Finnlands Boote familiär
40 neue Boote und Weiterentwicklungen zwischen fünf und 15 Metern Länge präsentierte Finnlands Bootsindustrie in ihrem Heimatrevier. Uwe G. Meiling war für uns kurz vor Mittsommer vor Ort, um die wichtigsten Neuheiten zu testen.Bei der Leistungsschau im finnischen Nauvo machten teils konkurrierende, teils kooperierende Werften an einem gemeinsamen Steg fest. So einzigartig wie Finnland selbst mit seinen unzählbaren Seen und Inseln ist auch diese Veranstaltung für Fachjournalisten.
Kein vergleichbarer Bootsbauerverband ist in der Lage, ein solches Programm gemeinsam mit seinen Mitgliedern zu stemmen – geschweige denn, ihre Boote gemeinsam für Testfahrten zur Verfügung zu stellen. Andere Nationen können von den Finnen noch viel lernen. Und Finnen sind speziell: offen, humorvoll und gewohnt, mit guter Ausrüstung unterwegs zu sein, wenn es im heißen Sommer oder eiskalten Winter auf die Ostsee oder in die ausgedehnten Seengebiete geht.
Größtes Exponat war die Masmar 47, angetrieben von Rolls-Royce-Triebwerken mit 1.500 PS und Waterjets. Die GFK-Konstruktion, die wie ein Stahlboot erscheint, bügelte die Wellen mit 35 Knoten Fahrt am stürmischen zweiten Testtag nur so weg, während kleinere Boote bei 20 Knoten ins Stampfen kamen.
Am stärksten vertreten waren die oft von Behörden eingesetzten, Fischtrawlern ähnlichen Offshore-Boote der Marken Minor (mit nahezu der gesamten Flotte vor Ort), Targa und Northstar, die eine Hybridversion ihres 31-Fuß-Modells zeigten. Diese Boote sind alle fahrtentauglich und fast berufsschifffahrtlich ausgelegt. Sie verfügen meist über zwei Kabinen, breite Gangborde und freie Deckflächen. Überzeugend sind ihre seidenweichen Laufeigenschaften und der hohe technische Standard, darunter automatische Trimmsysteme und individuell einstellbare Steuerpulte.
Rund fünf Millionen Finnen, mehr sind es nicht, nutzen ihre 2,5 Millionen registrierten Boote anders, als wir es gewohnt sind. Es sind vor allem Gebrauchsgegenstände, die allwettertauglich und jederzeit einsatzbereit sein müssen, um teilweise entlegene Wohnsitze und Sommerhäuser anzusteuern. Boote, die auf dem skandinavischen Markt bestehen wollen, müssen daher praktisch, pflegeleicht und grundsolide sein.
Dafür werden Kabinenboote eingesetzt, die von Seafish, TG, Seastar und Aquador vorgestellt worden sind. Mit Ausnahme der in Deutschland weit verbreiteten Aquador-Motorboote sind es die Arbeitsschiffe der Finnen, die diese vielfältigen Transportaufgaben übernehmen. Oft mit Außenbordern motorisiert, verfügen sie über begehbare Vordeckflächen sowie meist eine Kabine oder Notkoje. Diese preiswerten und alltagstauglichen Allwetterboote lassen sich ökonomisch unterhalten.
Insgesamt 19 Werften nutzten die Gelegenheit und reisten zum Finnboat-Event mit Geschäftsführern, Entwicklern oder den Werfteignern selbst an. Die während der Testtage höchst unterschiedlichen Wetterbedingungen waren ideal, um die Schiffe unter allen Bedingungen bis auf Frostkälte zu testen. Am ersten Tag gab es hochsommerliche Temperaturen und Sonnenschein, am zweiten Tag herrschte Starkwind mit kurzen und steilen, zwei bis drei Meter hohen Wellen. Am dritten Tag regnete es Bindfäden.
Sehr populär in Finnland sind die unverwüstlichen Aluminiumboote von Buster, Silver und die Drive-Boote, eine neu lancierte Modellreihe von Fiskars, die vor allem jüngere Eigner ansprechen soll. Ergänzt wurden diese Open durch laufsichere Yamarin-Boote, wobei das Topmodell DC 80, von einem 350 PS starken V8-Yamaha-Außenborder angetrieben, auf 45 Knoten beschleunigt. Mit 53 Knoten Maximum spricht die Yamarin Big Ride 600 noch sportlichere Kunden an. Das leichte Boot ist mit einem 150 PS starken Yamaha-Außenborder bestückt und zeigt, dass Finnen auch Boote bauen können, die nur einem Zweck dienen: rasend schnell zu sein.
Die Vertreter der Werften zeigten sich während der Veranstaltung als gut eingespieltes Team. Einen großen Anteil daran hatte die aus nur drei Personen bestehende Führung des Verbands: Geschäftsführer Jouko Huju, seine Assistentin Katja Simola und Büroleiterin Lena Mickelsson-Ouru vertreten die Interessen von vier (!) Vereinigungen, dem Bootsindustrieverband, in dem Werften und Konstrukteure zusammengeschlossen sind, dazu Lieferanten, Importeuren von Bootskomponenten und Motoren, Zubehörhändlern sowie Werkstätten und Servicewerften – kurzum allen, die sich in Finnland mit Booten beschäftigen.
Text: Uwe G. Meiling