Die Dieselmotoren des Nürnberger Motorenherstellers MAN gelten als außerordentlich leistungsfähig, laufruhig, wirtschaftlich und vorbildlich zuverlässig – auch bei den marinisierten Varianten der Reihen- und V-Motoren. MAN beliefert viele Werften mit Motoren, die Schiffe von 40 bis 70 Fuß Länge bauen: größere Yachten ebenso wie Passagier- und Arbeitsschiffe sowie leistungsstarke Lotsen- und Patrouillenboote. Aktuell, so heißt es aus der fränkischen Firmenzentrale, wachse der Markt für Schiffsdieselmotoren besonders in England, Italien und in den USA.
Der neue, Anfang des Jahres erstmals der Öffentlichkeit präsentierte MAN R6–550, ergänzt die von 258 PS (190 kW) bis 1.550 PS (1.140 kW) Leistung reichende Produktpalette schnell laufender MAN-Schiffsdieselmotoren. Der Diesel-Reihensechszylinder mit Abgasturbolader und Ladeluftkühlung besitzt vier Ventile pro Zylinder. Die 550 PS (404 kW) starke Neuheit kombiniert Dynamik mit Durchzugsstärke. Schon bei Drehzahlen um 1.200 U./min bietet der Reihen-Sechszylinder sein maximales Drehmoment von 1.650 Nm – und hält es nach Herstellerangaben konstant über ein breites Drehzahlband.
Das Aggregat - mit sehr gutem Leistungsgewicht von 2,22 kg je kW und einer Leistung von 59 kW pro Liter Hubraum - bietet eine hohe Endgeschwindigkeit bei gleichzeitiger Laufruhe, wobei den marinisierten Motoren das Entwicklungs-Know-how aus dem Nutzfahrzeugbereich zupass kommt.
Die im LKW-Motor vielfach bewährte und von MAN auf die Anwendung im Bootsbetrieb angepasste Common-Rail-Direkteinspritzung mit maximal 1.600 Bar sorgt nicht nur für mehr Leistung und einen niedrigen Kraftstoffverbrauch, sondern auch für geringe Abgasemissionen. So erfüllt der R6-550 die wichtigen internationalen Regelungen für Schadstoffgrenzwerte nach IMO, RCD 94/25/EC und EPA Tier 2.
Höhere Leistungsanforderungen decken Acht-, Zehn- und Zwölfzylindermotoren in V-Bauweise ab, wobei das Leistungsangebot bei 650 PS (478 kW) beginnt. Auch diese kräftigen Motoren für größere Schiffe zeichnen sich durch hohe Leistungsgewichte und eine hohe Durchzugskraft schon bei niedrigen Drehzahlen aus. Der niedrige Verbrauch ermöglicht große Reichweiten.
Die elektronische Motorsteuerung ist in das elektronische Diagnose- und Überwachungssystem MMDS (das Kürzel steht für „MAN Monitoring and Diagnostic System“) integriert, das auch allgemeine Schiffsmeldungen und Alarme erfasst. Servicetechniker und Bootsfahrer erhalten die Angaben auf Wunsch auf 6,3, zehn oder 15 Zoll großen TFT-Displays dargestellt.
Das Überwachungssystem erfasst alle wichtigen motorspezifischen Daten wie Drehzahl, Öldruck, Ladedruck und Ladelufttemperatur sowie den Füllstand und die Temperatur des Kühlmittels. Darüber hinaus zeigt das System Tankinhalte und die Geschwindigkeit an, errechnet die Verbrauchswerte und die jeweilige Reichweite. Für größtmögliche Sicherheit an Bord greift MMDS bei Betriebszuständen, die den Motor gefährden, ein und reduziert die Motordrehzahl automatisch.
TExt: Stefan Gerhard