auf bis zu einem Kilometer Entfernung der Betriebszustand der Heizung und die Kabinentemperatur anzeigen. Wer seine Bordheizung von zu Hause aus oder unterwegs ein- oder ausschalten möchte, nutzt Calltronic – ein Anruf genügt, und das Gerät schaltet sich ein oder aus.
Aufgrund der einfachen Montierbarkeit eignen sich Luftheizungen wie die Airtronic von Eberspächer besonders für den nachträglichen Einbau. Dieser Gerätetyp heizt die Kajüte sehr schnell und ökonomisch auf. Dabei gewährleistet der hohe Wirkungsgrad von mehr als 80 % bei mittlerer Betriebsstufe einen geringen Kraftstoff- und Stromverbrauch. Dank der Belüftungsfunktion bringen manche Luftheizgeräte im Sommer auch eine frische Brise an Bord.
In Webastos kompakten Luftheizsystemen Air Top 2000 ST, 3500 ST, 5000 ST und 5000 ST Eco wird Luft direkt über den Wärmetauscher im Heizgerät geführt und erhitzt. Ein integrierter elektrischer Lüfter mit geringer Stromaufnahme sorgt für die nötige Luftumwälzung und schnelle Aufheizzeiten. Mit Leistungen von zwei bis fünf Kilowatt bieten die Air-Top-Geräte die Möglichkeit zur „maßgeschneiderten“ Heizgerätewahl je nach Bootsgröße und Einsatzbereich. Das größte Modell 5000 ST besitzt eine automatisch zuschaltende Boosterstufe zur kurzfristigen Leistungserhöhung auf maximal 5,5 kW. Die Air Top 3500 ST Volume Plus (VP) zeichnet sich zudem durch ein besonders leistungsstarkes Gebläse aus, das selbst die Verwendung von sehr langen Heizluftschläuchen ermöglicht.
Selbst unter Volllast mit hohem Luftdurchsatz halten sich die Betriebsgeräusche der Air-Top-Geräte durch strömungstechnisch optimierte Führung der Ansaugluft angenehm niedrig. Eine stufenlose Regelung, die ohne Nebengeräusche agiert, schließt störende abrupte Änderungen des Betriebsgeräusches aus – gut für Boote und Yachten, auf denen übernachtet wird.
Zu den Vorteilen einer Wasserheizung wie den Webasto-Wasserheizsystemen Thermo Top C, Thermo 90 ST, Thermo 50 und DBW 2010 zählt neben der geräuscharmen und gleichmäßigen Raumlufterwärmung auch, dass Warmwasser für Pantry und Dusche bereitet wird. Im Unterschied zu den Luftheizsystemen erhitzen Wasserheizsysteme nicht die Raumluft direkt, sondern, wie von Zentralheizungen in Wohnhäusern bekannt, einen geschlossenen Wasser-Heizkreislauf. Dessen Wärmeenergie ist über Wärmetauscher vielfältig nutzbar. Sogar eine Vorwärmfunktion des Motors kann bei entsprechender Installation realisiert werden.
Ein heißer Tipp, wenn es schweizerische Qualität an Bord sein soll, sind die Heizgeräte der Ecomat-2000-Serie aus Ebikon. Speziell geeignet für Dauerbetrieb als Heizung und Frostwächter gibt es die solide gebauten Geräte mit ofenlackiertem Metallgehäuse, Axialventilator in Aluminiumausführung und abnützungsfreier Elektronik in drei Leistungsstufen. Die elektrisch betriebenen Ecomaten nehmen wahlweise 450, 750 oder 1.500 Watt auf. Brandgefahr kann nicht aufkommen, da sich das Gerät beim Kippen abstellt. Das mit einem Thermostat-Drehknopf versehene Modell Exklusiv kann 60 bis 80 Kubikmeter große Räume bequem im Dauerbetrieb warm halten.
Ebenfalls erhältlich sind das einfachere Modell Top und die Luxusvariante Ecomat 2000 Comfort, das über einen elektronischen Luftreiniger Geruch neutralisiert, Bakterien, Viren und Pilzsporen killt und Ionen umpolt. Damit eignet sich die kleine Elektroheizung besonders für Allergiker und Raucher – und natürlich bei Feuchtigkeit im Boot, wenn es muffelt.
QL Marine Accessories, in Deutschland im Vertrieb von Volvo Penta, sorgen durch die Nutzung der Wasserwärme im Motorkühlsystem, die anderenfalls ungenutzt bliebe, für komfortable Temperaturen in Kabine und Steuerstand. Das System funktioniert so: Das erhitzte Wasser des Motorkühlsystems fließt durch den Wärmetauscher, wo ein Lüfter frische Luft durch die Kühlrippen bläst. Die so erwärmte Luft wird durch Schläuche in die gewünschten Regionen des Boots gepustet. Die QL-Warmlufteinheit hat vier Auslassöffnungen von 55 mm Durchmesser, die bei maximaler Drehzahl bis zu 550 Kubikmeter Luft pro Stunde transportieren. Die Leistung beträgt fünf bzw. zehn kW.
Für wohlige Wärme im Boot sorgt auch der Stockdorfer Ausrüster Truma mit seinen Geräten der C- und E-Serie. Das Kombigerät Trumatic C versorgt große Boote mit Heizung und Warmwasser. Mit kombinierter Verbrennungsluft- und Abgasführung (wahlweise seitlich oder über Deck) fällt es an Bord kaum auf. Ein hochwirksamer Brenner mit automatischer Schaltung in die notwendige Brennerstufe, ein leistungsstarkes Gebläse und die elektronische Überwachung aller Funktionen sorgen für Komfort. Betrieben werden die Truma-Heizungen mit Flüssiggas, also Propan oder Butan, wobei der Hersteller einen Wirkungsgrad rund 95 % zusagt.
Die kleinere Trumatic E 2400 ist die zurzeit kompakteste Flüssiggas-Warmluftheizung ihrer Klasse. Mit 37 x 24,8 x 12,3 cm Größe sorgt sie für Wärme speziell in kleinen Booten. Ein integriertes, sehr leises Gebläse stellt eine nur minimale Batteriebelastung dar.
Wallas, der finnische Spezialist für Heizungen, Diesel- und Petroleumkocher, bietet für seine Kocher als Extra einen Heizdeckel an, der das Gerät in eine vollwertige kleine Heizung verwandelt. Für Segelyachten bis neun Meter Länge und Motorboote ist der formschöne und robuste Heizdeckel durchaus eine Alternative zur Bordheizung.
Die Wärme des Ceranfeldes wird mit einem Lüfter im Raum verteilt, wobei die Temperatur stufenlos über den Kocher regelbar ist: Der Lüfter passt sich automatisch an. Die Heizleistung beträgt analog zum Kocher je nach Regelstufe 700 bis 1.900 Watt, die Oberfläche erwärmt sich dabei maximal auf gefahrlose 60 Grad Celsius. Der Importeur gibt 0,3 Ah respektive 0,45 Ah als Verbrauchswerte an. Der Aufsatz passt auf alle aktuellen Diesel- und Petroleumkocher von Wallas, auf die älteren Modelle 95 DU und Petroleumkocher der Serie 90.
Etwas rustikaler geht die Wärmeerzeugung bei der Yachtgasheizung Molli des schweizerischen Tüftlers Heiny Bertschi zu. Komplett ohne Strom läuft das knuffig gestaltete Grundgerät mit Kupferwärmetauscher und eingelöteten 3/4"-Gewindestutzen für Radiatoren oder Boiler. Alles, was fließt, folgt dem Schwerkraftprinzip, und das funktioniert bis zu fünf Meter weit. Bei einer Kombination mit Boiler und längeren Leitungen wird eine 30-Watt-Pumpe benötigt. Alternativ dazu gibt es Molli auch als petroleumbetriebenes Modell – mit einer Leistung von 2,5 bzw. 2,8 kW – bescheiden, aber schön. Per 220-V-Landanschluss kann die Leistung aber deutlich gesteigert werden. Mit einer hochglanzpolierten Messingverkleidung ist Molli auch auf edlen Booten durchaus salonfähig. Für die Wärmeabstrahlung sorgt der eingebaute Aluminiumkonvektor. Molli ist nach Angaben des Herstellers explosionssicher und arbeitet sehr wirtschaftlich.
Der niederländische Hersteller Kabola bietet mit dem Ofen Old English (ab 1.790 Euro) ebenfalls Urwüchsiges für die kalten Tage unter Deck. Die mit Diesel betriebenen Öfen basierten auf traditionellen Schiffsöfen. Mit der Leistung von 1,8 kW verbraucht das Retromodell zwischen 180 und 960 ml pro Stunde. Kabolas moderne Dieselheizerserie heißt B-Tap, deren Modelle per Thermostat für die gewünschte Temperatur sorgen.
Und wenn es wieder wärmer wird, kann auch klimatisiert werden: Blue Cool Select heißt der jüngste Spross aus Webastos Klimaanlagenfamilie für Boote. Als weltweit Erster präsentiert der Hersteller eine Marineklimaanlage, die mit einer zentralen Kühlluftversorgung arbeitet. Separate Gebläseaustritte erlauben es, von der Zentrale aus verschiedene Kabinen individuell zu klimatisieren. Weil sich die zentrale Kühleinheit in ausreichend großer Entfernung von der Schlafkabine installieren lässt, sind störende Geräusche nahezu ausgeschlossen. Still ruht die Crew und wohl temperiert.

Text: Stefan Gerhard

In der Mai-Ausgabe

Special Volvo Ocean Race Bootstests und -porträts auf 30 Seiten Praxis Boot im Schlepp Revier Marina-Check Bodensee
148 Seiten Markt & Magazin

Zum Jahresabo mit BootCard »
3 Ausgaben für nur 12 Euro testen »

Bootstests

Bootsporträts

Technik

Autotests

IMMOBILIEN

Gewerbeimmobilien, Zwangsversteigerungen oder Wohnimmobilien: Große Auswahl an Immobilien beim großen Immobilienportal immowelt.de.

Weitere Boote...

...finden Sie hier.