Achtung, Tonne!
Jeder Bootsfahrer kennt sie: die grünen, roten oder auch gelben Tonnen, die das Fahrwasser, Einfahrten von Hafenbecken, Untiefen, Wracks oder Badestellen markieren. Bootsfahrer machen hin und wieder nähere Bekanntschaft mit diesen Schwimmkörpern – eine meldepflichtige Angelegenheit!Tatsächlich besteht eine Meldepflicht beim zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamt oder bei der Wasserschutzpolizei, wenn eine Fahrwassertonne angefahren und beschädigt worden ist. Doch viele Bootsfahrer stehlen sich nach einer Kollision klammheimlich davon.
Der Zusammenstoß mit einem Sportboot macht einer herkömmlichen Fahrwassertonne zwar relativ wenig aus; bis auf ein paar Schrammen oder eine Beule im Blech hält sich der Schaden in Grenzen. Trotzdem ist so ein Zusammenstoß für die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung teuer, die nicht nur für das Ausbringen, sondern auch für die Instandhaltung dieser wichtigen Markierungen zuständig ist. Die Verwaltung bleibt meistens auf den Kosten sitzen, die durch eine Kollision verursacht worden sind. Und das, obwohl die meisten Bootshaftpflichtversicherungen dafür aufkommen würden.
Beim Anfahren einer Boje wird diese in den meisten Fällen beiseite gedrückt und schrammt dann am Bootsrumpf entlang. Um eine Fahrwassertonne „aus der Bahn“ zu bringen, sie also zu versetzen, muss mindestens ein großer Frachter daher kommen und sie niederwalzen. Das Stahlseil, mit dem die Tonne am Grundgewicht befestigt ist – in der Regel sind das mehrere, aneinander hängende Ankersteine aus Beton – kann sich bei einem großen Schiff in der Schraube verfangen und abreißen. Solche Fälle sind aus der Sportschifffahrt nicht bekannt. Wohl aber, dass die Tonnenkollision deutliche Spuren am Bootsrumpf hinterlässt.
Spuren, die bei erster Betrachtung oberflächlich erscheinen, offenbaren auf den zweiten Blick ein mitunter verheerendes Schadensbild. Spanten und Stringer leiden unter dem Druck auf die Rumpfwand vor allem bei elastischen Materialien wie GFK. Einbauteile können Stauchungen aufweisen, die sich erst später deutlich zeigen, etwas dann, wenn Türen und Klappen nicht mehr richtig schließen.
Eine Tonnenkollision sollte also nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Es ist ratsam, schnellstmöglich einen Experten hinzuzuziehen, der das Ausmaß des Schadens am Boot feststellt oder nach eingehender Untersuchung mitteilen kann, dass es noch einmal gut gegangen ist. Diese Gewissheit sollte man sich verschaffen.
Im Seebereich ist schon seit geraumer Zeit eine steigende Tendenz an Kollisionen von Booten mit Tonnen zu verzeichnen. Das liegt häufig an der Genauigkeit von GPS-Geräten, bei denen die Koordinaten der Seezeichen als Wegepunkte eingegeben werden. Vor allem bei Nachtfahrten oder Törns mit dem Autopilot kommt es dann zu ungewollten Berührungen oder Überfahrungen. „Ziel erreicht“ kann man in diesem Fall wohl kaum sagen. „Treffer, versenkt“ hoffentlich auch nicht.
Text: Evelyn Breuer