Mehr Elektromotoren
Ob als Segler oder im Elektroboot: Wer ohne Verbrennungsmotor auf dem Wasser unterwegs, hat mehr vom Bootfahren – Ruhe, die Nähe zu den Elementen und mehr Auswahl bei sonst gesperrten Revieren. Viele Hersteller setzen daher auf Elektromotoren. Wir stellen die aktuellsten Produkte vor.Das erste GPS-basierte Trolling-Kontrollsystem für Elektroaußenbordmotoren bringt Minn Kota auf den Markt. Der i-Pilot nutzt die Satellitensignale, um automatisch zu navigieren und die Position des Boots zu halten. Dies sei technologisch ein echter Durchbruch, so Dave Maryanov, Produktmanager für die besonders bei Anglern und Schlauchboot- und Dinghi-Eignern beliebten Motorenmarke: „Was kann für Wassersportler besser sein, wenn der Motor automatisch die Position hält und sich der Bootsführer auf andere Dinge konzentrieren kann?“
Ist man schon einmal beim Thema Navigation per Satellit, bieten sich weitere Funktionen an, die der Hersteller auch gleich beim i-Pilot integriert hat: Das Feature „Track record” ermöglicht es, eine ganze Route (bis zu einer Länge von zwei Meilen) zu speichern. So kann dieselbe Route erneut abgefahren werden oder für einen späteren Zeitpunkt gespeichert werden. Insgesamt drei Strecken können per i-Pilot aufgezeichnet werden.
Die „Spot-Lock”-Funktion arbeitet wie ein elektronischer Anker. Wenn das Boot mehr als fünf Meter von der vom Bootsführer bestimmten Position vertreibt, wird der elektronische Helfer aktiv: Der Trollingmotor hält das Boot dann auf der vorher gespeicherten Position. Automatisch werden Korrekturen für Wind, Wellen, Strömung und Drift durchgeführt. Mit dem erneuten Aufruf („Recall“) kann man im Spot-Lock-Modus zu einem bestimmten, zuvor positionsmäßig aufgezeichneten Ort zurückkehren. Drei Spot-Lock-Positionen können gespeichert werden.
Tempolimits lassen sich jetzt elektronisch einhalten: Per „Cruise Control“ behält der Minn-Kota-Motor – wie beim PKW – die Geschwindigkeit exakt bei, dosierbar in Zehntel-Meilen-Schritten. Diese präzise Geschwindigkeitskontrolle ermöglicht zum Beispiel Anglern das optimale Ausbringen der Köder während des Trollens.Ebenfalls im i-Pilot-Steuersystem enthalten ist ein GPS-basierter Autopilot, der eine Reihe von Wegpunkten nutzt, um die exakte Richtung beizubehalten, während Wind, Wellen und Abdrift berechnet werden.
Integriert in die i-Pilot Fernbedienung ist die drahtlose CoPilot-Trolling-Motorsteuerung. Mit dieser Fernbedienung ist der Anwender in der Lage, Geschwindigkeit und Lenkeinschlag von überall aus im Boot zu steuern. Eingebaut ist die GPS-Technologie bei den Minn-Kota-Modellen Terrova, PowerDrive V2, Riptide ST und der Riptide-SP-Bug-Version.
Mit dem Hybrid-Drive-System von Fischer Panda kann man einfach „nur“ elektrisch fahren. Das dazu erforderliche Basissystem besteht aus Motor, Steuergerät, Batteriebank (von 48 bis 288 Volt, je nach Leistung des Motors), Batteriemanagement, Fahrhebel und Kontrollbildschirm.
Wer längere Strecken zurücklegen möchte oder gern schnell fährt, installiert zusätzlich einen Generator zum Fahren und Laden der Batterien. Die Whisper-eMotion-Generatorserie des Paderborner Herstellers wurde speziell für den Einsatz in Elektroantriebssystemen mit paralleler 230-Volt-Versorgung entwickelt.
Elektro- und Hybridantriebsexperte Mastervolt baut mit neuen „Serien“-Systemen seine Palette an Elektronantrieben aus. Serien-Hybride sind mit einer Batteriebank ausgestattet, die durch einen kleinen Fernsteuerungsgenerator zur Versorgung eines Elektromotors mit Strom ergänzt wird. Der Motor wird entweder in einer Unterwasser-Hülse (PodMaster) untergebracht, die auf einem Saildrive installiert ist (SailMaster), oder direkt an eine Antriebswelle angeschlossen (DriveMaster).
Da der Generator nahezu überall an Bord untergebracht werden kann, sind die Konstruktions- und Installationsmöglichkeiten äußerst umfangreich. Der eigentliche Vorteil eines Serien-Hybridmodells besteht darin, dass hierdurch die sprichwörtliche Angst, dass die Reichweite nicht reicht, bezüglich batteriebetriebener Boote überwunden wird. Mit dem Wissen, dass man, sollten sich die Batterien erschöpfen, den Generator anschmeißen kann, um die Reichweite zu verlängern, sind Tage auf dem Elektroboot sicher angenehmer als bisher. Die Batterien können dann, wenn das Boot im Hafen liegt, mit Hilfe des Landstroms wieder vollständig aufgeladen werden.
Auch der italienische Motorenbauer Nanni Diesel setzt auf hybride Technologie: Die jüngste Version des Hybridsystems versteht sich auf Langstrecken, Gleitfahrt im Dieselbetrieb und leise Verdrängerfahrt beim reinen Elektrobetrieb – und damit als gute Ergänzung für Segelyachten. Als Antrieb fungiert Nannis Saildrive aus dem Regal von Kubota und der SP-60-Technodrive.
Das weltweit erste serienmäßige Hybridantriebssystem für Sportboote hatten 2008 die österreichischen Unternehmen Steyr Motors und die Bootswerft Frauscher gezeigt. Die alpenländische Lösung funktioniert ohne den Einbau separater Generatoreinheiten für andere Stromnehmer an Bord. Heute arbeitet man bei Frauscher verstärkt mit Mastervolt zusammen, so bei der Einführung des Elektroboots Alassio 650. Das 950 kg leichte Boot kann wahlweise mit einem fünf, 14 oder 54 PS starken Elektromotor ausgerüstet werden.
Die Lithium-Ionen-Batterien können wegen des relativ geringen Gewichts und der kompakten Abmaße auch in doppelter Ausführung eingebaut werden. So können insgesamt vier 230 Amperestunden leistende Akkus zum Einsatz kommen und sorgen so für eine Verdoppelung der Fahrzeit oder Reichweite.
Der wartungsarme, 10 kW starke, per Luft gekühlte Saildrive MLI 24/160 – wie in dieser Klasse üblich wird auf eine herkömmliche Ruderanlage verzichtet – bringt die elektrische Energie nach Angaben von Werftchef Stefan Frauscher für maximal 32,22 Stunden ins Wasser – vorausgesetzt, man möchte wirklich einmal entschleunigen und sich mit einer Höchstfahrt von 5 km/h begnügen.
Ebenfalls aus Österreich stammt die von uns getestete Julika 660 (siehe Bootshandel-Magazin Juli 2011): Unter den ins 2,70 m lange Vorschiff eingelassenen Motorraumklappen ist der innen und außen gekühlte, 34 PS starke Kräutler-Drehstrommotor untergebracht. Die Positionierung im Bug ermöglicht eine flach austretende Antriebswelle, was das Boot wiederum schnell (bei 2.000 U/min) ins Gleiten bringt.
Als wir den links platzierten Hebel auf den Tisch legen, ist die Überraschung groß: Das 850 kg schwere Boot nimmt mit merklichem Schub sofort Fahrt auf. Nach diesem bissigen Antritt geht der Rumpf zügig in Gleitfahrt über. Der Rest ist Test-Geschichte: „Kurvenfahrten, der Slamonparcours, plötzliches Aufstoppen und immer enger gefahrene Kreise – alles absolviert unser Testschiff tadellos. Wie ein Sportboot mit Verbrennungsmotor, liefert der Elektromotor die nötige Kraft.“ Nur eben leise.