Die nächste Welle
Moderne Bootsmotoren zeichnen sich nicht nur punktgenaue Kraftentfaltung und hochwertige Materialien aus, sondern auch durch immer bessere Verbrauchswerte und geringe Geräuschemission an Bord. Wir haben einen Blick auf die Premieren geworfen, die die Motorenschmieden in diesem Herbst für die kommende Saison vorstellen – vom kleinen Mini-Außenborder bis zu den neuen IPS-Riesen.Die Riesen zuerst: Als weltweit führender Anbieter von durch den Rumpf geführten Antriebssystemen, so genannten Pods, hat Volvo-Penta seit der Markteinführung des IPS-Systems im Jahr 2005 hat Volvo Penta Marktanteile zu Lasten konventioneller Wellenanlagen erobern können.
Im kommenden Modelljahr stellt Volvo-Penta mit dem IPS 800 und IPS 900 zwei neue, wesentlich leistungsstärkere Versionen seines 2005 eingeführten Antriebssystems vor. Beide verfügen über einen mit elf Litern Hubraum Yachtdiesel-Motor, dessen enormes Drehmoment durch größere Antriebe und Propeller – eine 70% größere Blattfläche kommt hier zum Einsatz – in Schub umgesetzt wird.
Als Doppel-, Drei- und Vierfachanlagen einsetzbar, sind die neuen Motoren für alle gleitenden Motoryachten von 50 bis 100 Fuß einsetzbar. Für den Schiffsführer macht es keinen Unterschied, ob die Yacht mit Doppel-, Dreifach- oder Vierfachanlage ausgerüstet ist. Gas geben und Schalten erfolgt wie bei einer Doppelanlage mit nur einer Fernbedienung mit zwei Fahrhebeln.
Volvo-Penta stattet seine neuen IPS-Systeme serienmäßig mit einer Schleichfahrtfunktion aus. Durch kontrolliertes Durchrutschen des Getriebes wird die Geschwindigkeit bei Leerlauf um etwa 50 % von 5 bis 6 Knoten auf 3 bis 4 Knoten gesenkt. Dies vereinfacht das Manövrieren in beengten Häfen und Fahrwassern erheblich.Eine Volvo-Penta-IPS-900-Vierfachanlage bietet Fahrleistungen, für die bei Verwendung einer Wellenanlage eine Motorleistung von rund 3.600 PS (2.640 kW) erforderlich wäre. Der Kraftstoffverbrauch von IPS 900 ist nach Angaben der schwedischen Hersteller jedoch 30 % niedriger – und die Reichweite entsprechend höher.
Volkswagen Marine präsentiert mit dem neuen TDI 350-8 nach Aussage von Stephan Platzeck, Marketing Volkswagen Marine, eine vollwertige Diesel-Alternative zu Big-Block-Benzinern. Aufgrund des bereits unterhalb von 1.500 U/Min einsetzenden hohen Drehmoments aus zwei variablen Turboladern ergibt sich auch für schwerere Boote ein Angleitverhalten, mit dem selbst größte Benziner kaum Schritt halten können. Das maximale Drehmoment wird zwar bereits bei 1.900 U/Min erreicht, bleibt aber im weiteren Drehzahlband sehr hoch. Das Gewicht des Aggregats bleibt dabei unterhalb vergleichbarer Benziner und weit unterhalb des Gewichts der meisten anderen Bootsdiesel dieser Leistung.
Volkswagens Versuchsträger, ein Targa namens 30 Speed TDI, beschleunigt mit diesen Aggregaten in der Sterndrive-Version, die Anfang 2010 lieferbar sein wird, nach Angaben der Entwickler mühelos auf mehr als 50 Knoten. Damit hat diese bewusst „robust“ aussehende Yacht auf der Ostsee gelegentlich für Verblüffung sorgt – zumal von den Motoren aus Salzgitter, insbesondere im Kontrast zu offenen V8-Benzinern, selbst bei voller Fahrt nur wenig zu hören ist. Für den Volkswagen TDI 350-8, heißt es aus der niedersächsischen Motorenschmiede, gebe es starkes Interesse auch außerhalb der reinen Freizeitmotorenwelt.
Yamaha will in der nächsten Saison mit drei neuen Modellen den Markt kleiner Außenbordmotoren aufmischen. Die neuen Motoren – nach Angaben der Deutschland-Niederlassung sollen sie auf die Namen Yamaha F4, F5 und F6 hören – sind Einzylinder-Motoren, die sich durch eine besonders einfache und damit auch für Gelegenheitsfahrer benutzerfreundliche Handhabung auszeichnen. Der Clou an der neuen Modellreihe ist, dass der mittlere Modell mit nominal 5 PS Leistung führerscheinfrei zu fahren ist.
Nach Angaben des Herstellers wurde bei der Konstruktion besonders darauf geachtet, einen Motor zu entwickeln, der gerade für Einsteiger und für den einfachen Transport geeignet ist – ohne für Laien unlösbare Probleme wie auslaufendes Öl, wenn der Motor mal auf der falschen Seite lag. Als Premierentermin peilt Yamaha Deutschland die Boot & Fun Berlin Ende November an – dann wird es auch Bilder der drei kleinen Japaner geben.
Mizu Technology aus Hitzingen am Bodensee ist der weltweit erste Anbieter, der den Schadstoffausstoß von Bootsmotoren wahlweise im Benzin- oder Gasbetrieb auf die Bodenseenorm BSO Stufe 2 hin geprüft hat. Die Mizu P-Max genannte Technologie, die sich als Anbausystem an Benzin- und Gasmotoren adaptieren läst, reduziert den CO2-Ausstoß und sorgt für einen sparsameren Verbrauch. Beim Einsatz des patentierten Systems für Gasmotoren verspricht Mizu eine Halbierung der Verbrauchskosten – gegenüber einem entsprechenden Benzinmotor. Zurzeit ist P-Max für Motoren mit Einspritzanlage erhältlich.
Beim Motorentuning hat Mizu bereits früher auf sich aufmerksam gemacht. Die auf Gasumrüstung spezialisierten Badenser bieten einen in Deutschland hergestellten Wärmetauscher an, der – in den Kühlkreislauf integriert – die Warmlaufphase des Motors verkürzt, indem angesaugtes Seewasser vorgewärmt wird. Das System schützt so Einkreiskühlungen vor Verschleiß und kann in 4-, 6- und 8-Zylinder-Motoren von Volvo-Penta und Mercruiser eingebaut werden, die einen zweiteiligen Auspuffsammler besitzen.
Tohatsu stellt die Viertakt-Schwestermodelle xMFS 8 und MFS 9.8 mit 5,0 beziehungsweise 7,2 kW Leistung am Propeller für das Modelljahr 2009 vor. Beide sind komfortabel mit Power-Trimm und Tilt-Funktion ausgestattet. Mit „Quick move PT“ ist es möglich, in gerade einmal fünf Sekunden den gesamten Trimmwinkelbereich zu durchfahren. Im Paket mit dem Power-Trimm sind die neuen Modelle, so verspricht es der Hersteller – „wahrscheinlich weltweit die Leichtesten“ ihrer Klasse. ie neuen Zweizylinder mit 209 ccm Hubraum erreichen ihre Nennleistung zwischen 5.000 bis 6.000 U/min. Mit einer Getriebeübersetzung von 2,08:1 sorgen sie mit ihrem Dreiblattpropeller für spontan einsetzenden und kraftvollen Schub. Die Pinne mit Gasdrehgriff und integrierter Vor-Rückwärtsschaltung ermöglicht schnelle, sichere und auch anspruchsvolle Ein-Hand-Fahrmanöver. Power-Trimm und Tilt-Schalter der neuen Tohatsu-Modelle liegen in der Pinnenvariante ergonomisch in „Daumenweite“ vom Gasdrehgriff. Ein integrierter Halter für die Batteriekabel schafft Ordnung an Bord bei den Motoren mit Pinne. Gestartet wird wahlweise elektrisch oder per Handstart.
Honda führt in diesem Herbst den neu entwickelten Außenbordmotor BF 60 an, den der japanische Hersteller als leichtestes und gleichzeitig sparsamstes Aggregat seiner Klasse tituliert. Der Viertakter mit 4-Ventil- und Einspritztechnik ist mit dem Blast-System (siehe Bootshandel-Magazin Mai 2008) ausgestattet, das für eine Steigerung von Drehmoment und Leistung sorgt.
Wie bei den im Frühjahr 2008 vorgestellten Motoren BF 40 D und BF 50 D ist auch bei der 60-PS-Modell eine computergesteuerte Benzin-Einspritzanlage verbaut. Dieses programmierte, elektronische Einspritzsystem (PGM-FI) sorgt nach Angaben des Herstellers für leichtes Starten und schnelles Ansprechverhalten beim Beschleunigen. Zudem kann die jeweils benötigte Menge an Kraftstoff exakt dosiert werden.
Der Honda BF 60 eignet sich für den Einsatz mit RIBs sowie Angel- und Freizeitbooten. Das ebenfalls verfügbare Schubmodell ist der passende Partner für schwerere Boote ist. Beide Modelle des Honda BF 60 – sie sind ab September 2009 europaweit zu haben – besitzen ein völlig neues Getriebegehäuse, das den Strömungsverlauf verbessert und den Wasserwiderstand verringert. So konnten nach Hondas Auskunft Effizienz und Performance deutlich erhöht werden. Die optimierte Kavitationsplatte sorgt dafür, dass die Entstehung von Spritzwasser deutlich reduziert wurde.
Schon seit einiger Zeit auf dem Markt sind, veredelt vom Lahnsteiner Importeur KPM Krahwinkel, die Bootsmotoren der Marke Scam. Die Motorenpalette umfasst elf Modelle zwischen 9,3 kW (12,5 PS) und 240 kW (326 PS) und basieren auf den bekannten Kubota-Mitsubishi-Aggregaten, die in Kroatien in Handarbeit produziert werden. Als Reihenmotoren verfügen sie über zwei, drei, vier oder sechs Zylinder und erzeugen ihre Leistung aus bis zu zwölf Litern Hubraum.
FNM-Marine-Diesel-Motoren werden seit diesem Jahr von der B & B Marine Group nach Deutschland und in die Schweiz importiert. Die inzwischen immer bekannter werdenden Turbodiesel-Aggregate auf Fiat-Power-Train-Basis leisten zwischen 29 kW (40 PS) und 184 kW (250 PS) und lassen sich mit Wendegetrieben von ZF sowie MerCruiser-Bravo-Antrieben kombinieren. Neu im Programm des italienischen Herstellers aus der Basilicata ist der 81 kW (110 PS) starke FNM-Jetantrieb und der 55 kW (75 PS) leistende Saildrive.
Für Segler gibt es in der neuen D3-Dieselserie von Volvo-Penta ein neues Modell mit 150 PS (110 kW) Leistung, das für den Einsatz auf Segelyachten ausgelegt ist. Es eignet sich auch für Motoryachten mit Verdränger- oder Halbgleiterrumpf. Der Motor basiert auf einem neu entwickelten Fünfzylinder-Reihenmotor mit 2,4 Litern Hubraum und Aluminiumblock. Dessen Common-Rail-Einspritzung verfügt über piezoelektrische Einspritzdüsen, die mit einem Druck von 1.800 bar arbeiten. Mehrfacheinspritzungen mit exakt dosierten Einspritzteilmengen ermöglichen es, den Verbrennungsprozess genauer zu steuern. Eine moderne und hocheffiziente Querstromkühlung sorgt für eine gleichmäßige Motortemperatur. in Turbolader mit variabler Geometrie gewährleistet eine effiziente Aufladung des Motors im unteren als auch im oberen Drehzahlbereich. So entsteht eine hervorragende Drehmomentcharakteristik für sicheres Manövrieren im niedrigen und hohe Leistung – und natürlich Durchzugskraft im oberen Geschwindigkeitsbereich.
Das neue Sail-Modell des D3 ist mit EVC, der elektronischen Plattform von Volvo Penta, ausgestattet. Die Steuerbefehle werden von den Bedienelementen elektronisch an Motor und Getriebe übertragen. Weichere, präzisere und sicherere Schaltvorgänge erleichtern die Führung der Yacht. Anders als die Bowdenzüge konventioneller mechanischer Schaltungen übertragen die Kabel der Elektronik keine Vibrationen und erhöhen so den Bordkomfort.
Auch bei Zusatzaggregaten hat die Innovationskraft der Motorenbranche in diesem Jahr nicht Halt gemacht. Das „Dynamic Positioning System“ ist eine neue, als Extra erhältliche Funktion für eine einheitliche elektronische Steuersystem EVC von Volvo-Penta. Die „Positionierhilfe“ hält die Yacht auch bei Wind und Strom automatisch im engsten Umkreis einer bestimmten Position – auch mit der gewünschten Kursausrichtung. Das ist sehr hilfreich, wenn vor einer Klappbrücke, einer Schleuse oder beim Tanken gewartet werden muss oder die Crew Zeit haben soll, um in aller Ruhe vor dem Anlegen Fender und Leinen zu klarieren. Dabei bestimmen zwei GPS-Empfänger die Schiffsposition und -ausrichtung. Eine EVC-Software setzt die GPS Signale dann in Lenkwinkel, Schaltvorgänge und Drehzahlen um, die das Schiff auf Position halten.
Ausgewählte Hersteller
Dressel Marineservice (Hammerhead), Tel. (04105) 820 72, marineservice.de
FNM Marine Diesel, Tel. (08323) 51295, fnm-marine.com
Honda Motor Europe (North) GmbH, Tel. (01805) 20 20 90, honda.de
KPM Krahwinkel, Tel. (02621) 405 50, krahwinkel-kpm.de
Mizu Technologie GmbH, (07731) 906 70, mizugas.com
Suzuki International Europe GmbH, Tel. (06251) 570 00, suzuki.de
Volkswagen Marine, Tel. (0180-1) 89 89 00, volkswagen-marine.de
Volvo-Penta / Tohatsu, Tel. (0431) 399 40, volvo.de, tohatsu.de
Yamaha Motor Deutschland GmbH, Tel. (02131) 201 30, yamaha-motor.de
Text: Stefan Gerhard