„Feel the difference“, fühle den Unterschied, heißt es im Prospekt der für den internationalen Markt gebauten Tango 30. Auf diese Art angesprochen, verabredeten wir uns mit dem deutschen Vertreter der polnischen Werft, Heiner Neubaur von Tango Yachts Boatstrading, zu einem Frühjahrstest auf der Ostsee.
Colani lässt grüßen – das ist mein erster Eindruck, als ich das erste Mal die Tango 30 in Damp am Steg liegen sehe. Die geschwungenen Linien des Deckaufbaus suggerieren Sportlichkeit. Der Eindruck wird noch unterstrichen durch das leicht wellenförmig geschwungene blaue Band, das bis ans Süllende des Cockpits reicht. Betrachtet man die Yacht von achtern, stechen sofort die Ausmaße des Cockpits ins Auge. Man mag kaum glauben, es nur mit einer 30-Fuß-Yacht zu tun zu haben.
Der Einstieg über das große, nach vorn über den Bug ragende Bugspriet und der mit Teak belegten Trittplattform durch den geteilten Bugkorb ist problemlos. Die Größe des Cockpits ist überwältigend. Mindestens sechs Personen finden dort auf den leicht geschwungenen und in der Sitzfläche vertieften Bänken Platz.
Ursprünglich war die Tango 30 wohl eher als Regattaboot gedacht. Man hat sich aber dann doch für die Entwicklung eines Cruiser/Racers entschieden. Mit dieser Information im Hinterkopf war ich also sehr auf die Segeleigenschaften gespannt – und wurde nicht enttäuscht. Die Testyacht mit ihrem 1,75 m tiefen Eisenkiel und 1,4 Tonnen Ballast – Schwenkschwert- und Kurzkielversionen mit kürzerem Binnenrigg gibt es als Option – macht keinen ranken Eindruck.
Sonnenschein und ablandiger, teilweise sehr böiger Wind mit gut vier Windstärken (rund 15 Knoten) erwarten uns vor Damp. Das schon zuvor gesteckte Reff wird gar nicht erst ausgeschüttet, die Genua, etwas schwergängig, auf knapp 105 Prozent eingerollt. Die Standardbeseglung weist insgesamt 56,7 m2 auf, davon fallen 27,5 m2 auf das Groß und 29,2 m2 auf die 140%-Genua. Wir sind mit Kevlar-Segeln ausgestattet – kein Muss für Fahrtensegler.
Am Segelverhalten der Yacht gibt es nichts auszusetzen. Die Ruderwirkung ist sehr direkt; der Kompromiss zwischen Cruiser und Racer scheint gelungen. Die Tango ist bestens ausbalanciert. Nur die teilweise recht heftig einsetzenden Böen verlangen vom Steuermann mehr Aufmerksamkeit und Kraft, wenn der Trimm nicht sofort den Verhältnissen angepasst wird.
Und als Racer? Die Daten, die eine schnelle Fahrtenyacht ausmachen, können sich durchaus sehen lassen. Bei den vorherrschenden Bedingungen und unter dem Reff sind die 5,5 kn an der Kreuz bei einem Wendewinkel um die 45 Grad sehr ordentlich. Die Rumpfgeschwindigkeit von 6,8 kn wird mit einem Schrick in den Schoten schnell erreicht. Raumschots beschleunigt die Tango gelegentlich auch schon mal bis 9 kn.
Unter Motor geht es in Marschfahrt zurück in den Hafen. Dank bester Schallisolierung ist der Yanmar 3YM20 mit zweiflügeligem Standard-Faltpropeller sowohl in der Plicht, Kajüte und Achterkabine äußerst leise.
Mit der Tango 30 hat die noch junge polnische Werft gleichen Namens auf Anhieb einen konkurrenzfähigen Entwurf auf den Markt gebracht, der schon in seiner Standardausrüstung kaum Wünsche offen lässt und daher auch mit seinem Grundpreis von 77.000 Euro zu bestechen vermag.
Technische Daten
| Länge | 950 cm |
| Länge Wasserlinie | 800 cm |
| Breite | 341 cm |
| Tiefgang | 175 cm |
| Gewicht | 3700 kg |
| Motorisierung | Yanmar 3YM20 mit Saildrive, 21 PS |
| max. Passagierzahl | 6 |
| CE-Kategorie | A / B |
| Preis | 77000,00 € |
Text: Michael Krieg
Fotos: Importeur, Michael Krieg