Bavaria B/one

07/2012

Bavaria B/one

Beim ersten Proberitt des Einheitsklassenboots B/one am Bodensee war unser Autor Hans Mühlbauer mit dabei. Sein Urteil: Der spritzige Daysailer aus Giebelstadt überzeugt mit seinem variablen Konzept.

 

Das Thermometer zeigt 25 Grad Celsius, der Windmesser vier, in Böen auch fünf Beaufort – allerbestes Wetter also, um das neue segelnde Nesthäkchen von Bavaria Yachtbau am Rande der Weltpremiere vor Langenargen auszuprobieren.

Gleich neben der Regattabahn des Match Race Germany, bei dem die Weltelite der Eins-gegen-Eins-Segler um Sieg und Preisgeld kämpft, rasen wir mit satt 13 Knoten Tempo an den Cracks vorbei! Am ausgefahrenen Rüssel vor dem Bug macht unser Gennaker mächtig Dampf, und die Crew jubelt im Glitsch. Auch bei der danach folgenden Kreuz zeigt der Speedometer noch beachtliche acht Knoten. Mit elf Quadratmeter großer Fock und dem 21 m2 messenden Großsegel ist das Boot kräftig „motorisiert“.

Technische Daten

Länge7,00 m
Breite2,49 m
Gewicht1050 kg
Besegelung

Groß (21 qm), Vorsegel (11 qm), Gennaker (40 qm, Race-Version: 46 qm)

Maximal-Crew7
CE-KategorieD (geschützte Gewässer)
Preis27358.- €
Speed macht der vom Bruce Farr Designbüro gezeichnete 23-Füßer dank des geringen Gewichts von nur gut einer Tonne, seines T-Hubkiels und des effektiv gearbeiteten Ruderblatts. Die üppigen Segelflächen dienen als kraftvoller Motor, der von einer vierköpfigen Regattacrew im Zaum zu halten ist. Der Heckabriss der Strömung ohne sichtbare Verwirbelungen passt zum stimmigen Konzept. Als Vorlage für das Boot standen die Farr 400 und Volvo Open 70 Pate. In der Tat ist Bavarias B/one den derzeit heißesten Segelgeräten quasi als Bonsai-Version nachempfunden.

Das Rigg ist betont einfach gehalten: Der Mast steht direkt an Deck, gehalten von Ober- und Unterwanten, mit einem Salingpaar. Ein Achterstag oder gar Backstagen sind nicht nötig. Somit kann ein im Toppbereich weit ausgestelltes Großsegel am knapp elf Meter hohen Mast gefahren werden. Winschen sucht man an Bord vergeblich. Dafür ist die Großschot sechsfach untersetzt und damit gut beherrschbar, und auch die Power der Rollfock wird durch einen Block am Schothorn des Vorsegels halbiert.

Der ebenfalls als Talje ausgeführte Kicker lässt einen feinen Trimm des Segelbauchs zu und dient als wirkungsvolles Gaspedal, denn auf einen Traveller wurde bewusst verzichtet. Am ausfahrbaren Bugspriet wird wahlweise ein kleinerer Cruising-Gennaker oder auch die 46 m2 große Regattablase gefahren, die jeweils aus dem Niedergang heraus gesetzt und geborgen wird. Ein Spinnakerbaum ist nicht nötig. Alle Fallen und Strecker werden vom Cockpit aus bedient.

Rumpf und Deck bestehen aus GFK-Volllaminat. Die Bodengruppe mit dem Kielkasten wird direkt am Rumpf anlaminiert und soll die Konstruktion nach Angaben des Herstellers sehr steif machen. Im riesigen Cockpit hat eine vierköpfige Regattacrew genügend Bewegungsfreiheit an ihrem Arbeitsplatz und breite Gurte an der Reling zum angenehmen Ausreiten.

Unter Deck ist das Schiff komplett leer: Keine Innenverkleidung oder anderweitige Einrichtung sorgt für zusätzliches Gewicht. Für gemütliche Törns lässt sich das Boot jedoch mit bis zu vier Kojen aufrüsten und durch Kühlbox, Bord-WC und Cockpitzelt als Campingboot fürs Wasserwandern optimieren. Nur zehn Minuten braucht man, um später wieder die nur eingesteckte Einrichtung auszubauen und das Boot – ausgeräumt und wieder leicht gemacht – an der Regatta-Startlinie zu haben.

Zum Verladen auf den Trailer wird der Hubkiel an einem Rohrgestell von 1,65 cm Tiefgang auf schlanke 40 cm hochgekurbelt und einfach festgestellt. Auch das Ruderblatt kann im Hafen und auf dem Hänger hochgezogen werden. Die Rumpfbreite von zweieinhalb Metern erlaubt normalen Trailertransport.

Beim Testsegeln zeigt sich die Bavaria B/one als sportliches Spaßgerät, das für seine volle Leistung einen guten Gewichtstrimm benötigt, bei Steuerfehlern aber gutmütig genug reagiert, um nicht gleich Sonnenschüsse oder Patenthalsen zu produzieren – eine Jolle mit Kiel! Schnell schon springt das Boot an, beschleunigt zügig, um dann in Gleitfahrt überzugehen.

Projektleiter Peter Meyer zufolge soll die B/one als spritziges Regattaboot von Ein-, Um- und Aufsteigern aus der Jollenszene gesegelt werden, dabei aber auch familientauglich für die Wochenendtour sein. Leichte Trailerbarkeit und ein Einstiegspreis von knapp unter 30.000 Euro sollen für hohe Verkaufszahlen sorgen und so große Regattafelder erzeugen. Der Komplettpreis inklusive sämtlicher Regattaoptionen liegt bei 33.000 Euro. Dank des strikten One-Designs als Einheitsklasse ist keine teure Materialschlacht möglich – einzig das Können der Crews verhilft auf das Siegertreppchen. „Unser Ziel ist es, mit der B/one die weltweit größte Einheitsklasse bei Kielbooten zu etablieren“, so Peter Meyer im Gespräch mit dem Bootshandel-Magazin.

Wer der Idee von Bavaria folgt und die B/one nicht nur als Regattaboot, sondern auch als Tourenyacht mit bescheidenem Camping-Komfort nutzen möchte, wird sich eine Reffmöglichkeit für das Großsegel wünschen, um auch Muße für gemütliches Cruisen zu haben statt ständig auf Segel- und Gewichtstrimm zu achten.

Das mit der weltgrößten Einheitsklasse könnte sogar etwas werden: Denn dank seines konkurrenzlosen Preises, dem einfachen Handling, einem puristischen Design und der einfachen Transportierbarkeit könnte die Bavaria B/one seinen Konkurrenten beim Markterfolg davonziehen. Daysailer dieser Größenordnung, also mit coolem Design und vielen schicken Ausstattungsdetails, gibt es eine ganze Reihe auf dem Markt, sie kosten aber mehr Geld. Und so ist die B/one – das „bone“ – ein Boot, das beinhart für Aufmerksamkeit sorgen wird.

Text: Hans Mühlbauer

Die Projektseite von B/one im Internet: sail-b1.com