In Leipzig träumt man zurzeit vom mitteldeutschen Meer, vom eigenen Stadthafen und langfristig vom Anschluss der Kultur- und Wasserstadt ans europäische Binnengewässernetz. Doch nicht nur Leipzig hat große Pläne: Durch die Flutung ehemaliger Braunkohle-Tagebaue in Sachsen und der benachbarten Lausitz entsteht eine komplett neue Gewässerlandschaft mit mehr als 100 Seen, darunter dem Geiseltalsee als größtem künstlichen See Deutschlands.
Besonders attraktiv wird das neue Revier – mit etablierten Fließgewässern wie der Elbe, Mulde und Saale – durch die Vernetzung der einzelnen Gewässer. Allein im Kernbereich des Lausitzer Seenlands entsteht eine mit schiffbaren Kanälen zu einer Seenkette verbundene Wasserfläche, die mehr als doppelt so groß ist wie die der Müritz, Deutschlands größtem See.
Zusätzlich zu den bereits vor vielen Jahren aus dem Tagebau entstandenen und bei Urlaubern beliebten Senftenberger-, Knappen- und Silbersee werden durch die Flutung ehemaliger Tagebauflächen schrittweise weitere 15 Seen hinzukommen. An einigen Seen wie dem Erikasee und Bernsteinsee werden mit dem Naturschutzgroßprojekt Lausitzer Seenland wilde Lebensräume und seltene Arten geschützt.
Im Zentrum des Lausitzer Seenlands entsteht eine besonders eng zusammenhängende Seenkette mit insgesamt rund 5.500 Hektar Wasserfläche. Mehrere dieser Seen sollen durch schiffbare Kanäle verbunden werden. Damit können Segelboote und kleinere Fahrgastschiffe die ersten Passagen von See zu See unternehmen.
Durch gute Windbedingungen sowie durch ihre Größe und Form bieten fast alle Seen hervorragende Voraussetzungen für das sportliche Segeln und Surfen. Für Freunde von hohen Geschwindigkeiten und Jetbootfahrer ist geplant, den Spreetaler See zu Deutschlands erstem Speedbootzentrum auszubauen.
Die an verschiedenen Standorten geplanten Attraktionen sind thematisch aufeinander abgestimmt; erste Projekte befinden sich in der Realisierung. Derzeit werden am Geierswalder See eine Wasserskianlage, ein Sportboothafen und eine Marina mit Schwimmenden Häusern entwickelt. Am Bärwalder See, dem größten See Sachsens wird ein Sportboothafen mit Wassersportschule vorbereitet. Eine Besonderheit ist der entstehende Wasserflugplatz am nördlichen Ufer des Sedlitzer Sees.
Nur mit dem Motorbootfahren tut man sich schwer. Hier ist abzuwarten, was die Gewässerbetreiber erlauben – denn die neuen Reviere werden von unterschiedlichen Unternehmen und Zweckverbänden bewirtschaftet.
Wassersportveranstaltungen wie die Deutschen Segelmeisterschaften im Ixylon-Mehrkampf auf dem Geierswalder See oder der jährliche Triathlon am Senftenberger See und am Knappensee sorgen schon heute für den sportlichen Charakter der Region.
Auch für die Wassersportwirtschaft bundesweit rückt der Südraum im Osten zunehmend ins Blickfeld. Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben zusammen über acht Millionen Einwohner, von denen im Jahr 2006 jeder Neunte Wassersport betrieb. In Bundesländern mit etablierten Wassersportrevieren liegt dieser Anteil bei 20 Prozent – es gibt also noch einiges zu tun.
Während die Berliner Messe Boot & Fun seit Jahren mit Regionalkonferenzen auch in Sachsen auf sich aufmerksam macht, hat die Messegesellschaft Leipzig nun selbst ein Format entwickelt, um im Geschäft der Bootsmessen mitzutun: Vom 12. bis 15. Februar 2009 feiert die Wassersportmesse Beach & Boat auf dem Leipziger Messegelände Premiere.
Die neuesten Produkte und Dienstleistungen des Wassersportmarktes sollen in zunächst einer Halle präsentiert werden. „Zielregionen sind das Leipziger Neuseenland und das Lausitzer Seenland“, so Projektleiter Christian Gute, der zum Auftakt unter anderem mit einem Business-Tag und Aktionen auf dem 500-m2-Wasserbecken punkten will.
In Markkleeberg, kaum 20 Kilometer vom neuen Leipziger Messegelände entfernt, fand bereits in diesem Frühjahr die Boot Sachsen als kleine Saisonauftaktschau statt.
Viele Unternehmen sind bereits seit vielen Jahren in der Region etabliert, darunter so bekannte Bootsbauer wie die Faltbootmanufaktur Poucher Boote und die Kimmschwertjollen-Produzenten BTM Wassersport, die die Einheitsklasse Ixylon fertigen. Beide Firmen sind in der Region Bitterfeld angesiedelt, die sich langsam, aber sicher von ihrem Ruf als Chemiestandort löst.
Da das Leipziger Seenland zum einen aus sehr flachen Fließgewässern und zum anderen aus Tagebaurestseen mit großen Windstreichlängen besteht, die für starke Wellenbildung sorgen, sah man vor Ort die Notwendigkeit für ein Boot, das auf beiden Gewässerarten gleichermaßen gut läuft.
Zusammen mit dem Berliner Ingenieur Christian Masilge wurde eine ökologisch nachhaltige motorbetriebene Bootsklasse speziell fürs neue Revier entwickelt: das Leipzigboot. Der Stapellauf der beiden grasgrünen Prototypen fand vor kurzem am Schladitzer See statt. Auch Handelsunternehmen und Servicebetriebe in Sachen Boots- und Wassersport sind zwischen Dessau und Dresden, Halle und Senftenberg bereits zahlreich präsent. Wie schnell sich die Tagebaulandschaft in ein Neuseenland verwandelt, dass als Wassersportrevier mit aller dafür notwendigen Infrastruktur nutzbar ist, bleibt abzuwarten.
Am mit seiner Wasserfläche von rund 1.000 Hektar künftig größten See des Leipziger Neuseenlands, dem Zwenkauer See rund zwölf Kilometer südlich des Stadtzentrums, entstehen neben Häfen, Rundwegen und Naturschutzgebieten auch größere Immobilienanlagen. Ein wohlklingender Name für die entstehende beste Wasserlage ist mit „Sächsisches Seebad Zwenkau“ bereits gefunden. Soviel ist sicher: Der große Boom steht noch bevor.
Text: Stefan Gerhard