Schicht um Schicht

05/2009

Schicht um Schicht

Auf der kleinen, feinen Refit- und Klassikermesse boatfit in Bremen traf sich nicht nur die deutsche Refit-Szene. Es wurden auch intelligente neue Bearbeitungsmethoden für gebrauchte und klassische Boote gezeigt. Beispiel: Rumpfbe- und entschichtungen der etwas anderen Art.
Pflege- und Instandhaltungsmaßnahmen am Boot war eines der Hauptthemen auf der boatfit. Stark frequentiert bei der Schau Anfang März waren die Messestände der Hamburger Firmen Boat Skin und Get Off, beide Experten für die Aufarbeitung und Veredlung von Bootsrümpfen aus GFK, Holz und Stahl.
Individuelle Rumpfgestaltung, vor allem durch ungewöhnliche Farben, liegt derzeit im Trend. Durch smarte, kostengünstige und umweltfreundliche Verfahren wird dies für die Eigner in der Umsetzung unaufwändiger. Doch bevor man sein Boot neu beschichtet, muss man es zunächst entschichten. Das sind zweifelsfrei ungeliebte Arbeiten, die mit Staub- und Schadstoffbelastung nicht nur auf die Gesundheit der Eigner gehen – sondern auch allen Nachbarn im Bootshaus, die mitleiden, auf die Nerven.
Fritz Schröder von den Hamburger Entschichtungsspezialisten Get Off bietet seinen Kunden, „ein garantiertes Oberflächenergebnis, auf dem weiter gearbeitet werden kann", und das zum Festpreis „ohne Umweltbelastung", wie Schröder betont. Das Pfiffige am Get-Off-Verfahren: Es wird staubfrei gearbeitet – mit einem Granulat aus Hochofenschlacke und einem verwirbelten Wasserstrahl in einem Ressourcen schonenden Kreislauf. Wasser, alte Farbe und das Granulat werden unter dem Boot aufgefangen und gefiltert. Das Wasser wird dem Kreislauf wieder zugeführt, Granulat und Farbe werden fachgerecht entsorgt.
„Unsere mobilen Teams arbeiten beim Kunden, also bei Partnerfirmen in der Nähe", so Schröder. „Nord- und Ostsee sind mit Kooperationspartnern gut erschlossen." So haben Bootseigner kurze Wege. In Berlin arbeitet Get Off mit dem Bootshaus am Werlsee, der Firma Yachttechnik Potsdam und Hublitz Bootsbau zusammen.
Mit seiner Folienlackierung macht Daniel Schmitz-Hübsch genau dort weiter, wo Fritz Schröder aufhört. „Durch unsere Folienlackierung hat der Bootseigner den Genuss des Soforteffekts“, sagt Schmitz-Hübsch. In der Tat: Die Folien können ohne große Vorarbeiten wie Primern oder Schleifen geklebt werden und glänzen dann ohne weiteres Zutun der Eigner. Lediglich eine gründliche Rumpfreinigung muss vorab vorgenommen werden.
Die gegen Seewasser resistenten und UV-stabilen PVC-Folien sind deutlich flexibler als Lack. Eine äußere transparente Nutzschicht schützt die farbigen Bestandteile vor mechanischen Beanspruchungen. Die hochglänzende Folie lässt sich einfach auf den Rumpf schneidern: Durchbrüche und Zierstreifen werden ausgeschnitten oder draufgeklebt. Bei eingefahrenen Kratzern wird ebenso verfahren.
Die Haltbarkeit der Folien ist nach Herstellerangaben ähnlich der von Lackierungen, der Preis liegt aber deutlich darunter. Praktisch: Verarbeitet wird das Material ohne Staub und Schadstoffbelastung. „An einer Zehnmeteryacht haben wir nur einen Tag zu tun und sind dabei rund ein Viertel günstiger als bei einer konventionellen Beschichtung“, so Schmitz-Hübsch.
Beide Verfahren, so unser Eindruck, sind konkurrenzfähig und zeitlich überschaubar. Sie sind sinnvoll für alle Beteiligten: für die Eigner, weil sie erschwinglich sind, für die jungen Unternehmen, weil sie sich und anderen Arbeitsplätze schaffen – und für die Umwelt, weil sie weniger belastet wird. Ein Markt wie dieser bricht nie ein und schafft neue Perspektiven.

Kontakt:

Boat Skin GbR, Grandkuhlenweg 3, 22549 Hamburg, Tel. (040) 28 78 21 77, folienlackierung.de

Get Off GmbH, Neuhöfer Straße 23, 21107 Hamburg, Tel. (040) 73 11 31 80, getoff.de



Text: Uwe G. Meiling
Fotos: Axel Böhm

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