Delphia 1050 Escape

03/2010

Delphia 1050 Escape

Auf mehreren Bierdeckeln nahm Jonn Minners’ Idee zum ersten Mal Gestalt an. Dass der Händler der bekannten Segelyachten ein Motorboot zu Papier brachte, hatte einen guten Grund: Mit der Delphia 1050 Escape möchte er älteren Kunden eine Alternative bieten.

Minners’ Erfahrung ist, dass Wassersportler, die sich aus Altersgründen das Segeln nicht mehr zutrauen, aus Mangel an komfortablen und erschwinglichen Angeboten oft sogar ein Wohnmobil kaufen. Die 10,50 m lange Escape ist „eine Möglichkeit für die Umsteigewilligen, auf dem Wasser zu bleiben“, so der Bootshändler aus Kappeln, der nicht schlecht staunte, als die polnische Werft ihn sechs Monate später zur Besichtigung des Prototyps einlud.


Verfeinert wurde der Bierdeckel-Entwurf durch den bekannten polnischen Yachtkonstrukteur Andrzej Skrzat, der seine vielfältigen Begabungen mit den unterschiedlichsten Entwürfen unter Beweis gestellt hat – nicht nur im Bootsbau.


Aus Skrzats Feder stammen Sportina- und Jantar-Segelboote sowie das Campingboot Voyager. Als Designer entwarf er intelligente Abfalleimer, geschwungenes Essgeschirr sowie ausgefallene Zitruspressen – drei Dinge, die auf keinem Boot fehlen sollten.


Die Delphia-Werft ist die größte Segelbootwerft in Polen; hier werden unter anderem für Brunswick Marine Motorboote der Marken Quicksilver und Uttern hergestellt. Mit Entwürfen zwischen 24 und 47 Fuß Länge hat sich die Werft der Brüder Piotr und Wojciech Kot seit 1990 einen Namen gemacht. Motorboote werden dort seit 2005 auf den Montagebändern hergestellt.

Technische Daten

Länge10,50 m
Breite3,45 m
Tiefgang0,65 m
Gewicht4750 kg
MotorYanmar 3YM20 mit 20 PS (15 kW), maximal 54 PS (40 kW)
Maximal-Crew8
CE-KategorieC (küstennahe Gewässer)
Preis79230.- €
Der in der Standardversion mit glänzend weißem Gelcoat strahlende Rumpf der 1050 Escape – optional sind dunkelblau oder weinrot zu haben – wird im Handauflageverfahren hergestellt und ist mit einem durchgehenden Kiel, angehängtem Ruder und einer konventionellen Wellenanlage ausgerüstet.


Das lediglich 4.750 kg verdrängende, 3,45 m breite Tourenboot ist wegen des weit nach achtern gerückten und relativ hohen Deckhauses, schon äußerlich eine auffällige Erscheinung. Nimmt man indes im offenen Deckhaus Platz, das Raum für sechs Personen bietet, wirkt es, als säße man im Cockpit einer Segelyacht mit festem Aufbau. Grund dafür ist, dass die Scheiben fast ohne Rahmen auskommen, der Steuerstand zurückhaltend ausgelegt ist und der Niedergang steil ausfällt.


Das Steuerhaus ist nach hinten hin offen – das lässt den Raum mit dem optionalen Plichttisch noch großzügiger erscheinen. Neben den längs angeordneten Sitzbänken befinden sich gut begehbare Gangborde für den Weg aufs Vorschiff. Cockpit und Bänke können – als Extra zu haben – mit Teakholz belegt werden.


Echte Stehhöhe ist dank des Aufbaus durchgängig gewährleistet. Der Innenausbau wird als Zwei- oder Dreikabinenversion angeboten, mit zwei oder drei Doppelkojen in separaten Kabinen. Auch hier wirkt alles sehr großzügig. Der gesamte Ausbau erfolgt in Holz und ist makellos ausgeführt. Gewählt werden kann zwischen Mahagoni, Kirsche und Buche.


Gegenüber der längs angeordneten, im Standard voll ausgestatteten Pantry ist die Sitzgruppe für vier bis sechs Personen angeordnet. Die Achter- und Bugkojen sind exakt zwei Meter lang und bieten jeweils eigene Schränke. In der Sanitärzelle sind Marine-WC, Handwaschbecken und eine Dusche sowie Warmwasserversorgung untergebracht. Sehr praktisch ist der Schrank fürs Ölzeug in der Zweikabinenversion.


Für den Vortrieb sorgt ein alter Bekannter, der Einbaudiesel Yanmar 3YM20 mit 20 PS (15 kW). Der Zweikreis-gekühlte Reihendreizylinder ist ein zuverlässiges Aggregat, das aus 850 Kubikzentimetern sein größtes Drehmoment bei 2.500 U/min entwickelt. Das sollte reichen, um den Verdränger mit seiner theoretischen Rumpfgeschwindigkeit von gut sieben Knoten durchs Wasser zu bewegen.


Der Verbrauch dürfte dann bei zwei Litern Diesel pro Stunde liegen. Mit dem randvollen 73-Liter-Treibstofftank ergibt das eine Reichweite von 255 nautischen Meilen. Der ebenfalls erhältliche 200-Liter-Tank macht das Boot zum Langstreckenfahrzeug: 700 nautische Meilen sollten dann drin sein.


Gegen Strom oder Tide wird es mit diesem Motor allerdings anstrengend. Zwei Alternativen von Yanmar werden deshalb angeboten: der 29 PS (21 kW) starke Dreizylinder 3YM30 und der 54 PS (39 kW) leistende Vierzylinder 4JH4E, der mit 5.390 Euro Aufpreis zu Buche schlägt. Wer anspruchsvolle Reviere befährt, dem ist der kräftigste Motor zu empfehlen, der sein maximales Drehmoment schon bei 1.800 U/min entwickelt und nur rund einen Liter Diesel mehr pro Stunde verbraucht.


Mit der reichhaltigen Serienausstattung haben Jonn Minners und die Delphia-Werft ein überzeugendes, da preiswertes und räumlich angemessenes Tourenboot für vier bis sechs Personen auf Kiel gelegt. Wirklich vermisst haben wir nichts an Bord. Zudem kann man bei Bedarf aus der umfangreichen Optionsliste wählen. Das Wanderboot vom Bierdeckel scheint bei den Kunden gut anzukommen: Allein im März liefert Minners in Berlin ein halbes Dutzend dieser Boote aus.

Text: Uwe G. Meiling

 


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