Frauscher 717 GT
Im Stil der Gentlemen’s Racer der 1920er-Jahre präsentiert sich Frauschers neuestes Modell.Zu der Zeit, als Engelbert Frauscher seine erste Bootswerft in Österreich gründete, feierte man in den USA schon die Blütezeit der motorisierten Bootsrennen. Im Winter 1921-22 wurden die Regeln des Gold Cup Race von der American Power Boat Association grundlegend festgelegt: Diese Neuerungen beschränkten beispielsweise die Größe der Motoren sowie die Länge und Rumpfgestaltung der Boote.
Die Verantwortlichen hatten es sich zum Ziel gesetzt, so genannte „Gentlemen’s Runabouts“ aufs Wasser zu bringen, die sowohl der Familie Spaß (bei der gemeinsamen Ausfahrt) als auch bei Bootsrennen eine gute Figur machen sollten. Kurz gefasst: Bootfahren aus Freude am sportlichen Wettstreit in der Freizeit – ohne besondere Regeln, einfach mit Stil und natürlich der Ehre wegen. Zwischen 1922 und 1928 entstanden nach diesem Credo zahlreiche sehr schöne Boote.
Der dritten Generation der Bootsbauerfamilie Frauscher ging es mit der 717 GT darum, an die Visionen dieser Zeit anzuknüpfen und „diesen Spirit ins 21. Jahrhundert zu übertragen“, so Stefan Frauscher. Man sieht den Bootsbauern vom Traunsee die Lust am Gestalten und am flotten Bootfahren deutlich an, allerdings auch den Respekt vor der italienischen Rennbootschule beispielsweise eines Dino Feltrinelli.
Zwar an die historischen Vorbilder anknüpfend, präsentiert sich die neueste Konstruktion der Werft vom Traunsee keinesfalls als reines Retrodesign. „Jede der Bootspremieren, die Frauscher in den vergangenen Jahren vorgestellt und klar im gehobenen Preissegment positioniert hat, sorgte für einen Aha-Effekt in der Bootsbranche“ – das schrieben wir in unserem Testbericht zur 909 Benaco im September 2008, und so ist es auch bei der jüngsten Premiere, die deutliche optische Anleihen bei klassischen Rennbooten macht, diese technisch aber konsequent weiterführt.
Technische Daten
| Länge | 7,17 m |
| Breite | 2,25 m |
| Tiefgang | 0,70 m |
| Gewicht | 1500 kg |
| Motor | Volvo-Penta mit 320 PS (239 kW) |
| Preis | 90048.- € |
Das Konzept des Mittelmotors ermöglicht außerdem ein sehr ausgewogenes Design. Die lange elegante Front gewährt mehr Stauraum als erwartet, und das Oberdeck bietet sich an zum komfortablen Sonnenbad. Das minimalistische, aber äußerst stilvolle Windschild sorgt für ausreichenden Schutz im schön gestalteten Cockpit.
Die Idee des Gentlemen’s Racing wurde konsequent umgesetzt bei der Gestaltung des klar und elegant wirkenden Cockpits. „Wir haben uns entschlossen, die Gestaltung des Oberdecks in zwei Versionen anzubieten“, erläutert Werft-Miteigner Stefan Frauscher das Konzept, „in der klassischen, eleganten Teakausführung und im rasanten, sportlichen Grafikdesign mit Farben, die den persönlichen Wünschen des Eigners entsprechend gewählt werden können.“ So wird die Semi-Custom-Built-Bauweise am Traunsee umgesetzt. Nur die Badeplattform und der Innenraum sind bei allen 717 GT in Teak gehalten.
Der in Genua in diesem Herbst erstmals öffentlich gezeigte Racer ist standardmäßig mit einem Volvo-Penta-Innenbordmotor mit 320 PS Leistung ausgestattet. Varianten mit Volkswagen-Marine-, MerCruiser- und Steyr-Hybrid-Motoren von 250 bis 414 Pferdestärken sind ebenfalls zu haben.
Im dritten Jahr nacheinander wurde ein Motorbootmodell von Frauscher für die Auszeichnung European Powerboat of the Year nominiert, die auf der boot Düsseldorf 2010 vergeben wird: Dieses Jahr ist hier die 717 GT am Start. Durchstarten, bitte!
Text: Stefan Gerhard