
Mister Spock hätte an dem futuristisch aussehenden, multi-funktionalen und gut zwei Kilogramm schweren Toughbook wohl seine helle Freude bei der Erkundung fremder Welten gehabt. Das wetterfeste Mini-Notebook beherrscht neben der Navigation auch die üblichen Windows-Anwendungen. Und doch ist unser Testgerät anders als ein Sony Vaio, Eee PC oder andere Netbooks. Das stabile Gehäuse vermittelt den Eindruck, dass nicht mal ein LKW, der darüber fährt, dem Gerät Schaden zufügen könnte. Einen kräftigen Knuff verkraftet der Computer ebenso wie Wasser, denn Gehäuse und alle Anschlüsse – und davon gibt es rund ums Chassis jede Menge – sind spritzwassergeschützt respektive mit wasserfesten Klappen verschlossen. Kein Wunder also, dass das robuste Gerät auch auf Bohrinseln und bei der Feuerwehr im Einsatz ist. Dafür kostet es auch 3.700 Euro, also fast das Zehnfache anderer Geräte. Bestückt mit einer 160-GB-Festplatte, 2 GB RAM, Windows XP und einem Office-Paket lässt sich dank des integrierten WLAN-Moduls sofort Kontakt zum Internet aufnehmen. Wenn kein WiFi-Netz in Reichweite ist, versieht der per USB angestöpselte UMTS-Stick Web’n Walk von T-Mobile samt Managersoftware problemlos seinen Dienst. Eine integrierte UMTS-Karte gibt es auch als Zubehör. Ein kurzes Verlängerungskabel zwischen Stick und Notebook ist praktisch: Es verhindert, dass der gesamte Stecker bei unsanften Berührungen aus dem Gerät gerissen wird – ein lohnenswerter Schutz für jeden Rechner. Kommt Navigationssoftware auf ein Mini-Notebook, ist bei Kauf und Installation darauf zu achten, dass die maximale Auflösung des Displays mit der Kartendarstellung der Software übereinstimmt – und dass die Seitenformate 4 zu 3 oder 16 zu 9 unterstützt werden. Sonst kann es passieren, dass manche Karten auf dem Schirm nicht angezeigt werden können. Apropos Bildschirm! Helligkeit und Schärfe der Anzeige des Toughbooks CF19 sind beeindruckend. Auch an Deck und bei Sonneneinstrahlung war das 10,4-Zoll-Display mit einer Auflösung von 1.024 x 768 Bildpunkten noch prima ablesbar. Und auch bedienbar – per Bluetooth-Maus, mit dem griffigen Touchpad oder der integrierten Tastatur, die wie bei allen Mini-Notebooks gewöhnungsbedürftig klein ausfällt. Der Bildschirm lässt sich drehen und auf das Gehäuse klappen; so entsteht ein Tablet-PC, dessen hochwertiger Touchscreen mit einem kleinen Stift bedient werden kann. Das ist eine prima Sache für die ausgiebige Navigatorarbeit an Deck: Erst nach knapp neun Stunden Dauereinsatz macht der Akku schlapp. MaxSea TimeZero Navigator haben wir als Navigationssoftware aufgespielt. Hier können wahlweise Übersichts- und Detail-Rasterkarten oder Vektorkarten zur 2D- und 3D-Navigation herangezogen werden. Der Clou an dieser ab 898 Euro erhältlichen Software ist, dass sich zusätzlich Satellitenbilder überlagern lassen. So bekommt der Navigator neben Leuchtfeuern, Wassertiefen und Fahrwassern gleichzeitig einen Eindruck von der Landschaft. Die Luftbilder sind für die Hybridanzeige (also die Überlagerung) optimiert, wenn auch deren Auflösung etwas besser sein könnte. Bei höherer Vergrößerung fällt die Anzeige doch recht unscharf aus. In der Übersicht ergibt sich am Schirm aber ein spannendes Bild. Über die bei Yachtelektronik übliche NMEA-Schnittstelle können Navigationsdaten von GPS, Windmesser, Kompass, Logge etc. eingespielt und numerisch sichtbar gemacht werden. Eine kleine GPS-Maus namens GPS Receiver 16 Kanal CR4 vom Elektronikmarkt Conrad hatten wir ebenfalls mit an Bord. Es muss ja nicht immer Equipment vom Yachtausrüster sein. Das kleine Ding empfing sogar unter Deck am Kartentisch schnell und einwandfrei die Positionsangaben und leitete sie problemlos via USB an die Navi-Software weiter. Natürlich wird die Schiffsposition ständig aktualisiert in der Karte dargestellt. Sogar Wetterkarten als Grib-Files können importiert und überlagert werden. Wenn wir anstatt der (im Testmuster mitgelieferten) Karten von Nord- und Ostsee das Mittelmeer-Kartenpaket beim Törn dabei gehabt hätten, wäre unsere traditionelle Navigation mit Papierkarten fast zum Erliegen gekommen. Auch die Vektor-Seekarten von NaviChart waren mit am Start. Hier kann der Interessent eine Probier-Version von der Webseite laden, die leicht eingeschränkt ist und (noch) keinen NMEA-Support bietet. Immerhin sind aber weltweite Seekarten in vielen Zoomfaktoren beinhaltet, wenn auch nicht ganz auf dem neusten Stand. Es lassen sich eine Reihe von Wegepunkten markieren und zu einer Route zusammenstellen. In einem separaten Fenster werden Positionen, Kurse und Distanzen angezeigt – das ist bei der globalen Törnplanung praktisch. Zur guten Navigation gehört aktuelles Kartenmaterial: In der NaviChart-Vollversion kommen dann die verschiedenen NMEA-Daten mit auf den Schirm. Die Software kostet 199 Euro, pro Region kommen 149 Euro für die Seekarten hinzu. Mini-Notebooks sind angesagt! Schon für weniger als 200 Euro ist dieser mobile Web- und Surfspaß zu haben – mit entsprechenden Einschränkungen, je niedriger der Preis ist. Mit ihren schnellen Prozessoren, großen Speichervolumina, üppiger Anschlussauswahl und integrierten drahtlosen Verbindungen stehen sie ihren großen Brüdern in (fast) nichts nach. Gewöhnungsbedürftig sind allerdings die systembedingt recht kleinen Tastaturen, vor allem aber die Mini-Displays. Für E-Mails sowie fürs Surfen im Web reichen Größe und Auflösung gut aus. Wer dagegen mehr sehen will, benötigt wenigstens ein hoch auflösendes Display – was den Mini-PC deutlich verteuert – oder eben ein „richtiges“ Notebook. Das ist dann allerdings auch nichts für die Bohrinsel wie das Toughbook von Panasonic, das wir auch ohne Wassereinbruch an Bord lieb gewonnen haben. Text und Foto: Hans Mühlbauer