Zahnausfall im Getriebe

07/2012

Zahnausfall im Getriebe

Das Getriebe eines Außenbordmotors ist eigentlich eine einfache Konstruktion, die sich seit langem als leistungsfähig und effektiv bewährt hat. Es sei denn, der Propeller hat unerwünscht Kontakt zum Untergrund.

Der fein aufeinander abgestimmte Aufbau eines Außenborder-Getriebes verträgt keine Unregelmäßigkeiten. Die können entstehen, wenn der Propeller auf ein hartes Hindernis unter Wasser trifft, beispielsweise auf einen großen Stein, felsigen Untergrund oder einen unter Wasser schwimmenden Gegenstand. Kaum ein Bootsfahrer bleibt von dieser Erfahrung verschont.

Vor allem kleine Sportboote mit Außenbordmotoren und geringem Tiefgang, mit denen man gerne dicht vor der Uferlinie und außerhalb des betonnten Fahrwassers unterwegs ist, sind in Gefahr, sich einen „Schlag“ einzufangen. Viele Bootseigner verlassen sich auf die dämpfende Wirkung der so genannten Rutschkupplung im Propeller. Aber auch diese Gummieinlage zwischen Welle und Propellernabe bietet keine Garantie gegen Getriebeschäden.

Einen Teil der beim Aufprall entstehenden Krafteinwirkung fangen Propeller aus Aluminium oder Kunststoff insoweit auf, als deren Flügel ganz oder teilweise abbrechen. Erfolgt die Grundberührung jedoch mit dem Edelstahlpropeller, kann das Schadensbild ganz anders aussehen.

Beim Außenbordmotor besteht das Getriebe aus einem Kegelrad-Trieb. Die Kraft auf die Propellerwelle wird beim Einkuppeln in den Vorwärtsgang durch das vordere Zahnrad übertragen, beim Rückwartsgang durch das hintere Zahnrad. Durch den plötzlichen Schlag auf den Propeller werden erhebliche Kräfte auf das Getriebe übertragen, so dass Haarrisse in den Zahnrädern entstehen können. Ist ein solches Zahnrad erst einmal im Material geschwächt oder sofort grob beschädigt, kann Metall an einzelnen Zähnen abbrechen. Möglicherweise passiert das auch erst einige Betriebsstunden später.

Diese abgebrochenen Stücke werden dann durch das gesamte Getriebe „gemahlen“ und beschädigen so weitere Teile. Geräusche im Motor oder ein unruhiger Lauf weisen darauf hin, dass ein solches Problem zu befürchten ist, zumal häufig auch die Antriebswelle in Mitleidenschaft gezogen wurde.

In der Bootsmotorenwerkstatt wird man deshalb beim Auseinandernehmen des Getriebes nicht nur die Zahnräder genau überprüfen. Haben sich „Zahnlücken“ gebildet, sollten gleich beide Zahnräder und das Kegelrad erneuert werden. Im ersten Moment erscheint das vielleicht übertrieben, aber auf Dauer macht sich das bezahlt. Denn die drei eng ineinander greifenden Teile schleifen sich beim Betrieb des Motors aufeinander ein. Wird lediglich ein Zahnrad erneuert, harmoniert es unter Umständen nicht mit den beiden anderen, was zu Folgeschäden führen kann.

Einer voreiligen Reparatur ist also zunächst eine umfassende Information oder die Beratung durch einen Fachmann vorzuziehen. Auch Jahre später erkennt übrigens ein Experte, ob bei einer zurückliegenden Instandsetzung dieser Art altes und neues Material miteinander kombiniert wurde.

Die Gesamtkosten für eine Reparatur beschädigter Zahnräder sind vom jeweiligen Motor abhängig. Rund 300 bis 400 Euro muss man bei größeren Außenbordmotoren für ein solches Ersatzteil veranschlagen. Hinzu kommen Arbeitslöhne mit durchschnittlich 50 bis 70 Euro pro Stunde. Jede qualifizierte Werkstatt ist natürlich in der Lage, einen detaillierten schriftlichen Kostenvoranschlag zu erstellen, der anschließend als Grundlage für die Rechnung dient. Als Kunde sollte man diesen Kostenvoranschlag (und später auch die Rechnung) verlangen, denn nur so kann man nachweisen, was ausgetauscht wurde.
Text: Evelyn Breuer