„Die Ansprüche haben sich geändert“

02/2012

„Die Ansprüche haben sich geändert“

Im Bootshandel-Wirtschaftsgespräch diskutierten Sandra Hein, Leiterin Marinefinanz der akf-Bank, und Frank Schlaack, CEO von Sunseeker Germany, mit Stefan Gerhard über Kniffe bei der Finanzierung, „Do’s und Don’ts“ beim Bootskauf und die Zukunft der Branche.

Bootshandel-Magazin: Wie erging es der Branche in den vergangenen zwei Jahren?

Frank Schlaack: Das Geschäft war geprägt von Konsolidierung und Veränderung. Damit hat sich die Denkart der Branche grundlegend in eine andere Richtung entwickelt. Das Stichwort lautete: „Stock Clearance“. Sprich: Es galt, Gebrauchtboote so zu managen, dass sie sich schnell wieder „drehen“. Zudem hat die Branche gelernt, das ein oder andere Geschäft, das in der Euphorie vor der Krise mitgenommen wurde, abzulehnen.

Sandra Hein: Auch wir als Finanzdienstleister in der Bootsbranche haben bestimmte Geschäfte nicht mehr abgeschlossen. Zudem stellen wir fest, dass sich die Ansprüche der Kunden und Händler an eine Schiffsfinanzierung geändert haben. Individuell gestaltete Finanzierungsangebote sind heute gefragter denn je. Dabei geht der Trend klar zur Finanzierung hochwertiger Yachten.

Frank Schlaack: Das Thema Sicherheit spielt auch in unserem Geschäft heute eine große Rolle. Hinzu kommt, dass sich zahlreiche Banken aufgrund der Wirtschaftskrise aus der Schiffsfinanzierung in Europa zurückgezogen haben. Damit ist es schwieriger geworden, entsprechende Objekte zu finanzieren. Auch ist die Absicherung der Banken ungleich höher. Wir müssen uns daher noch sorgfältiger mit diesem Thema befassen. Umso mehr wissen wir die Zusammenarbeit mit der akf-bank als erfahrenem Finanzierungspartner zu schätzen.

Wie kann der Kunde seine Anzahlung gegenüber dem Hersteller absichern?

Sandra Hein: Bei einem im Bau befindlichen Schiff ist es möglich, eine Fertigstellungsgarantie mit der Werft zu vereinbaren. Bei größeren Projekten kann die Bank auch die Finanzierungssumme oder die entsprechende Tranche gegen Bankbürgschaft zum Beispiel der Werft oder des Händlers auszahlen.

Die Kunden setzen mehr auf Betreuung und Service?

Frank Schlaack: Der Markt hat sich bereinigt. Die Kunden schauen daher heute nicht nur auf den Preis. Entscheidend ist für sie vor allem auch die Betreuung nach dem Kauf. Wir haben dementsprechend unseren Service in den vergangenen Jahren permanent ausgebaut und sind in der Branche für Top-Dienstleistungen bekannt. Bei den Kunden mehr denn je gefragt sind Unternehmenskontinuität und -stabilität. Auch davon profitieren wir nachhaltig.

Ist die akf-bank für Sunseeker mehr als nur Finanzdienstleister?

Frank Schlaack: Die akf-Gruppe schafft es seit Jahren, sich einen stabilen und weiter aufstrebenden Platz in der Branche zu sichern. Dank ihres tiefen Spezial-Know-hows können wir beidseitig profitieren. So hat eine Bank eine andere Sichtweise als wir Händler oder Hersteller. Durch den Erfahrungsaustausch gelingt es uns, intelligente Lösungen zu finden.

Warum sieht sich die akf bank als geeigneter Partner der Bootsbranche?

Sandra Hein: Wir bieten spezielle, auf den Kunden zugeschnittene Produkte an. Auch bei Themen wie der internationalen Registrierung sind wir heute gut aufgestellt.

Finden Ihre Finanzierungen ausschließlich über die akf-bank statt?

Frank Schlaack: Für unsere Kunden in Deutschland ist die akf-bank eine der ersten Anlaufstellen und dies zunehmend im Gebrauchtbootbereich, in dem tendenziell mehr finanziert wird. Dabei arbeiten zahlreiche Kunden aber auch vor dem Kontakt mit uns bereits mit der akf-bank erfolgreich zusammen.

Werden auch Neuboote bei Sunseeker finanziert?

Frank Schlaack: Ja, wenngleich der Finanzierungsanteil der Sunseeker-Kundschaft bei neuen Motoryachten relativ konstant bei rund 10 bis 15 Prozent liegt. Hier gilt jedoch: je größer das Boot, desto individueller sind auch die Ansprüche des Kunden.

Welche Rolle spielt das Finanzierungsgeschäft im Bereich bis 100.000 Euro?

Sandra Hein: Wir verlieren auch kleinere Privatkunden nicht aus den Augen. Beispielsweise bekommt ein Kunde bei einer Summe bis 75.000 Euro bereits innerhalb von fünf Minuten nicht nur eine Rate genannt, sondern bonitätsabhängig auch eine Kreditentscheidung. Unser oberstes Ziel: wir wollen jegliches Risiko vom Kunden, egal ob Erwerber großer Yachten oder kleinerer und mittlerer Boote, abwenden.

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Bootsfinanzierung, praktisch betrachtet
Der Durchführung eines Bootskaufs mit Hilfe einer Finanzierung folgt einem bewährten Schema. Üblich sind Finanzierungssummen von 50 bis 60 % des Kaufpreises. Nach der Preisverhandlung mit dem Bootshändler über die Kaufsumme erfolgt die Finanzierungsanfrage an die Bank. Dafür muss der künftige Bootseigner einiges vorlegen: die Rechnung und Daten des ausliefernden Händlers, den Original-Kaufvertrag („Bill of Sale“), eine detaillierte Objektbeschreibung zur Wertermittlung des Bootes, eine Kopie der CE-Konformitätserklärung, aktuelle Fotos des Bootes mit Rumpfnummer, die Angabe des Liegeplatzes, den Nachweis einer Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung mit mindestens 6 Millionen Euro Deckung, die Eintragung in ein Schiffsregister bei Booten ab einer Finanzierungssumme von mehr als 100.000 Euro und eine Kopie des Bootsscheins des Vorbesitzers (bei Gebrauchtbooten die Löschungsbestätigung).Nach erfolgreicher Bonitätsprüfung erstellt die Bank in Absprache mit dem Kunden ein Finanzierungsangebot. Darin enthalten sein sollten Kaufpreis und Finanzierungsdauer und Festlegungen zu Anzahlung, Ratenhöhe und etwaiger Schlussrate.

Spezialisten und Allrounder
Neben Banken bieten auch Spezialagenturen und Vermittler ihre Hilfe bei der Bootsfinanzierung an. Köhler & Partner (Tel. (040) 22 75 98 35, yachtfinanzierung.de) in Wedel bei Hamburg, Metzger-Finanz aus Karlsruhe (Tel. (0721) 851 88, metzger-finanz.de) und Euro Konzepte (unter der Markennamen „Yacht-Finanz“) aus Mönchengladbach (Tel. (02161) 46 92 14, yacht-finanz.de) sind hier beispielhaft zu nennen.
Das europäische Bootsportal Best-Boats 24 bietet seit kurzem unter best-credit24.de Informationen rund um die Bootsfinanzierung und einen Online-Finanzierungsrechner an. Für die endgültige Entscheidung stehen Fachberater telefonisch unter Tel. (02234) 690 18 15 bereit. Die Finanzierung selbst wird von einem Partnerunternehmen der in Erfurt ansässigen Bootsbörse vermittelt.



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