Jeanneau 57

11/2009

Jeanneau 57

Die Flaggschiffe der Marktführer werden immer größer. Während der Markt für 30 bis 40 Fuß lange Segelyachten erheblich Federn lassen musste, erweitern Bavaria, Bénéteau und auch Jeanneau die Modellpalette nach oben.

Mit dem neuen 57-Fuß-Modell, das erstmals Ende April in Saint-Tropez zu Wasser vorgestellt wurde, setzt sich der französische Branchenriese gezielt von den Fahrtenyachten der eigenen Sun-Odyssey-Reihe ab – und wendet sich jener zahlungskräftigen Käuferschicht zu, die sich eher im Luxussegment zu Hause fühlt. Entsprechend hochwertig ausgestattet ist Jeanneau 57 konzipiert.


Der optische Eindruck zeigt einen eleganten Riss mit ausgeprägtem Deckssprung, für dessen Design Philippe Briand und Vittorio Garroni verantwortlich sind. Der Kajütaufbau der großen Yacht ist flach gehalten und geht nahtlos, weit achtern, in ein breites Süll über. Die geschwungenen großen Fensterflächen im Kajütaufbau runden den gelungenen Gesamteindruck ab, wobei die klare Jeanneau-Linie erhalten bleibt. Der Rumpf wird im Handauflegeverfahren im GFK-Volllaminat unter Verwendung von Polyesterharzen gefertigt, das Deck ist eine Sandwichkonstruktion. Gegen Osmose gibt die Werft fünf Jahre Garantie.
Sämtliche Fallen und Strecker werden beidseitig, im breiten Süll verdeckt, zu zwei elektrisch betriebenen 58er-Fallwinschen geleitet. Große Fächer nehmen die Leinen auf. Noch größere Schotwinschen liegen unmittelbar neben den Steuerrädern und können so direkt vom Rudergänger bedient werden. Die Großschot wird im so genannten German-Cupper-System doppelt gefahren.


Im Cockpit und an Deck gibt es ansonsten jede Menge Platz: zum aktiven Segeln mit großer Crew (wobei das Schiff trotz der außergewöhnlichen Größe auch für ganz kleine Crews leicht handhabbar ist) und zum Faulenzen auf den breiten Freiflächen. Weitere technische Raffinessen: Hinter der klappbaren Badeplattform verbirgt sich eine große Dingigarage, und auch die Gangway kann elektrisch ausgefahren werden.

Technische Daten

Länge17,78 m
Breite4,99 m
Tiefgang2,50 m
Gewicht20600 kg
MotorVolkswagen Marine TDI 140-5 mit 140 PS (103 kW)
CE-KategorieA (Hochsee)
Preis475000.- €
Drei Salingspaare beherrschen den auf dem Kiel stehenden und mit Dyform-Wanten verstagten Sparcraft-Mast. 158 m2 Gesamt-Segelfläche setzen die 20,6 t schwere, 17,78 m lange und 4,99 m breite Blauwasser-Yacht in Bewegung. Die Jeanneau 57 ist zudem das erste Serienboot der Werft aus Les Herbiers mit VW-Motor. Wie schon in großen Yachten von Oyster und Swan machen die Aggregate von Volkswagen Marine auch in der neuen Jeanneau eine gute Figur. Eingesetzt wird der 140 PS leistende Fünf-Zylinder-TDI 140-5, dem die Werft nach umfangreichen Tests vor allem in puncto Laufruhe und Emissionsniveau ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt hat.


Unter Deck geht es in der Gestaltung so harmonisch wie oben weiter. Helle Polster in Verbindung mit der Teak-Oberflächenstruktur der Einbauten sorgen im Salon zusammen mit großen Fensterflächen und vielen Luken für reichlich Licht und Luft. Auf Wunsch können auch gedecktere Farben gewählt werden. Auch eine ausklappbare Hausbar gibt es hier. Für das Vor- und Achterschiff sind verschiedene Ausbauvarianten mit drei bis fünf separaten Kabinen und bis zu vier Nasszellen möglich. Werden keine Extra-Gästekabinen benötigt, lässt sich das Vorschiff in eine großzügige Eignerkabine mit Sofa verwandeln.
Die u-förmige Pantry an Backbord mit Dreiflammenherd, gleich neben dem Niedergang, ist so großzügig bemessen, dass auch große Crews versorgt werden können. Größe und Gestaltung des Navigationsplatzes gegenüber lassen ebenfalls keine Wünsche offen. Geht es auf weltweite Fahrt, können zusätzliche Aggregate wie Generator und Klimaanlage zentral unterhalb der Bodenbretter platziert werden.


475.000 Euro ruft die Werft als Grundpreis auf. Mit allen Annehmlichkeiten für unbegrenztes Cruisen wird die Halbmillionengrenze aber schnell überschritten. Doch wie schon anfangs erwähnt: In unseren wirtschaftlich angespannten Zeiten werden die Flaggschiffe der Großserienbauer immer größer. Aber ehe Banken (über-) flüssiges Geld auf internationalen Finanzmärkten verzocken, legt es mancher lieber in einem edlen Schiff an.

 

Text: Michael Krieg 


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