Jeanneau Sun Odyssey 30i
Die Zeiten, da der Markt für attraktive Kleinkreuzer um 30 Fuß hauptsächlich von polnischen Werften bedient wurde, ist vorbei. Große Serienwerften haben dieses Segment wieder für sich entdeckt. Wir segelten die 30-Fuß-Jeanneau mit dem „i“ im Namen binnen auf brandenburgischen Gewässern.Die bekannten Großwerften zielen mit ihren „kleinen“ Modellen zunehmend auf eine Kundschaft ab, die, wenn sie denn mit dem Produkt zufrieden sind, beim Umstieg auf ein größeres Modell der Werft treu bleiben. Segelyachten um 30 Fuß Länge ziehen aber auch Segler an, die auf kleineren und eher geschützten Gewässern unterwegs sind – und für die ein Boot dieser Größe auf ihrem Hausrevier schon das Nonplusultra an Größe und Komfort bietet. Für diese Eignergruppe bedeuten separierte Achterkammer, vollständiges Bad samt Dusche und ausreichend Stauraum den Einstieg ins Yachtsegeln.
Diesen Spagat weiß der französische Branchenriese Jeanneau mit seiner Sun Odyssey 30i, die nach etlichen erfolgreichen Verkaufsjahren das Vorgängermodell 29.2 abgelöst hat, geschickt zu nutzen. Denn die 30i wird – jeweils passend für den geplanten Einsatz – in mehreren Versionen angeboten: mit 1,75 m tiefem Kiel und CE-Zulassung B für küstenferne Gewässer. Oder mit CE-Zulassung C als Kielschwerter mit variablem Tiefgang und Doppelruderblatt, was das Schiff für geschützte Reviere und küstennahe, flachere Gewässer geeignet macht und das Trockenfallen in Tidenrevieren erlaubt. Auch für diese Version ist ein Antrag auf CE-Zulassung B gestellt. Neu ist eine Kielschwertversion mit größerem Ballastanteil und Flügelkiel, der gleichzeitig eine leicht dämpfende Wirkung bei Welle verspricht. Ebenso kann sich der Kunde statt der Pinnensteuerung nun auch bei der Kielschwertversion für eine Radsteuerung (als Extra) entscheiden. Die Radsteuerung gewährt einer vierköpfigen Crew an Bord im relativ kleinen Cockpit etwas mehr Platz beim Manövrieren und peppt die Yacht in Richtung „echter“ Fahrtenyacht zusätzlich auf.
Was hat sich im Vergleich zur Vorgängerin 29.2 außen verändert? Im Heckbereich ist die Neue deutlich breiter geworden. Der zwecks Platzgewinns unter Deck immer noch weit nach achtern reichende Aufbau wirkt weniger wuchtig, das Schiff optisch gestreckter und mit den eckigen Fensterflächen markanter. Insgesamt ist die 30i mit ihrem leichten Deckssprung hübsch anzusehen.
Eine längere Wasserlinie, der längere Mast, mehr Segelfläche und mehr Tiefgang sollen die Segelleistungen erhöhen. Wir segelten bei unserm Test auf der Havel allerdings die vor allem auf Binnenrevieren beliebte Schwenkkielversion.
Verlässliche Geschwindigkeitswerte waren bei den schwachen Windbedingungen, wie sie am Testtag herrschten, nicht zu ermitteln. Trotzdem: Schon die leichteste Brise wurde von der mit knapp vier Tonnen eher leichten Yacht sofort in Fahrt umgesetzt. Die Pinnensteuerung vermittelt ein direktes Gefühl. Bei abflauendem Wind meisterte das Testboot mit Rollgroß die Prüfung aber dennoch zufriedenstellend. Gern hätte ich erfahren, wie die Schwertversion der Sun Odyssey mit ihrem Ballastanteil von 23 % bei mehr Wind reagiert.
Mit der 21-PS-Maschine kommt die SO 30i bei Marschfahrt immerhin auf 6,5 Knoten, bei Vollgas wird die Rumpfgeschwindigkeit deutlich überschritten. Dann allerdings steigt auch der Schallpegel in der Plicht deutlich. Bei der Schalldämmung sollte nachgebessert werden.
Technische Daten
| Länge | 8,99 m |
| Breite | 3,18 m |
| Tiefgang | 1,80 m |
| Gewicht | 3945 kg |
| CE-Kategorie | Kiel-Version B (küstenferne Gewässer), Schwertversion C (küstennahe Gewässer, Antrag auf B6-Zulassung läuft) |
| Preis | 64855.- € |
Text: Michael Krieg
Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der gedruckten Ausgabe 01/2010 des Bootshandel-Magazins