Klassiker H-Jolle

06/2011

Klassiker H-Jolle

90 Jahre H-Jolle?
Ob Schiffstaufen, Regattapreise, glückliche Heimkehr oder eine Jahresfeier – bei Seglern gibt es eigentlich immer etwas zu feiern. Stehen Jubiläen an, lädt ein bereitwilliger Verein die Klasse zu einem Treffen. Und so müsste nun eigentlich der 90. Geburtstag der H-Jollen-Klasse in diesem Jahr gefeiert werden.

Jubiläen sind Seglerfeste, die so schnell niemand vergisst: so wie 1985, als der Segel-Sport-Club Bosau zum 60-Jahre-Meeting der H-Jollen-Klasse an den Großen Plöner See einlud, und zuletzt zum 75-jährigen Bestehen der Klasse, im Jahr 2000 beim Plöner Segler-Verein – mit jeweils mehr als 300 Gästen und 70 bis 80 H-Jollen am Start. Bemühte man den deutschen Rechenmeister Adam Ries(e), stünde jetzt, elf Jahre nach der letzten Feier, also gar kein Jubiläum der Klasse an. Weshalb also plötzlich „90 Jahre H-Jolle“?

Vor genau 30 Jahren, als ich begann, mich ausführlicher mit der Geschichte der Klasse zu befassen, fand ich nach einigen Recherchen einen 1936 in der Segelzeitschrift „Yacht“ veröffentlichten Bericht von Bruno Vogelhaupt, in der Klasse seinerzeit und bis heute als „Lattenbruno“ bekannt. Und zwar deshalb, weil Vogelhaupt sich nach einem Verbot durchgehender Segellatten durch den Deutschen Segler-Verband 1929 engagierte und letztlich erfolgreich um den Erhalt der Langlatten einsetzte. Antragsteller gegen die Latten auf dem Verbandstag waren übrigens auch der Norddeutsche Regatta-Verein (NRV) und der Hamburger Segel-Club (HSC). 1931 wurden sie dann, Bruno sei Dank, wieder zugelassen.

Im dunklen Jahr 1936 also blickte Vogelhaupt in seinem Yacht-Beitrag auf ein Ereignis zurück, das gut zehn Jahre zurücklag. Ende 1925 hatte der Seglerverband die 15-m2-Binnenfahrtjolle zugelassen, und man hatte der neuen Klasse als Zeichen ein „F“ ins Segel gegeben. Aber 1933, als es nach der Gleichschaltung sämtlicher Seglervertretungen – Verband, Bund und Freie Segler – durch die braunen Machthaber nur noch H-Jollen gab, war dem Autor klar, dass 1985 das 60-jährige und entsprechend 15 Jahre später das 75-jährige Bestehen der Segelklasse zu organisieren war.

So weit, so gut? Nein. Denn was ich 1985 noch nicht wusste: Diese Zählung bezog sich nur auf die 1925 vom Verband gegründete 15-m2-Binnenfahrtjolle. Dabei gab es 1925 tatsächlich schon H-Jollen, nämlich die 15-m2-Wanderjolle des Deutschen Segler-Bunds. Der 1912 gegründete Segler-Bund verstand sich als Organisation für die so genannten „kleinen Leute“, die sich in dem eher dem „Herrensport“ verschriebenen Verband nicht aufgehoben fühlten. Außerdem hatte sich der Bund vermehrt die Förderung des Tourensegelns auf die Fahnen geschrieben.

Und so beschlossen die Delegierten des Bunds auf dem 5. Bundes-Seglertag am 16. Juli 1921 in Altona, neben der 20-m2-Wanderjolle, dem 20er und der 30-m2-Jollenkreuzer die 15-m2-Bundeswanderjolle einzuführen. Sie gaben ihr als Unterscheidungszeichen das noch heute übliche H ins Segel – wobei das Klassenzeichen wie bei allen im Segler-Bund zugelassenen Klassen in Abgrenzung zu den Verbandsklassen unterstrichen war.

Zwar wurden erst zwei Jahre später die nötigen Bauvorschriften für die neue Klasse verabschiedet, aber (wenn auch vorerst nur per Beschluss) war die Klasse damit geboren. Als 1933 dann alles in einen Topf gezwungen wurde, zählte man die Wanderjollen im Bund und Verband, stellte schnell fest, dass mehr H-Jollen registriert waren, sodass die F-Jollen-Besitzer ihre Segelzeichen und -nummern ändern mussten.

So kann die H-Jollen-Klasse mit Fug und Recht alle zwei Jahre ein Fass aufmachen: 2011, 90 Jahre nach Beschluss zur Einführung ihrer Klasse durch den damaligen Segler-Bund. In zwei Jahren, 2013, anlässlich der 1923 verabschiedeten Klassenbestimmungen. Und schließlich 2015, 90 Jahre nach der Geburtsstunde der F-Jolle im Verband. Herzlichen Glückwunsch!

 

h-jolle.net

 

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