Antaris 630 Lounge

07/2010

Antaris 630 Lounge

An einem kühlen Frühlingstag nahmen wir die Antaris 630 auf dem Kalksee bei Berlin unter die Lupe – und kamen zu dem Schluss: Für die hiesigen Binnengewässer sind niederländische Sloepen wie geschaffen.

„Oh Du Geliebte meiner 27 Sinne, ich liebe dir!“ schrieb Kurt Schwitters in seinem Gedicht „Anna Blume“, und ebenso liebenswert sind die feinen, historisierenden Linien der kleinen Motorbarkasse mit nachtblauem Rumpf, die vor uns am Steg liegt. Aber wie macht sich der mit 55 cm Tiefgang recht flach gehende Semiknickspantrumpf auf dem See? Beim Betreten des Boots über die eingeformten Trittstufen gerät die 630 kaum in Bewegung, selbst wenn man auf den Süll tritt. Die Konstruktion liegt ruhig im Wasser und durchpflügt es ebenso kursstabil.


Dank des durchgehenden Kiels läuft der massive GFK-Rumpf wie auf Schienen. Er ist 14 mm dick und liegt aufgrund seiner Breite ruhig im Wasser. Die Decks, eine 35 mm starke Sandwichkonstruktion, bestehen im Kern aus Coremat-Wabenvlies. Deck und Rumpf werden im Handauflegeverfahren hergestellt.


Wer glaubt, dass sich die mit 2,45 m Breite trailerbare Sloep wegen ihres Beinamens „Lounge“ nur im Schritttempo bewegen lässt, der irrt. Sobald wir den Hebel nach vorn legen, ziehen wir ab 1.500 U/min eine dicke Heckwelle nach, die bei 2.500 Touren und deutlich aufgestiegenem Bug zur Hecksee anschwillt. Jetzt läuft die Sloep fast acht Knoten.


Auf stolze 10,7 Knoten Höchstfahrt bringt es unser Testboot bei 42 PS Nominalleistung. Das sind fast 20 km/h; ganz schön flott für ein Boot, das trocken 1.400 kg wiegt und bei unserer Messfahrt auf dem Kalksee zwei Personen und den randvollen 55-l-Dieseltank zu bewegen hatte. Mit dem 27 PS leistenden Standardmotor sind es 5 km/h weniger.

Die Sitzposition am Steuerstand ist gut, das Ruder reagiert leicht und direkt. Es ist mit zwei Fingern zu bedienen und benötigt für einen vollen Törn fünf Umdrehungen. Geschaltet wird leichtgängig und sehr exakt. Genauso exakt lässt sich das Boot auf den Zentimeter genau dirigieren. Zum abrupten Aufstoppen benötigt es nur eine Bootslänge Bremsweg, und wer mag, kann es auf dem Teller drehen. In Marschfahrt bei 2.500 U/min misst der Vollkreis auch nur eine Bootslänge.


Qualität, Stil und Vielseitigkeit haben ihren Preis, der im Fall unseres Testboots bei 51.300 Euro liegt. Für eine Sloep aus holländischer Produktion und mit dieser Ausstattung und Wertbeständigkeit liegt die Summe im unteren Bereich der Preisskala.

Text: Uwe G. Meiling

Den vollständigen Testbericht lesen Sie in der gedruckten Ausgabe 7/2010 des Bootshandel-Magazins