High-tech handlich

04/2008

High-tech handlich

Viel benötigt man nicht, um den Kurs zu halten. Aber wer möchte gern auf Angaben zum Fahrtempo, Freiraum unterm Kiel und den nächsten GPS-Wegpunkt verzichten? Die Miniaturisierungswelle, die nach der Navigation jetzt auch die Bordelektrik erfasst hat, macht komfortable Lösungen möglich, für die bisher schlicht kein Platz an Bord war. Wir geben einen Überblick über neue Produkte zum Aus- und Aufrüsten von Motor- und Segelbooten.
Die ganze Welt in einer Hand, komplett mit Seekarten? Der italienische Kartenplotterhersteller Geonav hat mit seinem neuesten, auf der hanseboot Hamburg vorgestellten Modell G3 den kleinsten GPS-Kartenplotter seiner Firmengeschichte auf den Markt gebracht. Mit 110 Gramm Gewicht und Abmaßen von 11 x 5 x 2 cm ist das wasserdichte Gerät mit eingebautem 12-Kanal-GPS-Empfänger ungewöhnlich kompakt. Nur vier Bedienknöpfe, ein Joystick und der An/Aus-Knopf machen das Handling auch für unerfahrene Benutzer einfach. Durch seine Auflösung von 240 x 320 Pixeln bietet das 2,2 Zoll große LCD-Display eine sehr gute Darstellung der Karten auch bei direkter Sonneneinstrahlung.
Neben Navionics-Gold-Seekarten lesen der G3 – und das mit zusätzlichen Sensoren ausgestattete Schwestermodell G3 S – auch Platinum-, Land & See- sowie die neuen Outdoor-Karten von Navionics. Verfügbar sind auch alle aus der Seenavigation bekannten Funktionen wie 3D-Ansicht, Ansicht aus der Vogelperspektive sowie eine unbegrenzte Anzahl von Wegepunkten, Routen und Markern. Beide Geräte sind, wenn es einmal von Bord in die Berge geht, auch im Gelände einsetzbar.
Seit der Gründung von Geonav in den 1980er-Jahren und der Entwicklung erster Seekartenplotter für die Seenavigation ist das italienische Unternehmen seit einigen Jahren unabhängig von der Mutterfirma Navionics.
Für Nutzer von Laptops an Bord bietet Geonav die Software PC NAV an, die „jeden Bedarf der Navigation auf See“ abdecken soll. In Verbindung mit einer externen GPS-Antenne ist der PC zum Navigationsinstrument mutiert, das auch mit Navionics-Platinum-Karten und Windows Vista funktioniert. Der italienische Hersteller komplettiert damit seine Software-Linie, die bisher die „Power“, „Wind“ und „Fish“ genannten Elemente umfasst. PC NAV ist mit einem internen Simulator ausgestattet, mit dem sich zu Hause die eigenen Routen vorab abfahren lassen. Wie bei vielen Navigationsprogrammen, ist AIS als Funktion verfügbar – vorausgesetzt PC NAV ist mit einem AIS-Empfänger verbunden. Diese Funktion erlaubt es, alle Schiffe, die das entsprechende Signal senden, zu identifizieren und deren Position direkt auf der Karte zu finden.

Magellan stellte vor kurzem mit der Modellreihe Triton eine neue GPS-Produktserie für den Marinebereich vor. Die Produktlinie umfasst sechs Geräte, die neben einem neuartigen Design stoßfest und wasserdicht nach IPX-7 sind. Angenehm ist die benutzerfreundliche Oberfläche mit Bildschirmgrafiken, die insbesondere Anfängern das Navigieren leicht macht. Die Premium-Modelle verfügen zudem über eine Aufnahmefunktion und die Möglichkeit, Audio- und Wegpunktdateien auf dem Gerät zu speichern. Die Highend-Geräte bieten einen kompletten Gemischtwarenladen an Funktionen zusätzlich: eine eingebaute 2-Megapixel-Kamera, einen digitalen Kompass, ein Barometer und eine LED-Taschenlampe.
Die GPS-Empfänger sind kompatibel mit allen verfügbaren Magellan-Topo-Karten für Europa und unterstützen eine optimale, naturgetreue Anzeige der Karten auf dem Bildschirm. In Deutschland werden die Geräte durch den in Emden ansässigen Generalimporteur NWF nordwest-funk vertrieben und sind dort oder im Fachhandel erhältlich.
Die passende Software für den Heim-Rechner dazu heißt VantagePoint. Damit können Anwender Daten, Kartenmaterial und Informationen auf ihren GPS-Geräten individuell anpassen, verwalten und speichern – also Karten, Wegpunkte, Geocoach-Punkte, Fotos und Tonaufnahmen zwischen PC und GPS austauschen. Die kostenlose Software wurde speziell für die Triton-Serie entwickelt, ist aber mit allen gängigen Outdoor- und Fahrzeugnavigationssystemen von Magellan kompatibel.

Auf der boot Düsseldorf 2008 stellte Furuno Deutschland das neue Navigationssystem NAVnet 3D vor, das innovative Navigationsfunktionen mit kinderleichter Benutzerführung verbinden soll. Bei dem ab April im Fachhandel erhältlichen Gerät können per 3D-Technologie elektronische Seekarten frei gedreht und aus jedem Blickwinkel betrachtet werden. Landschaftsmerkmale wie Berge werden ebenso wie Wassertiefen dreidimensional dargestellt. Tiefgangsdaten eines angeschlossenen Echolots sind dynamisch in die Karte integrierbar.
Die ausschließlich für das NAVnet 3D entwickelten Mapmedia-Karten sind sowohl im Raster- als auch im Vektorformat verfügbar. Satellitenbilder können über die elektronischen Karten gelegt werden und so die Orientierung erleichtern. Durch die jederzeit stufenlos zoom- und rotierbare Bilddarstellung werden Karten- und Radarbilder besonders flüssig und deutlich angezeigt – Wartezeiten beim Bildneuaufbau entfallen.
Eine weitere Neuheit ist das Dual-Radar: Mit einer Antenne werden zwei voneinander unabhängige Radarbilder erzeugt, beispielsweise für den Nah- und Fernbereich, die jeweils frei zoom- und bedienbar sind.
NAVnet 3D kann bestehende Instrumente und Sensoren integrieren und jederzeit um neue Komponenten erweitert werden. Ergänzend zu Radar- und Karteninformationen können so Grafikecholot, AIS, Wetterdaten, Instrumenten- und Maschineninformationen über NAVnet 3D dargestellt werden. Die Steuerung des NAVnet 3D erfolgt entweder per Drehknopf oder eine angeschlossene USB-Maus. Auch können externe Festplatten und USB-Sticks angebunden werden, um Updates und neues Kartenmaterial zu übertragen.

Eine Fülle an Neuheiten stellte Garmin, eigentlich als GPS-Spezialist bekannt, im Januar auf der boot Düsseldorf vor, unter anderem den Autopiloten GHP 10 für Boote mit hydraulischer Rudersteuerung. Als Nachfolger des TR-1 von Nautamatic Marine Systems (das Unternehmen wurde von Garmin übernommen) nutzt das Gerät einen robusten, kreiselstabilisierten „Heading Sensor“ und ist so nicht von einem anfälligen Rudersensor abhängig. So ist der GHP 10 im Stande, das Steuerverhalten des Bootes zu „erlernen“ und gewährleistet so ein sehr präzises Kurshalten.
Das GMI 10 ist Garmins erstes NMEA-kompatibles Instrumentendisplay. Je nach installierten Gebern zeigt es Geschwindigkeit, Wassertiefe, Temperatur, Wind, Treibstoffkapazität und vieles mehr an. Es lässt sich einfach über drei Softkeys (die Tasten wechseln je nach Menü ihre Funktion) sowie einer praktischen Zurück-Taste bedienen. Das GMI 10 besitzt ein auch bei hellem Sonnenlicht gut ablesbares TFT-Display und ist sowohl mit NMEA als auch mit NMEA 2000 kompatibel.
Das GPSmap 5015 ist das neueste und größte Multifunktionsdisplay mit Touchscreen von Garmin. Mit einer stattlichen Displaydiagonale von gut 38 cm bietet es eine intuitive Bedienung aller vorhandenen Netzwerkkomponenten. Um alle relevanten Schifffahrtsinformationen verarbeiten zu können, ist das GPSmap 5015 kompatibel mit allen Marinenetzwerk-Komponenten des Herstellers, also GPS, Radar, Sonar und andere Sensoren.
Der ebenfalls neu eingeführte Plotter GPmap 4010 besetzt die Lücke zwischen den Garmin-Modellen GPSmap 4008 und 4012 und eignet sich ideal für mittelgroße Yachten. Auf dem Monitor mit 800 x 600 Pixeln Auflösung lassen sich unter anderem BlueChart-g2-Vision-kompatible Seekarten betrachten.

Eissing hat kürzlich das neue Navigationssystem von Raymarine vorgestellt. Diese G-Serie fungiert als vollständige Multifunktionslösung für den Steuerstand – mit, so verspricht es der Distributor, „unvergleichlichen“ Möglichkeiten der Visualisierung. Das System ist modular aufgebaut, wobei das GPM 400 mit Hochgeschwindigkeitsprozessor und vorinstallierten Navionics-Platinum-Seekarten die Zentrale bildet. Das Audio-Video-Modul GVM 400 erlaubt die Einspeisung von bis zu vier Quellen wie Kameras (für Übersicht auf großen Schiffen) und Sat-TV (gegen Heimweh in der Karibik). Außerdem sind Fishfinder- und AIS-Empfänger-Module und eine kabelfreie Tastatur erhältlich. Bordmonitore mit Bilddiagonalen von 12 bis 19 Zoll sorgen dafür, dass die per Sensorik erfassten Daten – von Radar- über Plotter- (auch 3D-Karten) und Fischfinder- bis zu Video- und AIS-Daten – auch am Steuerstand zu sehen sind.

Die digitale Logbuchführung auf den aktuellen Stand der Dinge zu bringen, haben sich die Entwickler von TripCon vorgenommen. Die Logbuch-Software für den Bord-PC erlaubt die manuelle und automatische Erfassung aller nautischen Parameter einer Schiffsreise und deren Erweiterung um multimediale Informationen.
Da die Entwickler der Berliner Softwareschmiede EES selbst begeisterte Hobbyskipper sind, ist das bisher nur unter Windows verfügbare Programm angenehm praxisnah. Was bisher meist ein trockener Datenreport war, macht TripCon zu einem komfortablen Bericht, der während des Törns, im Hafen oder später zu Hause am Bildschirm ausgewertet und ergänzt werden kann – beispielsweise durch Fotos und persönliche Anmerkungen.
Zur hanseboot 2007 erstmals gezeigt, wurde TripCon auf der diesjährigen boot Düsseldorf schon mit Zusatzmodulen präsentiert, namentlich für die Mann-über-Bord-Überwachung und die Einbindung von Wetterinformationen.

Nicht nur die Navigationsinstrumente in der Freizeitschifffahrt haben sich in den letzten Jahren stark verändert. Auch bei den elektrischen Systemen an Bord galoppiert die Evolution. Mit dem Master Board Control (MBC 32) von Fischer Panda zieht eine neue Generation von Schaltpaneelen an Bord ein. Alle Verbraucher an Bord lassen sich damit bequem per Fingertipp bedienen. Dafür sorgt ein 8,4 Zoll großes Touchpanel, das auf einen Blick den Status der angeschlossenen Verbraucher, Batterien und des Generators anzeigt. Große Schalterreihen in schwer einsehbaren Navigationsecken entfallen damit. Über ein einziges Display kann die gesamte elektrische Anlage an Bord bedient werden.
Das Gerät ist in einen schwarzen Aluminiumrahmen eingebettet und damit so gut aussehend, dass man ihm durchaus einen prominenten Platz unter Deck geben möchte. Das lästige „Anknipsen“ in der Navigation wird durch ein einfaches Antippen des Master Board Control im Salon ersetzt. Der MBC kann in der Standardversion bis zu 32 DC-Verbraucher schalten und sichert diese gleichzeitig mit bis zu 16 Ampere ab. Und wer es rustikal mag: Neben der Bedienung über das Touchpanel können alle Ausgänge auch manuell über Mikroschalter geschaltet werden.

Eine Revolution in der Yachtelektrik verspricht Peter Schmidt, Importeur der schwedischen Innovation EmpirBus, das sich gleichermaßen gut für die Marine wie für die Freizeitschifffahrt einsetzen lassen soll. Das Grundkonzept ist, das gesamte Stromversorgungssystem an Bord zu dezentralisieren. EmpirBus baut als Stromversorgungssystem auf dem CAN-Bus auf (Controller Area Network).
Ein Komplettsystem besteht in der Regel aus mehreren Einheiten (so genannten „units“). Dabei ist jeder Verbraucher und Schalter an die ihm nächstliegende Einheit angeschlossen. Jede Einheit wird mit 9 bis 32 Volt Gleichstrom versorgt; untereinander sind sie mit einem einpaarigen CAN-Bus-Kabel verbunden. Bei intelligenter Planung werden die Units nahe bei den Verbrauchern installiert. Wird ein Schalter irgendwo im System betätigt, wird das Signal über den Eingangskanal via CAN-Bus zum Ausgangskanal an den Verbraucher weitergegeben.
Neben vielen zusätzlichen Funktionen für den Benutzer liegt ein wesentlicher Vorteil im geringeren Materialbedarf und in kürzeren Installationszeiten. Kabel, Verteiler und Ausmaße der Schalteinheit werden spürbar reduziert. Erweiterungen und Änderungen sind dank Modularität einfach durchführbar.
Das Besondere an diesem System ist, dass ohne großen Aufwand andere Funktionen aufgeschaltet werden können. Eine Verzögerungsautomatik ermöglicht alle Eingangskanäle mit einer Verzögerung zu programmieren. So bleibt zum Beispiel das Licht noch eine Weile an, obwohl es am Schalter bereits ausgeknipst wurde – genug Zeit also, um das Boot zu verschließen und zu verlassen, ohne im Dunkeln an Deck zu stolpern. Eine Fernbedienung erlaubt den Zugriff auf den Eingangskanal und die Bedienung der Beleuchtung schon vom Steg aus. Die Ankerwinde kann ebenso wie die Positionslichter auch von der Ferne gesteuert werden. Ein Einbruchsalarm ist ebenso möglich wie ein GSM-Modul, das in das System integriert ist und in Kombination mit Sensoren Informationen wie „Alarm an Bord“, die Position der Yacht, die Temperatur und den Batterieladestand versendet.
Eine große Anzahl von Segel- und Motoryachten verwenden bereits EmpirBus-Systeme. Sogar die deutschen Seenotretter setzen die Technologie ein. Die Hauptamtlichen des DGzRS, die bei Wind und Wetter hinausfahren, müssen sich auf die Technik an Bord mehr noch als andere verlassen können – egal wie kompakt oder klobig Navigations- und Elektronik-Equipments an Bord sind.

Text: Stefan Gerhard

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