Kajütsegelboote bis 25.000 Euro

05/2011

Kajütsegelboote bis 25.000 Euro

Gut und günstig
Wie kommen junge Familien unter Segeln aufs Wasser? Wir stellen 22 Möglichkeiten vor, für maximal 25.000 Euro ein eigenes Kajütsegelboot zu finden – werftneu, mit Gewährleistung und inklusive segelfertiger Ausstattung.

Große Boote kann jeder – mit diesem Satz hatten wir im vergangenen Jahr unser Themenspezial über günstige Motorboote mit Schlafkajüte eingeleitet. Jetzt folgen die Segler.

Wer nicht die Möglichkeit hat, ein Boot zum sechsstelligen Euro-Preis zu kaufen, aber das Leben auf dem Wasser liebt, findet gute Gebrauchte von Privat in allen Preislagen (und auch in jedem Zustand) auf dem Bootsmarkt. Auch beim örtlichen Bootshändler finden sich in der Regel attraktive Angebote aus zweiter Hand, mit der zusätzlichen Sicherheit, dass hier die Gewährleistung greift.

Doch wer jemals ein werftneues Boot übernommen hat, kennt die Vorfreude, als Eigner und „erster Kapitän“ an Bord zu gehen. Sonderwünsche lassen sich bei einem Neuboot vorab bestellen. Was nicht der Beschreibung im Kaufvertrag entspricht, lässt sich beim eigenen, qualitätsbewussten und am Kunden orientierten Bootshändler meist unproblematisch nachbessern. Schließlich möchte man nach Übergabe und Einweisung nicht restaurieren, sondern einfach losfahren.

So war die Fragestellung unserer diesjährigen Bootshändler-Umfrage klar und einfach definiert. Gesucht werden Segelboote, die folgende Bedingungen erfüllen: 

·       Der Preis für das segelfertige (!) Boot liegt bis 25.000 Euro.

·       Eine Schlupfkajüte zum Übernachten für mindestens zwei Personen ist vorhanden.

·       Genug Platz an Bord ist für mindestens vier Personen.

Die knapp zwei Dutzend Beispiele, die wir aus den Rückmeldungen des Fachhandels ausgewählt haben, lassen sich durch viele weitere Beispiele ergänzen. Doch die Richtung ist klar: Werftneu und fahrfertig, sprich bereits mit Segeltuchen ausgestattet und dabei groß genug, dass man auf dem Wochenendtörn auch einmal an Bord übernachten kann, sind – bis auf Ausnahmen – vor allem Boote von Werften ohne „großen“ Namen.

Bei vielen Großserien-Bootswerften gelten Kajütsegelboote unter acht Metern als wenig profitables Geschäft– und sind vor allem dazu da, um Einsteiger an die Marke zu binden. Es nährt die Bootshersteller die Hoffnung, dass das nächste Schiff ein größeres Modell sei, bei dem die Marge höher ist als beim kleinen Kajütkreuzer, der denselben Entwicklungsaufwand wie die größeren Vertreter der gleichen Serie verlangt.

Einige bekannte Markennamen wie Hanse Yachts und Bavaria fehlen zurzeit komplett völlig in diesem Segment, andere renommierte Anbieter wie Elan mit der neuen, sehr sportlichen Elan 210 gehen mit etwas höheren Einstiegspreisen als die von uns gezogene 25.000-Euro-Grenze auf den Markt.

Ganz auf kompakte Kajütkreuzer eingestellt haben sich Werften, die eher kleinere Stückzahlen bauen. Sie liefern – häufig fein abgestuft in 30-cm-Schritten bei der Rumpflänge – eine gewaltige Auswahl an Familienschiffen und -schiffchen. Speziell Bootsbaubetriebe aus Polen haben hier die Nase vorn. Manche Form und manches fertig „konfigurierte“ Boot wird hierzulande von mehreren Anbietern mit unterschiedlichem Markennamen angeboten.

Das kostengünstigste von uns vorgestellte Kajütsegelboot stammt von einer Großserienwerft: die Varianta 18 aus dem Hause Dehler, das seit einiger Zeit unter dem Dach der Hanse Group neu aufgestellt wird, kostet in der Grundversion 9.987 Euro. Dafür erhält der Käufer ein segelfertiges Boot, das – koste es, was der Eigner wolle –aufgerüstet und vor allem innen schön gemacht werden kann. verantwortlich dafür sind Vertriebspartner in den Wasserrevieren, die an einem von zurzeit 27 „Points of Sail“ ihre eigenen Kreationen rund um die VA 18 anbieten.

Mit dem indirekten Vorgänger „Rotkäppchen“, Dehlers Super-Seller in vergangenen Zeiten, hat die standardmäßig mit 17 m2 messender Groß und 7,0-m2-Rollfock ausgestattete Varianta 18 nicht viel gemeinsam. Puristisch präsentiert sich das Boot, für dessen modulares Innenkonzept die Designerin Henrike Gänß verantwortlich zeichnet.

„Der momentane Innenausbau-Trend bei Segelyachten besitzt Loftcharakter“, sagt Henrike Gänß. „Es wird versucht, diese Atmosphäre vom Land in das Schiffsinnere zu holen. Je größer das Schiff, desto authentischer gelingt die Illusion.“ Ein bisschen davon ist auch in der 5,75 m langen VA 18 zu sehen.

Ganze 12 Euro „teurer“ ist die Deltania 20, das mit 9.999 Euro günstigste Modell einer ganzen Familie kompakter Kreuzer. Deltania lässt bei verschiedenen Werften in Polen produzieren. Bei einigen Modellen kommt allerdings nur der Rumpf aus Polen, alles andere wird im Westerwald gebaut. Alle Deltania-Segelyachten von 20 bis 30 Fuß Länge erlauben variablen Tiefgang, einige Modelle werden auch mit Festkiel angeboten. Die sportliche D 20 ist kentersicher, per PKW (Anhängelast 1.300 kg) gut trailerbar und kann durch viele Optionen und Segeltuchvarianten individualisiert werden.

Nummer 3 unter 10.000 Euro ist die Viko 20, mit einer Gesamtlänge von 6,10 m das kleinste Schiff im Werftprogramm der polnischen Navikom-Werft. Doch sogar groß gewachsene Personen müssen dank des breiten Kajütdaches nicht den Kopf einziehen und haben beim Sitzen noch ausreichend viel Beinfreiheit. Aufgrund ihrer spartanischen Ausstattung und einfachen Bauqualität ist die Viko 20 unschlagbar preisgünstig und zielt auf eher anspruchslose Segler ab.

 

Bei der Gruppe der Kajütsegelboote unter 15.000 Euro fällt wiederum das Schwestermodell, die Viko 23 als günstigstes Angebot ins Auge. Komplett mit 4-PS-Außenborder ist das mit der CE-Kategorie B für küstenferne Gewässer zertifizierte Boot ab 14.000 Euro wohlfeil. Segelfertig ohne Flautenschieber kostet das 6,80 m lange Schiff nur 12.999 Euro.

Stellt man sich bei einem Boot, das mit fünf Metern Länge gerade einmal so lang wie eine Piratjolle oder ein Conger ist, schon eine Yacht vor? Eher nicht. Und so waren wir beim Test der Fan 17 Balt einigermaßen überrascht, was für ein Schiff vor uns am Steg lag. Der schnuckelig anmutende Kleinkreuzer aus Polen weiß schon durch seine Linien zu gefallen – und auch sonst: „Die Segelleistungen der Fan sind absolut in Ordnung“, schreiben wir in der Dezember-Ausgabe 2007.

In jeder der uns definierten Preisklassen ist eine Deltania vertreten – so auch die 6,25 m lange Deltania 20.5 S für 14.980 Euro und die Deltania 23 für zehn Euro mehr. Während für den sportlichen 20-Füßer ein Performance-Paket erhältlich ist, wird die 23-Fuß-Variante als Familienschiff mit sechs Schlafplätzen und 1,70 m Stehhöhe angeboten. Die CE-Kategorie C für küstennahe Gewässer bieten beide Deltanias.

 

Für maximal 20.000 Euro, also dem Preis eines einfach ausgestatteten Mittelklassewagens, kommen Modelle in Frage, die alle bei der Rumpflänge die Sechsmetergrenze überschreiten – bis auf eine Ausnahme: die Rügenjolle. Dieses Ost-West-Boot, das Georg Nissen als modernen Klassiker für die Traditionswerft Wieker Boote zeichnete, ist nur 5,10 m lang.

Für 15.239 Euro bietet die Rügenjolle neben der standardmäßigen Rollfock eine Anfangsstabilität, die uns beim Test sofort überzeugte. Das gut und sicher segelnde Boot ist dank solider und makelloser Bauweise extrem wertbeständig. Das selbstlenzende Cockpit des Boots ist geräumig, kein Reitbalken stört den Durchgang. Hier hätten für einen Wochenendtrip mehrere Personen Platz.

Auch mit der 6,60 m langen Skippi 650 Cruiser sind wir gesegelt. Das 18.300 Euro kostende Fahrtensegelboot von Skipper Yachts wirkt durch den steilen Steven und das scharfe Vorschiff sportlich, fast aggressiv. Die Mini-Yacht kann ihre Ähnlichkeit mit einem 15-m2-Jollenkreuzer (P) nicht leugnen – dem entsprechend wird, wer vom Jollensegeln kommt, mit der Skippi gut zurechtkommen.

Die Jeanneau Sun 2000 ist mit 18.374 Euro die preisgünstigste Segelyacht der französischen Großserienwerft. 23,1 m2 Segelfläche setzen das 6,64 m lange Boot effektiv in Bewegung. Die kompakten, einem einfachen Transport zuträglichen Abmessungen des elegant geschnittenen Boots, täuschen: Ein geräumiges Cockpit und viel Platz unter Deck sorgen für Sonnenstimmung an Bord.

Die Deltania 21 S (Länge: 6,45 m), die Fan 20 mit variablem Tiefgang dank Schwertkiel von 0,25 bis 1,30 m und die sieben Meter lange Viko 25 – mit 4-PS-Außenborder und CE-Kategorie B für küstenferne Gewässer wieder ein Preisbrecher – liegen allesamt deutlich unter 20.000 Euro.

 

Stehen 25.000 Euro für den Segelbootkauf zur Verfügung, wird die Auswahl an Marken, die Boote zwischen sechs und acht Metern Länge anbieten, schon recht groß.

So ist die Skippi 650 Race, angetan mit 18-m2-Groß, Fock (9 m2) und optionalem Gennaker, ab 21.900 Euro zu haben. Auf küstenfernen Gewässern bewähren kann sich eine kostenbewusste Crew mit der Beneteau First 21.7 S. Der 6,40 m lange französische Kompaktkreuzer mit 24,5 m2 Segelfläche ist in der Basisversion für schlanke 22.015 Euro erhältlich.

Die Maxus 21 stammt von der polnischen Northman-Werft, die für solide Fahrtenyachten mit ansprechenden Segeleigenschaften bekannt ist. Für 22.193,50 Euro erhält man sein Boot des Modelljahrs 2012 (!) fertig aufgeriggt.

Die Sasanka-Werft baut unprätentiöse Schwenkkieler, die sich für Regatten wie Fahrtensegler gleichermaßen eignen. Unter dem Modellnamen Viva werden die in Warschau gefertigten GFK-Yachten in Deutschland vertrieben. Auf der 7,30 m langen Viva 700, dem Flaggschiff der Flotte, finden bis zu sechs Personen Platz. Das Schiebeluk zum Einstieg ins Mittelschiff ermöglicht auch etwas größeren Seglern ein leichtes Hinabsteigen – keine Selbstverständlichkeit.

Jeweils um 22.800 Euro werden für die Fan 23 Balt und die Fan 22 als Preis aufgerufen. Mit variablem Tiefgang und festem Ballastanteil sind beide Schiffe für den Einsatz in küstennahen Gewässern geeignet – und können dabei trocken fallen. Wie die Fan 17 Balt ist die Fan 23 Balt sportlicher ambitioniert als die übrige Fan-Reihe – zu erkennen unter anderem am ausfahrbaren Gennakerbaum.

Die von Wojciech Spisak gezeichnete Mariner 24 bietet sich, da eine Klappkiel-Variante verfügbar ist, als slipfähige Traileryacht mit größtmöglichen Ausmaßen für den normalen Straßentransport an. Die Wasserlinie ist extrem lang, und das Heck saugt sich nicht fest, wie Importeur André Hochfeld bei seinen eigenen Probeschlägen feststellte. Ein Film auf der Website der Werft bestätigt diesen Eindruck.

Das 7,62 m lange Schiff bietet bis zu acht Schlafplätze, hat eine große separate Nasszelle, als „Schlafzimmer“ eine quer liegende Achterkajüte, eine großzügige Pantry sowie einen geräumigen Salon mit rund 1,70 m Stehhöhe.

Mit 6,70 m Länge und einer Standardbesegelung aus Groß (12 m2) und 9-m2-Genua ist die 22.990 Euro günstige Deltania 22 S das größte Boot der Werft, die unsere Bedingungen in Sachen Preisbewusstsein und Familientauglichkeit erfüllt.

Mit der Fan 23 schließlich lässt sich dieses Thema ein weiteres Mal variieren. Für exakt 25.000 Euro gibt es einen Kajütkreuzer mit den bekannten guten Zutaten für entspanntes Segeln: viel Platz an Bord, gut zu trailern, schnell aufzuriggen und mit recht sportlichen Segeleigenschaften. Hatten wir die Mastlegevorrichtung der Fan 23 schon erwähnt?

Viel Auswahl also bei insgesamt recht ähnlichen Grunddaten – und entscheidend ist doch, ob man sich wohl fühlt an Bord. Da hilft nur: Segeln gehen.

last nicht zur Last für den Urlaub.

 

Text Stefan Gerhard, Michael Krieg