Maritime Events
Nach 37-jähriger Pause im Jahr 2009 erneut ins Leben gerufen, ist die Bodenseewoche wieder ein fester Bestandteil im Terminkalender zahlreicher Wassersportler und Besucher in der Voralpenregion geworden. Im letzten Jahr erfreuten sich 80.000 Gäste bei strahlendem Sonnenschein am Hafentreiben mitten in der Altstadt von Konstanz. In spektakulären Rennen messen sich noch bis zum 29. Mai internationale Crews direkt vor den Augen der Zuschauer im Konstanzer Trichter. Traditionelle und moderne Yachten segeln dabei auf separaten Regattabahnen auf Kurz-, Mittel- und Langstrecken.
Am Ufer kann derweil hautnah die Vielfalt liebevoll gepflegter klassischer und geschichtsträchtiger Edelyachten auf dem Wasser und an Land bewundert werden. Ausgewählte Boote werden bei der parallel laufenden Inwater-Boatshow zu sehen sein.
Alle reden über Windkraft, das Match Race Germany nutzt sie: Zum 14. Mal kämpfen – ebenfalls auf dem Bodensee – bis 29. Mai die besten Match-Race-Segler der Welt um den Großen Preis von Deutschland, um rund 50.000 US-Dollar Preisgeld und wertvolle Punkte für die Saisonwertung der World Match Racing Tour (WMRT). An deren Ende stehen nach acht WM-Läufen und dem Finale in Malaysia noch einmal 500.000 Euro, die an die besten neun Skipper ausgeschüttet werden.
Die Segelparty lockt jedes Jahr bis zu 40.000 Zuschauer ins Regattadorf am Gondelhafen und ans schöne Seeufer von Langenargen mit seiner prächtigen Kulisse vor Schloss Montfort. Gesegelt wird auf werftneuen Yachten des Typs Bavaria 40 S. Der Berliner Stefan Meister, 2010 Gewinner der Deutschen Match-Race-Meisterschaft, hat eine der beiden Wild Cards für das Rennen. Als einzige Amateure fordern der taktisch versierte Steuermann vom Yachtclub Berlin-Grünau und seine Crew elf Profis zum Duell. Schüchtern ist Stefan Meister deshalb nicht: „Wir wollen die Profis schon ordentlich ärgern“. Der Binnensee-Spezialist aus der Hauptstadt sagt: „Wir wünschen uns leichte Winde. Insofern ist der Bodensee genau richtig.“
Der Kerteminde Sejlklub schreibt in diesem Jahr die Regatta Classic Fyn Rundt auch nach dem ORC-Regelwerk aus. Die Teilnahme für Yachten aus dem deutschen Raum wird auf diesem Wege stark vereinfacht, bedarf es nunmehr keines gesonderten Dansk Handicap (DH)-Messbriefs. Aus diesem Anlass veranstaltet die German Offshore Owners Association (GER-OO) in Kooperation mit dem British Kiel Yacht Club (BKYC) eine Zubringerregatta: Der „LateNight Cup“ von Kiel nach Kerteminde startet am 1. Juni um 21.30 Uhr vor Kiel.
Vom 2. bis 5. Juni findet das 4. Hafenfest Stralsund statt. Zu den Gästen unter Segeln gehören die Haikutter „Nordwind“ und „Hanne Marie“, der große holländische Traditionssegler „Albert Johannes“, die „Atalanta“ aus Wismar und die „Baltic Beauty“ aus Schweden.
Zu Pfingsten finden sich regelmäßig rund 1.500 Segler auf Helgoland ein, dazu etliche Touristen, die sich das Nordseewoche-Spektakel nicht entgehen lassen wollen. Denn die Nordseewoche, dieses Jahr vom 10. bis 13. Juni, ist eine der größten Regattaveranstaltungen Deutschlands, und vor allem die einzige, die auf hoher See stattfindet.
Trotzdem bietet die Nordseewoche auch den weniger regattaerfahrenen Seglern einen tollen Einstieg in die Race-Szene. Neben den ORC-Regatten gibt es den „Family-Cruiser-Cup“, der Regattaatmosphäre ohne Stress bedeutet. Ohne Messbrief und ohne Spinnaker darf man auf der Nordseewoche segeln.
Die besondere Herausforderung zur 77. Nordseewoche ist das am Pfingstmontag beginnende Helgoland-Edinburgh-Rennen. Die Langstreckenregatta ab Helgoland quer über die Nordsee wechselt sich jährlich mit der Rund-Skagen-Regatta ab und ist offizielle Qualifikationsregatta für das Fastnet-Race.
Die Kieler Woche ist nicht nur die größte Segelsportveranstaltung der Welt, sondern auch das größte Sommerfest in Nordeuropa, zu dem rund drei Millionen Gäste vom 18. bis 26. Juni erwartet werden. Und so geht es bei den rund 2.000 Veranstaltungen nicht nur ums Segeln, sondern auch um Kultur, Unterhaltung, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft, die, so heißt es von der Abteilung Dichtkunst der städtischen Pressestelle Kiel, „verschmelzen zu einer maritimen Symphonie“.
Das Herzstück der Kieler Woche ist das Segeln – und Pflichtprogramm für Segelprofis. Rund 5.000 Regattateilnehmerinnen und Regattateilnehmer aus über 50 Nationen werden zur Kieler Woche erwartet. Geplant sind 400 Starts in rund 45 Segelklassen und -disziplinen auf zehn Bahnen.
Neben dem Leistungssport bietet die Kieler Woche Segeln in seiner ganzen Bandbreite: Das Rendezvous der Klassiker am 18. Juni sowie die 122. Marine-Kutterregatten vom 17. bis 24. Juni sowie die Kutter-Races am 25. Juni auf der Kieler Innenförde stehen auf dem Festprogramm. Maritimer Höhepunkt der Kieler Woche ist die traditionelle Windjammerparade am Sonnabend, 25. Juni, mit rund 100 Groß- und Traditionsseglern. Angeführt wird die Windjammerparade voraussichtlich wieder vom deutschen Segelschulschiff „Gorch Fock“.
Die Meter-Yachten und die Flensburger Förde, das ist schon eine innige Beziehung. Ihren vorläufigen Höhepunkt wird sie bei der 8. Rolex Baltic Week erleben, weil neben der 12mR-Weltmeisterschaft nun auch die Achter hier zur WM bitten. Und das begeistert auch seine königliche Hoheit Harald V. von Norwegen, der am Steuer mit seiner 8mR-Yacht „Sira“ dabei sein wird. Vom 28. Juni bis zum 3. Juli wird der Flensburger Segel-Club (FSC) in Kooperation mit dem Kieler Yacht-Club (KYC) Gastgeber für die Klassiker sein.
In Gefolge des Königs sollen allein drei norwegische 12mR-Yachten den Weg nach Flensburg antreten. Die größte Division aber werden die „Classic“-Achter (Baujahre 1920 bis 1966) stellen. Die Skandinavier werden sicherlich mit mehreren Schiffen dabei sein. Naturgemäß sollten die „Modern“-Achter (Baujahre 1967 bis heute) am schnellsten auf der Regattabahn unterwegs sein.
Der Titelkampf der Zwölfer, die von 1958 bis 1987 America’s-Cup-Klasse waren, wird auch zu einem Heimspiel für die beiden Schmuckstücke im Glücksburger Hafen. Die 2008 nach jahrelanger Restaurierung wieder vom Stapel gelaufene „Sphinx“ (Jahrgang 1939) und die „Anitra“ (1928), die nach nicht minder aufwendiger Frischzellenkur wieder in ihrem alten Glanz erstrahlt, haben die Flensburger Förde als ihr Heimatrevier gewählt. Und so wird es inmitten der hochkarätigen Flotte zu einem Vereinsduell um das beste Schiff dieser majestätischen Klasse kommen.
Zum ersten Mal sind bei der diesjährigen Warnemünder Woche, die vom 2. bis 10. Juli stattfindet, Sportler mit Behinderungen dabei: die paralympische Bootsklasse 2.4mR gibt ihr Debüt bei der internationalen Segelsportveranstaltung vor den Toren der Hansestadt. Im Yachthafen Hohe Düne machen die kleinen Kielboote fest und zeigen auf der Regattabahn, wie attraktiv sie sind – egal ob für behinderte oder nicht behinderte Segler.
Insgesamt werden knapp 2.000 Wassersportler aus 30 Nationen erwartet. Höhepunkte der diesjährigen Veranstaltung sind neben dem Laser Europa Cup die IDJM BIC Techno, German Open Platu 25 sowie der Europa Cup der Skippi 650. Erstmalig sind in diesem Jahr die Klassen 2.4mR, Ixylon und D-One am Start. Für Hochseefans stehen die Langstreckenregatta hanseboot Rund Bornholm, der Warnemünde-Cup, 2 up & down sowie die Mecklenburgische Bäderregatta zur Auswahl.
Vom Hafen auf der Mittelmole zum Ortszentrum Warnemünde sind es keine zehn Minuten zu Fuß. Noch näher am Zentrum des einstigen Fischerdorfes liegt man im Alten Strom, vis á vis zu den zahlreichen Gaststätten, Kneipen und Restaurants. Zur Warnemünder Woche spielt sich ein großer Teil des Sommerfests mit jeder Menge Kultur und Unterhaltung auf der Promenade und der Bühne am historischen Leuchtturm ab – auch das ist bequem und mit müden Seefahrerbeinen bestens zu erreichen. Ein Landgang lohnt sich zur Warnemünder Woche ungemein.
Als Meisterschaftsrevier ist die Lübecker Bucht schon immer bekannt gewesen, doch das Programm der 122. Travemünder Woche vom 22. bis 31. Juli lässt sogar TW-Kenner freudig staunen. Mit vier Welt- und vier Europameisterschaften, dazu weiteren deutschen und regionalen Titelkämpfen wird die letzte Woche im Juli das letzte Stelldichein der internationalen Spitzensegler bei den drei großen deutschen Segelwochen sein.
Die 49er feiern eine Junioren-Premiere. Erstmals werden in dem Olympia-Skiff Weltmeisterschaften in der Altersklasse U23 ausgetragen. „Die steigende Zahl von jungen Seglern hat den 49er jetzt auch zur Jugendweltmeisterschaftsklasse gemacht“, sagt der Präsident der deutschen Klassenvereinigung, Heiko Thölmann.
Dazu segeln die Taifun-Kanus um die Deutsche Meisterschaft. Es könnten wohl 60 Teilnehmer zur WM kommen, heißt es aus der Klassenvereinigung. Vor allem wenn die Kanu-Spezialisten aus den USA, Kanada und Australien ihre Container mit Booten gefüllt bekommen, dürfte es eng werden auf der Regattabahn Charlie. Obwohl die schmalen Jollen auf den Segelkursen noch immer etwas exotisch anmuten, international zudem im Kanuverband organisiert sind, und auch national dem DKV angehören (seit 1974 aber auch dem DSV), können sie doch auf eine rund 150-jährige Tradition zurückblicken. Und bereits 1882 wurden in England erste Regatten auf den mit Segel ausgestatteten, ehemaligen Paddelbooten ausgetragen.
Das älteste noch in Fahrt befindliche Vollschiff der Welt, die „Sörlandet“, stattet der Hanse Sail Rostock vom 11. bis 14. August einen Besuch ab. Der norwegische Dreimaster mit dem Heimathafen Kristiansand ist nicht nur Stolz des skandinavischen Landes, sondern auch Teil seiner Volksseele. Dank der Spendenbereitschaft der begeisterten Bevölkerung konnte das Schiff 1927 gebaut werden. Getauft wurde es anschließend auf den Namen „Südland“ („Sörlandet“), die poetische Bezeichnung für den südlichsten Teil Norwegens.
Wer lieber die hervorragenden Segelbedingungen des Vollschiffes kennen lernen möchte, kann am 13. oder 14. August an einem Tagestörn teilnehmen. Die Hanse Sail Rostock mit rund 250 Teilnehmerschiffen gehört zu den weltweit größten Treffen von Traditionsseglern und Museumsschiffen und findet seit 1991 alljährlich am zweiten Augustwochenende statt.
Und ist dann, gegen Ende des Hochsommers, nicht schon wieder der Start in die Messe-Saison?
Text Stefan Gerhard