Vorsprung durch Vorspring

02/2012

Vorsprung durch Vorspring

Nicht jeder Segler verfügt über eine eingespielte Crew für seine Törns. Manche Schiffseigner wollen auch gar keine haben und segeln gezwungenermaßen freiwillig einhand. Auf See ist dies meist nicht das große Problem. Um die Yacht bei allen Bedingungen sicher zu führen, bedarf es einer einhandgerechten Beschlagsausstattung, vor allem aber eines guten Autopiloten, der stabil den Kurs hält.

Erst das Einlaufen in eine Bucht – und erst recht in einen Hafen – bereitet so manchem alleinreisenden Salzbuckel Probleme. Denn so viele Hände, wie es sie gleichzeitig für Leinen, Anker und Schiff braucht, hat er halt nicht. Trotzdem sollten die üblichen Anlegemanöver unter normalen Wetterbedingungen auch von Einhandseglern machbar sein, eine sorgfältige und vorausschauende Manöverplanung vorausgesetzt. Dazu gehört, dass je nach Manöver der Anker sowie die Fender und Leinen schon vor dem Hafen parat gelegt werden, am besten in einer Art „Grundstellung“, die für die meisten Manöver taugt, schon festgebändselt sind. Das erspart hektisches Herumgehopse an Deck, während die Yacht führerlos im vielleicht engen Hafenbecken treibt.

Längsseits zu gehen erscheint für einen Solisten an Bord das wohl einfachste Anlegemanöver zu sein. Wenn die Fender in der richtigen Höhe schön verteilt sind und Vor- und Achterleinen klar zum Ausbringen auf den Klampen belegt sind, kann man langsam und vorsichtig an die Mauer manövrieren und aufstoppen. Dann ist es auch keine Kunst mehr, sich über die Reling zu schwingen und die Festmacher an Land zu belegen.
Sollte Seitenwind das Manöver schwierig machen, kann der Einhandsegler am Bug eine Vorspring festmachen und außerhalb der Wanten bis ins Cockpit führen. Diese Leine kann er aus dem Cockpit heraus einem – hoffentlich da stehenden – Passanten zuwerfen und diesen bitten, diese Leine mit irgendeinem Knoten festzubinden. In diese Spring kann der Skipper jetzt eindampfen und so den Rumpf an die Mauer bringen. Mit eingekuppelter Maschine, mäßiger Drehzahl und Ruder zum Kai gelegt bleibt das Boot auch stabil in dieser Position, sodass der Solist jetzt selbst an Land gehen und die übrigen Leinen festmachen kann.

Text: Hans Mühlbauer

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