Ferngläser für Durchblicker

02/2010

Ferngläser für Durchblicker

Ein Skipper braucht ein Fernglas – auf See, aber auch binnen. Für eine gute Navigation ist es unersetzlich. Wer beim Thema Ferngläser durchblicken will, hat allerdings die Qual der Wahl. Wir haben fünf aktuelle Marinegläser verglichen.

Ein Fernglas sollte immer zur festen Bootsausrüstung gehören, denn nicht jedes Hindernis kann mit dem bloßen Auge wahrgenommen werden. Auch bei schlechtem Wetter erleichtert das Glas die Orientierung. Die im Handel angebotene Modellpalette lässt fast keine Wünsche offen. Mit Fragen zu Kontrast, Schärfe, Farbtreue und Verarbeitung sollte man sich daher vor dem Kauf auseinander setzen.


Ein Fernglas besteht aus einer Kombination aus Linsen und Prisma, wobei zwei verschiedene Systeme verwendet werden, die das umgedreht erzeugte Bild wieder aufrichten: die Porro-Prismen- und die Dachkantprismentechnik. Alle optischen Elemente müssen genau aufeinander abgestimmt sein, damit am Ende ein helles, scharfes und farbgetreues Bild entsteht. Für ein gutes Fernglas spielen also unter anderem das Glasmaterial, die Prismen, Beschichtung und auch die Mechanik eine Rolle.


Für den Sportboot-Einsatz gelten zusätzlich Kriterien wie kompakte Abmessungen, geringes Gewicht sowie gute Handhabbarkeit und Funktionalität bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen. Dass alle von uns ausgewählten Modelle wasserdicht sind, versteht sich von selbst. Wasserdichtigkeit garantieren fast alle Hersteller, die meisten bei einem Druck, wie er bei zwei Metern Tauchtiefe entsteht.
Bei plötzlichen Temperaturschwankungen sollte ein Fernglas nicht von innen beschlagen. Das verhindert, neben entsprechenden Dichtungen, eine Stickstofffüllung. Eine Gummiarmierung sorgt dafür, dass das Glas bei Nässe nicht aus der Hand rutscht. Wichtig für Brillenträger sind der Augenabstand und Dioptrienausgleich.


Für die Erreichbarkeit des Fokussier-Rads und das unverkrampfte Halten des Fernglases gilt es, die Spannweite der Hand des Nutzers zu berücksichtigen. Personen mit kleinen Händen stellen hier naturgemäß andere Ansprüche, wobei sie sich gleichzeitig bewusst machen sollten, dass sich ein schweres Fernglas zitterfreier halten lässt als ein sehr leichtes Exemplar.


Der Vergrößerungsfaktor sollte nach dem Einsatzzweck gewählt werden. Vom Boot aus werden in der Regel weiter entfernte Objekte angepeilt. Einfaches Rechenbeispiel: 10×50 bedeutet eine zehnfache Vergrößerung bei einem Objektivdurchmesser von 50 Millimetern. Damit wirkt, durch das Fernglas gesehen, ein ein Kilometer entferntes Objekt so groß als stünde der Betrachter nur 100 m davon entfernt.
Auch das Sehfeld wird als Sehweite auf 1.000 m Entfernung angegeben. Im Marinebereich beliebt ist die Kombination 7 x 50. Sie ermöglicht ein stabiles und ruhiges Bild, ein weites Sehfeld und gute Tiefenschärfe. Der große Objektivdurchmesser sorgt für eine hohe Lichtaufnahme, was in der Dämmerung sehr von Nutzen ist.


Porro-Prismen-Gläser liefern nach Aussage der Hersteller einen guten plastischen Bildeindruck. Außerdem werden sie überwiegend in gedrungenen Gehäusen mit weit auseinander stehenden Objektiven verarbeitet. Sie haben dadurch eine bessere Standfestigkeit. Ein ins Glas integrierter Kompass, gegebenenfalls mit zusätzlicher Strichplatte, erleichtern die Peilung und Entfernungsmessung.


Gute Ferngläser erkennt man unter anderem daran, dass das Gesichtsfeld scharf bis zum Rand ist. Bei sehr preisgünstigen Ferngläsern muss man teilweise Rand-Unschärfen in Kauf nehmen.


Für die Dämmerung geeignet – das kann gerade im Bootsbereich wichtig sein – ist ein Fernglas erst ab einer 4 mm großen Austrittspupille; damit ist das Strahlenbündel gemeint, das auf das Auge trifft. Die Austrittspupille sollte jedoch nicht weit über 7 mm liegen und damit größer als die Pupille des menschlichen Auges sein.


Die Qualität der eingebauten Prismen prüfen kann man, wenn man das Fernglas ein Stück entfernt vor den Augen gegen einen hellen Hintergrund hält. Die kleinen Scheibchen, die man dann in den Okularen sieht, müssen rund sein – und nicht eckig.


Auch beim Hineinschauen auftretende Reflexe sind eher störend, lassen sich aber nicht immer vollständig verhindern. Noch wichtiger ist die Justierung der Optik, mit der sich die Bilder zur Deckung bringen lassen. Bei Doppelbildern ist in der Regel die Optik des Glases nicht in Ordnung. In seltenen Fällen sind die Augen des Betrachters die Ursache.


Gute Ferngläser setzen immer eine enorm präzise Verarbeitung voraus, was man im oberen Preissegment erwarten kann. Technische Pleiten gibt es hier angesichts einer gründlichen Qualitätsprüfung durch den Hersteller nicht. Ein hochwertiges Fernglas kann deshalb zum zuverlässigen Begleiter über viele Jahre werden.


Wasser, Sand und Salz setzen bekannter Weise jedem optischen Gerät zu, daher sind eine trockene Unterbringung und regelmäßiges Reinigen zu empfehlen. Eine sinnvolle Ergänzung ist ein Schwimmtragegurt, damit das gute Stück nicht direkt in den Fluten versinkt.
Wer im unteren Preissegment bleiben möchte, in dem der Markt einiges an Modellen zu bieten hat, sollte sich vor allem mit der Technik der Gläser vertraut machen und kritisch vergleichen, inwieweit das eine oder andere Produkt abseits vom Sollwert liegt. Wer eine gute Beratung haben will, geht zum Fachhandel, der hinterher auch für den Service zuständig ist. Unabhängig davon lohnt sich ein Preisvergleich.
Wir haben fünf speziell für den Marineeinsatz angebotene Ferngläser gegenüber gestellt, die sich durch ihre Spezifikation alle für den Einsatz auf Sportbooten und Segelyachten auf Binnen- und Küstenrevieren gut eignen.

Fujinon 7x50 FMTRC-SX
Dieses Fernglas aus japanischer Produktion wurde speziell für den Einsatz in der Seefahrt entwickelt. Pfeiffer Marine aus Radolfzell vertreibt die Fujinon-Marineferngläser hier zu Lande. Es ist wasserdicht, stoßfest, mit Stickstoff gefüllt, beschlagfrei und korrosionsbeständig. In Sachen Qualität rangiert dieses Glas in der oberen Klasse. Die Objektive sind mit der patentierten EBC-Mehrschichtvergütung versehen. Brillenträger stellen mit den beiden, getrennt einstellbaren Okularen den Dioptrienausgleich her. Seitenlichteinfall wird durch den standardmäßig vorhandenen runden Gummirand zwischen Okular und Auge allerdings nicht gänzlich verhindert. Ovale Augenmuscheln gibt es für das Fujinon als Sonderzubehör, ebenso verschiedene Linsenfilter und eine Beleuchtung für den Kompass. Das Fernglas kann mit einem als Extra erhältlichen Adapter auf ein Stativ geschraubt werden.
Mit seinen Abmessungen ist das Fujinon ein ordentlicher Brocken, worüber sich vor allem Männer mit großen Händen freuen. Es ist das schwerste Fernglas unter den vorgestellten Modellen. Die beiden Schutzklappen vor den Objektiven lassen die Frage aufkommen, wie diese bei Verschleiß der verbindenden Stege alternativ befestigt werden können – und ob bei starkem Wind die Klappen störend hochschlagen. Erhältlich bei Pfeiffer Marine: pfeiffer-marine.de

Hersteller Fujinon
Modell 7x50 FMTRC-SX
Gewicht 1.460 g
Abmessungen (B x H x T) 218 x 198 x 90 mm
Vergrößerungsfaktor 7 x 50
Fokussierung Fixfokus
Sehfeld 131 m
Austrittspupille 7,14 mm
Dioptrienausgleich an beiden Okularen
Listenpreis 721 Euro

Steiner Navigator 7x50 Kompass
Die in Bayreuth ansässige Firma Steiner Optik bezeichnet sich selbst als Erfinder der Kompass-Ferngläser und bietet Bootsfahrern neben dem Spitzenmodell Commander auch den preisgünstigeren Navigator an. Vor allem traditionell orientierte Skipper vertrauen auf die bewährte Qualität dieser Gläser und deren hohe Lebensdauer. Durch die verwendete Porro-Prismen-Technik ist der Steiner Navigator kurz und breit und wirkt ausgesprochen robust. Für kleine Damenhände ist er vielleicht zu kompakt. Beim Anfassen muss man sich zunächst an den üppig dimensionierten, standardmäßig beleuchteten Kompassaufsatz gewöhnen. In dieser Version bringt der Navigator 1.125 g auf die Waage.
Für bis zu zwei Metern Tauchtiefe garantiert Steiner Wasserdichtigkeit und erzielt durch die Verwendung einer High-Performance-Optik beste Sehergebnisse bei allen erdenklichen Lichtsituationen. Dazu bietet das Glas hohen Farbkontrast, Spitzenwerte bei der Bildauflösung und Randschärfe sowie eine Minimierung negativer Effekte wie Streulicht, Farbsäumen und Verzerrungen.
Besonderheit: Über eine Zweiwegeventiltechnik kann die Stickstoffbefüllung, sollte sie im Lauf der Jahre nachlassen, neu befüllt werden. Eine Nano-Beschichtung sorgt für eine Schmutz und Wasser abweisende Oberfläche der Linsen. Die Schutzkappen für die Objektive werden am Mittelsteg befestigt. Erhältlich bei Steiner-Optik: steiner.de

Hersteller Steiner Optik
Modell Navigator 7x50 mit Kompass
Gewicht 1. 125 g
Abmessungen (B x H x T) 207 x 140 x 95 mm
Vergrößerungsfaktor 7 x 50
Fokussierung Sports-Auto-Fokus
Sehfeld 123 m
Austrittspupille 7,1 mm
Dioptrienausgleich an beiden Okularen
Listenpreis 449 Euro

Steiner Navigator 7x30 Kompass
Eine Alternative für alle, die nicht nur beim Kaufpreis, sondern auch bei den Abmessungen und dem Gewicht sparen wollen, kann das Modell Steiner Navigator 7x30 sein, für das der Hersteller ebenso wie für die größeren Ferngläser eine Garantie von zehn Jahren gibt (Commander = 30 Jahre Garantie). Das Steiner 7x30 ist mit 570 g das mit Abstand leichteste Glas unter den Probanden. Erhältlich bei Steiner-Optik: steiner.de

Hersteller Steiner Optik
Modell Navigator 7x30 mit Kompass
Gewicht 570 g
Abmessungen (B x H x T) 165 x 106 x 65 mm
Vergrößerungsfaktor 7 x 30
Fokussierung Sports-Auto-Fokus
Sehfeld 120 m
Austrittspupille 4,3 mm
Dioptrienausgleich an beiden Okularen
Listenpreis 339 Euro

Searanger III 7x50
Zu den preiswerteren Marinegläsern gehört das Searanger III, das vom niederländischen Anbieter Bynolyt hergestellt wird und unter anderem als Geonav Searanger III und AWN Searanger III im Handel ist. Ausgestattet ist es mit BaK-4-Prismen, voll mehrfach vergüteten Linsen und einem stabilisierten Suunto-Kompass, dessen rote Beleuchtung man an- und abschalten kann. Eine integrierte Skala möglicht Höhen- und Entfernungschätzungen. Die als Hydrophibic Coating bezeichnete Ummantelung bietet Schutz gegen Fallwasser und Regentropfen. Wasserdichtigkeit und eine Stickstofffüllung gegen Feuchtigkeitsbeschlag gehören zur Serienausstattung.
Durch die langen, ergonomisch geformten Objektivgehäuse ist dieses Modell auch für kleinere Hände gut zu umfassen, steht seinen Kollegen gewichtsmäßig aber nicht viel nach. Über ein großes, unabhängig vom Okular drehbares Fokussierrad ist das Einstellen des Fernglases einfach. Achten muss man allerdings auf Reflexe. In vielen Fällen dürfte das Searanger III als Bordfernglas genügen. Außergewöhnlich ist die Garantiezeit von 25 Jahren. Erhältlich bei A. W. Niemeyer: awn.de und International Trading: nautical-shop.de

Hersteller Bynolyt
Modell Searanger III 7x50 mit Kompass
Gewicht 1.150 g
Abmessungen (B x H x T) 190 x 190 x 80 mm
Vergrößerungsfaktor 7 x 50
Fokussierung Autofokus
Sehfeld 126 m
Austrittspupille 7,14 mm
Dioptrienausgleich an beiden Okularen
Preis ab 199 Euro

Nikon 7x50 CF WP Kompass Ocean Pro
Auch die Firma Nikon spielt in der Riege der Anbieter von Marine-Ferngläsern mit und vertraut dabei auf die Porro-Prismen-Technik. Bekannt sind die Nikon-Produkte für ihre hervorragende Abbildungsleistung und besondere Zuverlässigkeit.
Eine robuste Konstruktion und laut Anbieter hoher Bedienkomfort zeichnet das Modell Ocean Pro mit Kompass aus, das preismäßig in der Mittelklasse rangiert und einen gediegenen Eindruck macht. Mit seinen stattlichen Abmessungen gehört es nicht eben zu den kleinsten Gläsern.
Bei der Sehfeldgröße hält das Fernglas mit angegebenen 131 Metern mit dem japanischen Rivalen Fujinon mit. Durch die langen Gehäuse lässt sich das Glas gut umfassen. Makellose Dichtigkeit und Stickstofffüllung gehören beim Ocean Pro natürlich zur Standardausstattung. Erhältlich bei Nikon: nikon.de

Hersteller Nikon
Modell 7x50 CF WP Kompass Ocean Pro
Gewicht 1.170 g
Abmessungen (B x H x T) 203 x 181 x 75 mm
Vergrößerungsfaktor 7 x 50
Fokussierung Autofokus
Sehfeld 131 m
Austrittspupille 7,1 mm
Dioptrienausgleich an beiden Okularen
Preis 399 Euro

 

Text: Evelyn Breuer 

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