Porträt 50 Jahre MerCruiser
Als Jim Wynne 1950 Carl Kiekhaefer die Skizze eines Motors mit Z-Antrieb vorstellte, antwortete der erfolgreiche Bootsmotorenbauer, er solle aufhören, seine Zeit zu vergeuden. Schließlich war Kiekhaefers Firma für überlegene Außenborder bekannt – und jede mögliche Ablenkung konnte Marktanteile kosten. Der wegen seiner charakteristischen Form so genannte Z-Antrieb, bestehend aus Innenbordmotor und einer Antriebseinheit außerhalb des Rumpfs, die der unteren Hälfte eines Außenborders ähnelt, wurde bereits in den 1930er-Jahren ohne großen Erfolg vermarktet.
„Mein Vater meinte, einen Motor mit Z-Antrieb zu bauen, sei eine wirklich schlechte Idee“, erinnert sich Carls Sohn Fred Kiekhaefer, Chef von Mercury Racing. In Europa erkannte man das Potenzial von Wynnes Entwurf. Zwei Tage nach Vorstellung seiner Idee bei Penta-Chef Harald Wiklund unterzeichnete der Amerikaner einen Vertrag mit der schwedischen Motorenschmiede.
Als Volvo Penta den ersten modernen Motor mit Z-Antrieb Anfang Januar 1959 auf der großen Bootsmesse in New York vorstellte, änderte Kiekhaefer seine Meinung. „Aus einer schlechten wurde eine wirklich gute Idee,“ so Sohn Fred.Kiekhaefer setzte seine Ingenieure darauf an, eine bessere und stärkere Maschine als Volvos 80-PS-Motor herzustellen. Ein Testmotor wurde bei Mercury Marine in Fond du Lac gebaut und, streng geheim, auf dem Lake X in Florida getestet.
Der erste MerCruiser mit Z-Antrieb wurde 1961 auf der Bootshow in Chicago vorgestellt. Gegenüber Mercurys 125 bis 200 PS starken Motoren sah die schwächere Konkurrenz vergleichsweise blass aus. Die Erfindung von Z-Antrieben veränderte den Markt, und das war Kiekhaefer bewusst.
Die an schnellen Sportbooten unter zehn Metern Länge sehr häufige Antriebsart bietet im Vergleich zu reinen Innenbordmotoren und klassischen Wellenanlagen eine wesentlich bessere Manövrierfähigkeit, ist aber auch teurer als Außenborder. Motoren, die eigentlich für Automobile gedacht waren, für Marinezwecke anzupassen, war dabei die einfachste und kostengünstigste Weise, die Kraft für Bootsmotoren zu erhöhen.
Der Rest ist Geschichte: Es brauchte seine Zeit, ehe Bootsbauer und die Öffentlichkeit die Z-Antriebe annahmen. Bald produzierten mehr als ein Dutzend Hersteller Z-Antriebe, wobei MerCruiser 80 % des Markts beherrschte. In den 1980er-Jahren brachte MerCruiser die Antriebe Alpha und Bravo One auf den Markt, 1995 wurde die 2-Millionen-Grenze verkaufter MerCruiser überschritten, vor kurzem zog Brunswick mit Axius, dem ersten Navigationsjoystick für Z-Antriebe nach. Und wieder kommt der Konkurrent aus Schweden.