Praxis Alles über Wasserskiboote
Bootstausch: Schiffe versenken?
Tauschbörsen sind seit einiger Zeit enorm modern. Warum also zur Abwechslung nicht einmal Schiffe tauschen? Das dachten sich zwei Skipper von der Ostsee und landeten zum guten Schluss doch wieder beim eigenen Boot.Manfred Z. aus Travemünde, seit 30 Jahren stolzer Eigner eines 26-Fuß-Seglers – einer Neptun 26, Baujahr 1979 mit 7,75 m Länge – dachte im letzten Winter über ein kleineres Boot nach. Da kam ihm die Anzeige in einer Bootszeitschrift gerade richtig. Dort nämlich bot Hubert K. aus Wismar sein Segelboot an, „gerne auch zum Tausch“. Das Tauschobjekt war eine Neptun 22, 6,50 m lang, von 1976. Nach mehreren Besichtigungsterminen wurden sich die beiden erfahrenen Neptun-Segler einig. Ein Handschlag unter Ehrenmännern reichte aus, um das Geschäft zu besiegeln. Rund 6.000 Euro legte Hubert K. zum Wertausgleich für das größere und jüngere Schiff drauf und übernahm glücklich seine neue Segelyacht.
Natürlich waren beide beim Tauschgeschäft davon überzeugt, einen guten Fang gemacht zu haben. Schließlich kannte jeder sein Boot aus dem Effeff und hatte es liebevoll gepflegt und ausgerüstet. Nach den ersten Törns kam die Ernüchterung – auf beiden Seiten. Zuerst meldete sich Hubert K. und reklamierte verschiedene Mängel, unter anderem Haarrisse im Gelcoat und Probleme mit der Mastlegevorrichtung.
Der frühere Eigner Manfred Z. ließ sich natürlich nicht vorwerfen, etwas verschwiegen zu haben. Außerdem war auch er mit seiner Errungenschaft nicht wirklich glücklich. Er vermisste die Bewegungsfreiheit unter Deck, und ein unerklärlicher Geruch in der Kajüte störte ihn sehr. Was folgte, waren endlose telefonische Diskussionen, bei denen keine Einigung erzielt werden konnte.
Die schriftliche Auseinandersetzung übernahmen nach einigen Wochen zwei Rechtsanwälte, die die beiden Streithähne zu folgendem Vergleich bewegten: Die Boote sollten zurückgetauscht werden. Eine gute Idee, wäre da nicht das Misstrauen gewesen, welchen Schaden das geliebte Schiff in der Hand des anderen vielleicht erlitten hatte.
Die Übergabe der Boote erfolgte mitten in der Saison an einem sonnigen Samstagmorgen auf dem Kranplatz des Yachthafens, wo Manfred Z. seit 20 Jahren seinen festen Liegeplatz und viele Freunde hat. Letztere fanden sich angesichts der sich bietenden Abwechslung dann auch zahlreich ein. Hubert K., anreisend mit dem Tauschobjekt auf dem Trailer und seinem Rechtsanwalt auf dem Beifahrersitz, war nicht wenig verwundert angesichts der Menschentraube. Eine geschlagene Stunde dauerte die gewissenhafte Prüfung beider Objekte, wobei die zuschauenden Freizeitkapitäne in lebhafter Diskussion ihren mehr oder weniger fachmännischen Senf dazu abgaben.
Tatsächlich wurde eine Beschädigung gefunden! Eine Wand in der Kajüte hatte einen Kratzer, bei dem sich Hubert K. sicher war, dass es ihn zu „seiner Zeit“ noch nicht gegeben hatte. Ihren Höhepunkt fand die Aktion bei der Rückgabe des Geldes, das von Hubert K. zum Wertausgleich an Manfred Z. gezahlt worden war. Die Frage, ob alle 60 100-Euro-Scheine echt waren, konnte zum Glück dadurch geklärt werden, dass der Yachthafen über einen größeren Supermarkt verfügt. Kurzerhand wurden an der dortigen Kasse alle Geldscheine geprüft – und für echt befunden. Nicht alle im Laden brachten für diese langwierige Prozedur Verständnis auf.
Das Ergebnis der Tauschaktion: Beide Neptun-Eigner beendeten die Segelsaison auf ihrem „alten“ Boot. Durch den besonnenen Einsatz der Rechtsanwälte konnte eine glimpfliche Lösung herbeigeführt werden. Wahrscheinlich hätte ein unabhängiger Berater schon im Vorfeld auf den einen oder anderen Mangel oder gar Nachteil aufmerksam gemacht. Und damit eine rein emotionale Entscheidung verhindert.
Text: Evelyn Breuer