100 Jahre Passat
Travemündes Wahrzeichen, die Viermastbark „Passat“, ist MarinegeschichteEin Windjammer-Festival als Geburtstagsgruß: Mehr als zwei Dutzend Schiffe liefen zum Geburtstag der „Passat“ ein, um dem P-Liner die Referenz zu erweisen, darunter gleich acht Großsegler wie die „Alexander von Humboldt“.
Am 2. März 1911 wurde für die Viermastbark „Passat“ auf der Werft Blohm & Voss der Kiel gelegt. Auftraggeber war die Reederei F. Laeisz. Nach dem Stapellauf am 20. September desselben Jahres wurde sie seefertig ausgerüstet und trat am Heiligabend ihre erste Reise von Hamburg um Kap Hoorn nach Valparaiso in Chile an. Sie war für den Getreide- und Salpetertransport gebaut und kostete 680.000 Goldmark, was knapp 3,5 Millionen Euro entspricht.
Die „Passat“ gehörte zu den bekannten Flying-P-Linern, deren Namen alle mit P begannen. Das „flying“ steht für die damals unglaubliche Geschwindigkeit von 18 Knoten, die die „Passat“ mit 4.600 m2 Segelfläche an ihren vier 56 Meter hohen Masten und Rahen dem Wind entgegenstellte. Sie konnte bei günstigem Wind so schnell segeln, dass sie die Konkurrenz der Dampfschifffahrt nicht fürchten musste.
Nur ein halbes Jahr nach dem Stapellauf der „Passat“ machte ein ungleich moderner gebautes Dampfschiff Schlagzeilen: Die annähernd zeitgleich als Passagierschiff im Transatlantikverkehr in Dienst gestellte „RMS Titanic“ sank am 14. April 1912 während ihrer Jungfernfahrt.
Technische Daten
Nachdem 1957 die „Pamir“ gesunken war, wurde das Schiff außer Dienst gestellt. Die Hansestadt Lübeck bewahrte den Großsegler vor dem Abwracken und kaufte es für 315.000 DM.
Der britische Dichter John Masefield, der schon als 13-jähriger zur See fuhr, schrieb: „Ich sah die ‚Passat’ unter vollen Segeln im Kanal vorbeiziehen, und kein Zweifel, sie war das grandioseste Schiff, das jemals gebaut wurde. Man erwartete geradezu, dass es sich heraushob und zu fliegen begann.“
Damit allerdings wollen sich nicht alle Freunde der „Passat“ abfinden. Als hunderttausende Schaulustige Ende der 1990er-Jahre das Schiff – zwar nicht aus eigener Kraft, sondern von Schleppern gezogen – über die Trave gleiten sahen, war bei vielen der Wunsch stark, das stolze Schiff möge wieder hinaussegeln und wieder als Botschafter der alten Hansestadt Lübeck werben. Es gründete sich ein Verein, der es sich zur Aufgabe machte, dieses Ziel zu erreichen. Aber die Hansestadt Lübeck, die mit dem Kauf der „Passat“ einst so viel Weitblick bewiesen hatte, lehnte ab.
Die „Passat“ besuchen?
Am Priwallhafen 16a, 23570 Lübeck-Travemünde, Bordwache: Tel. (04502) 52 87, ss-passat.com