Im Club der Klassenbesten

05/2008

Im Club der Klassenbesten

Weniger als ein halbes Dutzend Motorenhersteller bestimmen weltweit den Markt bei Außenbordmotoren. Für den Marktstart in dieser Saison haben japanische und amerikanische Anbieter ihre Produktpaletten mit einer ganzen Reihe Neuvorstellungen komplettiert. Neben immer kompakterer Bauweise stehen bei den Leichtgewichten zunehmend auch die Verbrauchswerte im Blickpunkt.
Es war bitter kalt zur Weltpremiere. Ende März hatte der japanische Motorenhersteller Honda Marine zur ersten Präsentation der neuen Außenbordermodelle BF 40 und BF 50 unter Testbedingungen auf die südschwedische Insel Orust eingeladen. Doch unangemeldet mit dabei waren feiner Neuschnee auf den Inseln des Schärengartens und ein grimmiger Winterwind, der den aus ganz Europa und Südafrika angereisten Distributoren, Händlern und Journalisten ins Gesicht blies.
Der neue, mit dem für Honda charakteristischen silbernen Chassis versehene BF 50 ist mit 98 kg nach Herstellerangaben der mit Abstand leichteste Motor seiner Klasse. Bis zu 14 kg Gewichtsunterschied sollen den Neuen von seinen Wettbewerbern absetzen. Weniger Gewicht sorgt durch die gute Lage des Boots im Wasser für bessere Beschleunigungswerte. Und dank des kompakten Designs des Dreizylinder-Motorblocks ist das Aggregat mit 808 m3 Hubraum auch äußerlich von schlanker Gestalt.
Wesentliches hat sich aber im Inneren getan: Für schnelles Ansprechverhalten bei Beschleunigung des BF 50 und des ebenfalls präsentierten Schwestermodells Honda BF 40 sorgt die programmierte elektronische Benzineinspritzung. Zudem kann die jeweils benötigte Menge an Kraftstoff exakt dosiert werden. Bei Messungen im Fahrmodus gemäß der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA konnten die neuen BF-Modelle gegenüber dem Vorgängermodell 15 % Kraftstoff einsparen. Bei internen Tests von Honda, so hieß es seitens der bei der Präsentation anwesenden Entwicklungsingenieure, wurden sogar Einsparungen von 22 % realisiert.
Eine Breitbandsonde kontrolliert und regelt permanent das Luft-Kraftstoff-Gemisch, um bei der Verbrennung entstehende Schadstoffe zu minimieren. Das Abgasverhalten des Motors soll während der gesamten Lebensdauer gleich bleiben. Die Technologie, die dem zu Grunde liegt, nennt Honda ECOmo. Damit werden die weltweit wichtigsten Emissionsvorschriften problemlos unterschritten.
In den beiden neuen Modellen, die wir rund um Orust ausführlich fahren konnten, wird das bereits aus den Hionda BF 75 und 90 bekannte Blast-System eingesetzt. Damit wird das Ansprechverhalten bei der Beschleunigung unterhalb von 3.500 Motorumdrehungen verbessert – und so die Gleitfahrt schneller erreicht. Möglich wird dies durch Frühzündung des Kraftstoffgemisches bei gleichzeitiger Veränderung des Mischungsverhältnisses. In der Tat zeigte der Honda BF 50 bei leicht kabbeliger See sowohl am Zodiac-RIB als auch am Heck einer Terhi Big Fun ein überaus kraftvolles Ansprechverhalten und Geschmeidigkeit bei Fahrt unter Volllast. Wie so häufig war der Fahrtwind deutlich lauter als der Motor.
Die strömungstechnische Modifizierung des Unterwasserteils der BF 40/50 Außenborder sowie die Neugestaltung des Getriebegehäuses verringern den Wasserwiderstand. Durch die veränderte Kavitationsplatte wurde zudem das Anströmungsverhalten des Propellers optimiert, um eine höhere Endgeschwindigkeit zu erreichen. Wie bei den Vorgängermodellen sorgt ein Reduktionsgetriebe für die Versetzung der Kurbelwelle zur Antriebswelle und einen nach vorne verlagerten Schwerpunkt des Motorblocks. Das verbessert die Trimmlage des Bootes spürbar. Im Handel erhältlich, so Andreas Hausmann von Honda Motor Europe Nord, sind die ersten Exemplare der beiden Leichtgewichte ab Mai.
Ein Dreifach-Debüt hat Suzuki mit der Einführung seiner neuen EFI-Viertaktmotoren von 70 bis 90 PS vor. Die kompakten Leichtbaumotoren DF 70, 80 und 90 sollen für das Modelljahr 2009 eingeführt werden. Auf der Miami Boat Show 2008 wurden die neuen Modelle erstmals öffentlich präsentiert. Das Zentrum aller drei Modelle bildet ein neues und kompakteres Motorenblockdesign mit zwei oben liegenden Nockenwellen mit vier Ventilen pro Zylinder und 1.502 m3 Hubraum.
Auch Suzuki hat nach eigener Auskunft den Kleinsten: Der kompakte Motorblock sowie die versetzte Antriebswelle machen den DF 90 nach Herstellerauskunft zum kleinsten Außenbordmotor der 90-PS-Klasse. Mit einer Motorenbauhöhe von 147,9 cm ist dieser Außenbordmotor fast acht Zentimeter kürzer als Suzukis aktueller 90-PS-Viertaktmotor und bis zu 23 cm kürzer als Konkurrenzmodelle.
Alle drei Modelle verfügen über ein sequenzielles elektronisches Kraftstoffeinspritzsystem sowie ein Volltransistor-Zündsystem, das zur Leistungs- und Effizienzsteigerung beiträgt. Bewährtes wie das Konzept der versetzten Antriebswelle (für ein kompakteres Design und eine bessere Gewichtsverteilung) und die Getriebeuntersetzung von 2,59:1 blieben erhalten. Die DF70/80/90-Viertaktmotoren haben außerdem eine 30-Ampere-Lichtmaschine, die den gesamten Strombedarf an Bord deckt.
Bereits im Januar hatte Suzuki als weitere Neuheit den Viertakt-Außenbordmotor DF 100 EFI angekündigt, der auf einem bewährten Reihenmotorblock mit 1.950 cm3 basiert und in Europa zur Jahresmitte 2008 auf den Markt kommen wird. Die Zwei-Stufen-Untersetzung ergibt eine Gesamtübersetzung von 2,59, was den Einsatz von größeren Propellern (sowohl im Durchmesser als auch in der Neigung) ermöglicht.
Nachdem Yamaha kürzlich seinen neuen Viertaktmotor mit 9,9 PS Leistung eingeführt hat, wurde Anfang April als Ergänzung zur Standardversion der Yamaha FT 9.9 G vorgestellt. Mit seinem stärkeren Getriebe ist der FT speziell für Verdrängerboote geeignet. Technisch basieren die beide auf dem F6/F8, und natürlich sind, so der Hersteller, die F-9.9-Modelle die kompaktesten Außenbordmotoren ihrer Klasse. Empfohlen wird die Schubversion FT 9.9 als Hilfsmotor für nahezu alle Segelboote.
Die Zentraleinheit beider Modelle besteht aus Aluminium: Der Zweizylinder-Reihenmotor mit oben liegender Nockenwelle hat einen Hubraum von 212 cm3. Die Propeller wurden speziell auf den Drehmomentverlauf des Motors abgestimmt, um eine weiche, aber druckvolle Kraftentfaltung zu erzielen. Das FT-Modell bedient sich einer größeren Getriebeuntersetzung und eines patentierten Doppelschub-Propellers, um schwere Boote auch schnell aufstoppen zu können.
Schon im letzten Jahr hatte Yamaha mit dem V8-Motor F350 (ausgestattet mit 5,3 Litern Hubraum und 350 PS Leistung) den weltgrößten Außenborder präsentiert. Nun folgte, zwei Nummern kleiner, der V6-Viertaktmotor F 225 CETL als Antrieb für Sportboote, deren Spiegelhöhe für den 20-Zoll-Langschaft ausgelegt ist. Der Motor mit 3.352 cm3 Hubraum und einer modernen EFI-Benzineinspritzung basiert auf dem bekannten Motorblock des Yamaha F 250 A.
Der Neue besitzt durch eine variable Nockenwellensteuerung ein außergewöhnliches Drehmoment im unteren und mittleren Drehzahlbereich, während die Einspritzung und das computergestützte Motormanagement für einen effizienten Umgang mit Kraftstoff zuständig sind. So erfüllt der Motor natürlich alle EU-Geräusch- und Emissionsgrenzwerte.
Mercury führt in dieser Saison zwei neue Verado-Motoren ein: Die 200 beziehungsweise 300 PS starken Außenborder, die auf der Miami Boat Show vorgestellt wurden, sind jetzt international erhältlich. Beide besitzen eine elektronisch gesteuerte sequenzielle Multiport-Einspritzung, die für einen ruhigen und sparsamen Betrieb sorgt. Mit der verwendeten Schalldämpfungstechnik reklamiert Mercury für sich, den leisesten Motor in seiner Klasse anzubieten.
Ein SmartStart genanntes System sorgt dafür, dass man vorm Starten nur noch den Zündschlüssel drehen und wieder loslassen muss: Der Motor springt sofort an. Auch sonst setzt man sehr auf Komfort: Die Sechszylindermodelle von Verado sind serienmäßig mit elektrohydraulischer Servolenkung ausgerüstet. Das digitale Gas- und Schaltsystem SmartCraft DTS, das bei allen Vier- und Sechszylindermodellen serienmäßig ist, sorgt für ein sehr gutes Ansprechverhalten; der Hersteller verspricht ein „schon fast automobilähnliches Handling“.
Der neue 200-PS-Vierzylinder-Reihenmotor der Marke Verado ist, so Brunswick, der leichteste Vierzylinder-Außenbordmotor seiner Klasse auf dem Markt. Er ist als 20-Zoll-Langschaft- und 25-Zoll-Extralangschaft-Modell erhältlich. Der 300-PS-Verado ist als 20-, 25- und 30-Zoll-Schaftmodell erhältlich.
Kommen wir zu den Innenbordern: Axius ist da. Mit diesem System steht die Joystick-Bedientechnik, die bisher dem Volvo-IPS-System vorbehalten war, auch als US-Technologie zur Verfügung. Dabei kommen zwei individuell arbeitende MerCruiser-Motoren mit Bravo-III-Z-Antrieben zum Einsatz. Durch das digitale Gas- und Schaltsystem und die elektronisch-hydraulische Lenkung wird das Führen größerer Boote deutlich einfacher.
Axius nutzt herkömmliche Z-Antriebe, die aufgrund der Fähigkeit, sich unabhängig voneinander zu bewegen, eine Leistung liefern, die weit über jener von herkömmlichen Booten mit Z-Antrieb liegt. Axius ist besonders attraktiv für Bootsbauer, da keine Veränderungen am Rumpf erforderlich sind und die einzige sichtbare Veränderung der Joystick und ein kleines Controlpad an der Schaltung sind. Axius ist mit Motormodellen von 260 bis 425 PS erhältlich, die allesamt mit den seit langem erprobten Bravo-III-Z-Antrieben gekoppelt sind.
In Deutschland setzt beispielsweise Bavaria Yachtbau das Antriebs- und Komfortsystem bei Motoryachten der sport-Modellreihe ein. Dieses System, so heißt es in Giebelstadt, wird in allen Modellen von der Bavaria 27sport bis einschließlich der Bavaria 37sport/HT mit Benzinmotoren als Motorisierungsoption eingesetzt werden.
Cummins MerCruiser Diesel hat auf der boot Düsseldorf 2008 angekündigt, dass die QSD-Motorbaureihe jetzt in Leistungsstufen bis zu 350 PS erhältlich sein wird, und zwar in Kombination mit einem Z-Antrieb. Dabei wird der bewährte Z-Antrieb MerCruiser SeaCore Bravo III XR mit einem Übersetzungsverhältnis von 1,81:1 zum Einsatz kommen. Dieses Paket (QSD4.2-350) wird auch in Kombination mit dem Z-Antrieb SeaCore Bravo I XR mit einem Übersetzungsverhältnis von 1,50:1 erhältlich sein. Beide Antriebe sind, um eine längere Lebensdauer und höhere Belastbarkeit zu erreichen, im oberen und unteren Radsatz mit Mercury-Rennzahnrädern bestückt. Die Antriebe Bravo I XR und Bravo III XR können auch in Kombination mit der 320-PS-Leistungsstufe für QSD kombiniert werden (QSD4.2-320).
„Bis jetzt war 320 PS die stärkste Leistung, die wir für Z-Antriebe anbieten konnten“, ließ der Vize-Verkaufschef Gary Dickman verlauten. „Mit der 350er-Stufe erschließen sich uns neue Anwendungsmöglichkeiten in größeren Booten. Die korrosionsfesten SeaCore Bravo XR-Antriebe werden die perfekte Ergänzung für dieses Paket darstellen“, so Dickman.
Das weltweit erste serienmäßige Hybridantriebssystem für Sportboote haben die österreichischen Unternehmen Steyr Motors und die Bootswerft Frauscher auf der boot Düsseldorf gezeigt. Die umweltfreundliche Hybridlösung ermöglicht das Manövrieren mit niedrigen Geschwindigkeiten in Häfen sowie geräuschfreies Fahren auf Binnengewässern und in Naturschutzgebieten. Zudem ist der Einbau separater Generatoreinheiten für andere Ausrüstungen an Bord überflüssig.
Mit dem rein elektrischen Antriebsmodus kann, so die Herstellerangaben, eine Geschwindigkeit von fünf Knoten erreicht werden. Durch einfaches Drehen des Zündschlüssels wird der Modus gewechselt, und der Verbrennungsmotor kommt zum Einsatz. Das ausgeklügelte Antriebssystem wird dann vom elektrischen Antrieb verstärkt und sichert bei niedrigerem Kraftstoffverbrauch und verbesserten Ansprech- und Dynamikeigenschaften eine schnellere Beschleunigung bis zum Erreichen der Gleitphase.
Ebenfalls in Düsseldorf als Neuheit präsentiert wurde die Turboversion des dauervollgastauglichen Vierzylinders von Volkswagen Marine, der 75 PS bei 3.600 U/min leistet und bei 2.000 U/min sein maximales Drehmoment von 155 Newtonmetern erreicht. Ebenfalls zu sehen war der auf der Interboot 2007 neu vorgestellte Volkswagen Marine TDI 265-6. Die weiterentwickelte Version des 3-Liter-V-6-Motors auf Audi-Basis ging im Dezember 2007 in die Serienfertigung. Der mit piezogesteuerter Common-Rail-Einspritzung ausgestattete 265-PS-Motor habe „am Markt eingeschlagen wie eine Bombe", so Verkaufsleiter Thomas Bellger. Innerhalb von vier Wochen, nach der Weltpremiere im September, habe es eine Fülle von Bestellungen gegeben.
Von neuen E-Tec-Motoren war bis Redaktionsschluss nichts zu hören. Doch es gab etwas zu feiern: Auf der diesjährigen Miami International Boat Show fiel der Startschuss für die Feierlichkeiten anlässlich des 100. Geburtstags der zum Bombardier-Konzern gehörenden Außenbordmotorenmarke Evinrude – wir berichten in der nächsten Ausgabe ausführlich.

Aktuelle Meldungen

« zurück |  vor »

Neu auf dem Markt

« zurück |  vor »

Jetzt am Kiosk: das September-Heft

Special Klassische Motorboote
Bootstests Jeanneau Leader 8/9/10, Sloep Corsiva 620, Noaber 47, Cruiser Salona 42
Praxis Stahlschiffe beurteilen Messe Interboot Friedrichshafen

148 Seiten Markt & Magazin
Abo mit Prämie bestellen » Mini-Abo testen »