Praxis Alles über Wasserskiboote
Kleines Rad mit großer Wirkung
Über nichts wird bei Bootsfahrern so viel diskutiert wie über den Impeller. Denn die Funktionstüchtigkeit dieses Kleinteils entscheidet mitunter über Leben oder Tod eines Bootsmotors.Vielen reicht zur Kontrolle die Tatsache, dass ihr Außenborder ausreichend „pinkelt“ oder der Auspuff des Einbaumotors „spuckt“. Über den Zustand des Impellers sagt das aber nicht viel aus.
Zu Beginn der Wassersportsaison wechseln viele Gebrauchtboote die Besitzer. Angesichts eines gut gepflegten und optisch ansprechenden Sportboots denken nur wenige Neu-Eigner an Kleinigkeiten wie das Flügelrad im Motor.
Die Frage, wann der Impeller zum letzten Mal gewechselt wurde, dürfte in den meisten Fällen untergehen. Dabei kann dieses Flügelrad größten Ärger bereiten. Es sorgt nämlich dafür, dass der Bootsmotor – egal ob Außenborder oder innen liegende Maschine – mit Kühlwasser versorgt wird. Doch nicht nur der Motor wird durch das angesaugte Wasser gekühlt, sondern auch der Impeller selbst.
Während er beim Außenborder durch die Hauptantriebswelle bewegt wird, sorgt beim Innenborder in der Regel ein Antriebsriemen für die Funktion. In seinem Gehäuse sitzt das Rad eng eingepresst. Setzt sich die Ansaugöffnung der Pumpe von außen zu (zum Beispiel durch eine im Fluss schwimmende Plastiktüte) und die Wasserzufuhr wird unterbrochen, läuft das Flügelrad heiß. In der Folge schmelzen die Kunststoffspitzen weg.
Bei älteren Gebrauchtbooten lohnt sich unter Umständen der Austausch der gesamten Impeller-Einheit, vor allem, wenn sich an der Gehäusewand oder am Deckel Riefen gebildet haben.
Die Abnutzung ist auch abhängig von der Beschaffenheit des zugeführten Wassers. Sand wirkt zum Beispiel wie Schmirgelpapier und hinterlässt entsprechende Spuren. Selbst erfahrene Skipper verlassen sich mitunter auf den Warnton, mit dem das Motorsystem darauf aufmerksam macht, dass etwas nicht stimmt.
Was aber ist, wenn das Piep ertönt, während man auf offener See oder dem Rhein unterwegs ist? Beim Außenborder besteht dann keine Chance, sofort einen Impellertausch vorzunehmen, da hierfür das Unterwasserteil abgenommen werden muss. Einfacher ist es unter günstigen Umständen beim Einbaumotor, vorausgesetzt man weiß, wie es geht und man hat dazu einen Ersatzimpeller sowie Werkzeug dabei.
Eine regelmäßige Kontrolle des Impellers ist unerlässlich. Neben dem Risiko, in eine Gefahrensituation zu geraten, kann ein Defekt an dieser Stelle auch kapitale Motorschäden verursachen. Materialverschleiß deutet sich oft durch kleine Risse an den Flügeln an.
Ratsam ist es, bei einer Überprüfung (die ja mit dem Ausbau des vorhandenen Impellers einhergeht) gleich ein neues Exemplar einzusetzen. Der Arbeitsaufwand ist der gleiche.
Den Wasserkreislauf auseinander zu nehmen, ist nicht jedermanns Sache. Anleitungen dafür finden sich im Internet und in Fachbüchern. Empfehlenswert ist es jedoch, diese Arbeiten einer Bootswerkstatt zu überlassen, um klassische Anfängerfehler zu vermeiden. Dazu gehört nicht nur der Einbau in der falschen Drehrichtung, sondern auch das fehlende Fetten. Beim ersten Motorstart nach dem Austausch ist nämlich noch kein Wasser in der Pumpe; dies ist die häufigste Todesursache des Impellers.
Damit die Urlaubsreise nicht unnötig lange unterbrochen wird, ist es außerdem ratsam, immer den richtigen Ersatzimpeller sowie einen passenden Dichtungssatz und Schrauben mitzuführen.
Noch einmal zurück zum Gebrauchtbootkauf: Kann der Verkäufer den letzten Wechsel des Impellers nicht glaubhaft nachweisen, kauft man – streng gesprochen – das Risiko eines baldigen Motorschadens mit, wenn man nicht selbst tätig wird. So hat man entweder Arbeit und Materialkosten oder die Aufwendungen für die Überprüfung durch eine Werkstatt selbst am Bein. Mit etwas Verhandlungsgeschick holt man diese Kosten durch eine Kaufpreisreduzierung heraus.
Text: Evelyn Breuer