Consonant Noaber 47
Bekannt ist die friesische Consonant-Werft für Stahlschiffe des Typs Kuster. Für steigende Nachfrage nach hochseetauglichen Verdrängern oberhalb von 14 Metern Länge wurde die Marke Noaber geschaffen. Wir fuhren die Noaber 47 in Vriezenveen nicht fern der deutschen Grenze.Nach einer langen Bahnfahrt kam ich früh morgens in dem Städtchen im Südosten der Niederlande an, wo mich ein richtig gehendes Empfangskomitee erwartete: mit dem Werftchef von Consonant, dem deutschen Händler Gerd-Heinz Stemberg und den Eignern der Noaber 47, wegen der ich hier war. Ich kannte das Schiff von einigen Fotos. Von dem starken, klassischen und schönen Anschein, den die (in natura deutlich größer wirkende) 47-Fuß-Stahlyacht machte, war ich dennoch beeindruckt. Hier war ein großes seegängiges Schiff.
Dieser Eindruck verstärkt sich beim Anblick des mit Navigationselektronik voll bestückten Masts. Kleine Fenster, die in das Deckshaus eingelassen sind, eine Rettungsinsel am Heck, solide Handgriffe auf dem Deck – all das zeigt, dass wir es mit einer hochseetauglichen Konstruktion zu tun haben.
Trotz dieser Sicherheitseinrichtungen wirkt die Noaber nicht kalt oder unbehaglich. Flexiteek auf den Laufdecks und eine umlaufende hölzerne Fenderleiste auf dem Rumpf geben dem Boot ein freundliches Äußeres. Dazu passt der große, einfach faltbare Holztisch im großen Cockpit.
An Bord gebeten von den Schweizer Eignern des Boots, betrete ich die N 47 über die backbordseitige Gangway. Um den Einsteig zu erleichtern, ist das Schanzkleid auf halber Schiffslänge niedriger, sodass wir bequem aufs Deck kommen.
Technische Daten
| Länge | 14,54 m |
| Breite | 4,45 m |
| Tiefgang | 1,30 m |
| Gewicht | 20800 kg |
| Motor | 2 x Vetus Deutz DTA-44 mit je 114 PS (je 85 kW) |
| CE-Kategorie | A (Hochsee) |
| Preis | 596000.- € |
Auf sicherem Weg um den – als Teil der Superstruktur ausgeführten – Aufbau geht es zur großzügig dimensionierten Plicht, die von großen, mit Flexiteek belegten Sitzen eingerahmt ist. Das sieht gut aus und ist leicht zu reinigen. Wer es weicher mag, nimmt eines der passend vorhandenen Kissen. Große, einfach zugängliche Stauräume unter den Sitzen und ein wirklich smarter, auf Bodenniveau zusammenfaltbarer Klapptisch sorgen für Platzgewinn in der Plicht.
Eine Tür in der Mitte der Heckschanz führt zur kleinen, mit Faltleiter versehenen Badeplattform. Ungewöhnlich für eine Yacht dieser Größe sind die Joysticks auf beiden Seiten der Plicht. Im Freien, wo der Überblick deutlich besser ist, lassen sich Hafenmanöver damit leicht fahren.
Solide ausgeführte, gegen überkommendes Wasser geschützte Türen führen zu einem großen Raum, der Essecke, Pantry und Steuerstand zusammenfasst. Gegenüber der mit einigen Schränken und Schubladen versehenen Backbordwand befindet sich, eine Stufe höher, das bequeme L-förmige Sofa für vier bis fünf Personen. Die Bordküche, ebenfalls in L-Form ausgeführt, ist in Heckrichtung platziert. Für ein Dinner draußen können die Speisen einfach durch das elektrisch zu öffnende Heckfenster in die Plicht gereicht werden.
Ein Vierflammenherd mit Ofen, Kühlschrank, Spüle und eine kleine, geschickt unterm Sitz platzierte Tiefkühlbox bieten alles, was der Smut braucht. Die auf unserem Testschiff installierte Kaffeemaschine erfreute mich nach der Nachtfahrt besonders.
Das Steuerhaus ist kein eigener Raum für den Schiffsführer, sondern Teil des zentralen Raums. Wegen der kompletten Navigationsausstattung an einem Ort passt dieser Begriff dennoch. Der Steuerstand mit dem komfortablen, einfach in alle Richtungen verstellbaren Einzelsitz ist weit vorne an Backbord platziert. Davor befindet sich, vertikal angebracht, das große und klassisch aus Holz gefertigte Steuerrad.
Das dahinter liegende Holzpaneel beherbergt Spitzentechnik für die Navigation: mit Autopilot, einem großen Raymarine-Kartenplotter der E-Serie, dem Vetus-Motorenkontrollinstrument mit Touchscreen, Joystickcontroller für Bug- und Heckstrahlruder und einiges mehr. Über Kopf sind vier weitere Displays des multifunktionalen Raymarine ST 70 montiert. Kurz: Die Noaber 47 ist zu 100 % bereit für Reisen übers offene Meer.
Rechts vom „Steuerhaus“ führen vier Stufen hinab in den Salon, wo ich aus Gewohnheit eigentlich die Kombüse und eine U-förmige Sitzecke mit Tisch erwarte. Noaber hat anderes Konzept für den Salon, und ich liebe es: An der Backbordwand ist Platz für einen großen LCD-Fernseher. Eine Tür führt von hier zur großen, mit eigener Duschkabine ausgestatteten Bugkajüte. An Steuerbord stehen zwei Sessel mit einklappbarem Fußteil. Das Schränkchen zwischen den Sesseln tut auch als Kaffeetisch gute Dienste. Komplett anders als die übliche Gestaltung, ist der Salon der Noaber für mich ein perfekter Ort zum Ausspannen.
Die Noaber 47 besitzt zwei Kajüten: die Eignerlounge im Bug und achtern eine Gästekajüte unterhalb der Dinette. Auf der Testyacht war das Eignerabteil mit zwei Einzelbetten in V-Form, extrem viel Stauraum und einem speziell für die Eigner gestalteten Platz für eine Waschmaschine versehen. Die etwas kleinere, mit einem Doppelbett versehene Gästekoje ist – als einziger Raum an Bord mit nur wenig natürlichem Licht – etwas dunkel.
Von außen betrachtet, sieht man bei der Noaber nicht allzu viele Fenster und Bullaugen. Darum war ich positiv über die Lichtverhältnisse überrascht: Große rechteckige Fenster im oberen Raum sowie Skylights im Salon und dem Eignerabteil sorgen für viel natürliches Licht. Obwohl das Interieur aus recht dunklem Holz gefertigt ist, ist der Gesamteindruck unter Deck licht und freundlich.
Zwei Motoren des Typs Vetus Deutz DTA-44, die im großzügig dimensionierten Maschinenraum unterhalb der Essecke platziert sind, treiben unsere Noaber 47 an. Die Maschinen sind leicht zugänglich. Lediglich der Verschluss für das Luk hat mich ein wenig beunruhigt: Um das Maschinenschapp zu öffnen, benötigt man ein einen kleinen, demontierbaren Griff. Wie leicht kann der verloren gehen! Man möchte sich die Situation nicht vorstellen, dringend an den Motorraum gelangen zu müssen, aber wegen eines kleinen Stückchens Metall nicht zum Antrieb zu kommen.
Wir starten die Maschinen und legen vom Werftkai ab. In den schmalen Kanal ohne den Einsatz von Bug- und Heckstrahlruder zu gelangen, ist mit dem 20 Tonnen schweren Stahlschiff nicht ganz einfach – und komplett anders als bei einem vergleichbaren GFK-Boot. Später liefen diese Manöver, wieder ohne Bug- und Heckstrahler, besser. Man braucht etwas Zeit, um sich an die Spezifik des großen Bootes zu gewöhnen und es auf dem Kanal zu fahren.
Bei niedriger Geschwindigkeit hält die Noaber 47 den Kurs nicht selbsttätig. Stete Aufmerksamkeit und Korrekturen sind notwendig, um das optimale Tempo und die richtige Ruderstellung zu finden. Das Steuerrad kann man nur für einen kurzen Moment alleine lassen. Das sei, erklärt der Werftchef, spezifisch für die Bedingungen auf dem schmalen Kanal – schließlich liegt Vriezenveen mitten im Binnenland. Bedauerlicherweise konnten wir nicht aufs offene Wasser hinaus.
Das Tempomaximum, es sind 8,2 Knoten, erreichen wir bei 2.500 U/min. Der Bug geht dabei soweit hoch, dass die Sicht voraus nicht mehr gegeben ist. Ein Mann auf dem Vordeck ist dann wichtig. Der Grund dafür ist, wie ich später sehen konnte, dass die N 47 die Wellen nicht teilt, sondern als Bugsee vor sich her führt. Für den Eigner spielt das keine Rolle; das Boot sei schließlich nicht dafür gemacht, um mit Volldampf zu fahren. Vom Steuerstand aus habe ich in alle Richtungen besten Überblick, nur nicht nach vorn. Grund dafür sind die eher kleinen Fenster und breiten Längsstreben.
Unsere Testyacht war voll ausgerüstet für die Fahrt von den Niederlanden nach England, wo die Noaber 47 ihren Heimathafen haben wird. Wie lange die Überfahrt für ein Schiff dauert, das auf acht Knoten Maximum ausgelegt ist, vermag ich nicht zu sagen. Eine Erklärung ist, dass die Höchstgeschwindigkeit auf offener See mit rund zehn Knoten höher ist.
Die Noaber 47 ist mit ihrem klassischen, sehr sicher wirkenden Äußeren und freundlich wirkenden und komfortablen Interieur ein liebenswertes Boot, das ein perfektes Zuhause auf dem Wasser darstellt. Es bietet alles, um eine schöne Zeit mit Freunden an Bord vor Anker zu verbringen. Um die sicher guten Fahreigenschaften des 47-Fuß-Stahlschiffs zu erleben, braucht es die passenden Bedingungen: die Weite eines ruhigen, offenen Gewässers, viel Zeit und einige Erfahrung im Umgang mit diesem speziellen Boot.
Text: Arek Rejs