Walross IV: Weiter, zurück nach Hause...

03/2010

Walross IV: Weiter, zurück nach Hause...

Vor gut einem Jahr beendeten wir unsere Serie über das Berliner Schulschiff „Walross IV“, nachdem die Jungfernfahrt nach dem Sydney-Hobart-Race 2008 ein abruptes Ende in Neuseeland gefunden hatte. Nach langem Boxenstopp zur Reparatur begann jetzt der lange Weg zurück nach Hause.
Beim Erscheinen dieses Heft wird die „Walross IV“ Kap Hoorn erreicht haben. Derzeit segelt die zehnköpfige Crew durch die "Roaring Forties" des südlichen Pazifischen Ozeans und ist dabei, einen Orkan abzuwettern. Für die 6.000 sm lange Non-Stop-Strecke bis Ushuaia (Argentinien) sind rund sechs Wochen geplant.
Käpt’n Blaubär lässt grüßen
05.02.2010, 01:00 Uhr

Heute war ein angenehmer Segeltag mit raumen Wind, wenig Seegang, teilweise Sonne. Gute Gelegenheit zum Durchlüften. Die drei kleinen Seebärchen (= jüngsten Crewmitglieder) sitzen an Deck und lauschen den ewigen Geschichten "Neulich in der Ägäis..." von unserem Käptn Blaubär. Inzwischen können sie schon mitsingen.
Wahres Gesicht
08.02.2010, 23:45 Uhr

Vom Wachwechsel gestern Abend 20:00 bis Mitternacht haben wir richtig eins auf die Mütze bekommen. Der Baro sackte auf 969 hPa ab und der Wind nahm heftig zu. Konstant Wind der Stärke 11 Bft, im Minutentakt Böen zwischen 60-65 kts TWS. Mehrmals zeigte unser Anemometer Wind-Geschwindigkeiten von 79 kts – das ist jenseits der Beaufortskala, die bei 12 aufhört.
Fast die gesamte Crew war an Deck, um die Segel zu bergen. Das war kein Vergnügen; schwere brechende Seen überspülten laufend das gesamte Schiff und tauchten die Crew bis zum Hals unter Wasser. Schließlich liefen wir unter Sturmfock ab, zum Glück diesmal in die richtige Richtung.
Der orkanartige Sturm hat natürlich seine Spuren hinterlassen. Das Großsegel ist im oberen Teil aus den Nähten geplatzt. Wir hoffen, dass es sich noch reparieren lässt. Heute zeigte sich tagsüber eine wild bewegte See, Wind bis 48 kts, Sonnenschein, Schneehagel und Albatrosse.

Pantryakrobatik im Southern Ocean
09.02.2010, 22:00 Uhr

Der Southern Ocean gewährt uns eine Verschnaufpause bis zum nächsten „Low“ mit Sonnenschein bei frischen 12-13°C im Cockpit. Die Crew nutzt die Gelegenheit, Klamotten zu trocknen. Sobald die Sonne auf das Deck scheint, verschwinden auch schlagartig die Feuchtgebiete im Salon, dem Crewlogis und den achteren Kammern.
Rainer hat mit einem Kap-Hoorn-Albatros Freundschaft geschlossen. Immer wenn er am Ruder steht, taucht er auf und kommt bis auf fünf Meter an das Heck heran.
Smut Kristin hat inzwischen den Pantry-Frühstücksei-Doppel-Toe-Loop perfektioniert: Pfanne umschlagen lassen, und das 1/2 Rührei ist feindispers von der Decke über das Navischapp zurück in die Pantry verteilt.