Mühlbauers Yachtleben: Die Heck-Klampe!

07/2012

Mühlbauers Yachtleben: Die Heck-Klampe!

Geschichten, die das Bordleben schreibt.

Die meiste Zeit bin ich ja schwer am Schaffen: Vor und zurück, vor und zurück, vor und … – ja, so geht der Schwell im Hafen. Der ruckelt immer an mir, 24 Stunden an jedem Wochentag. Sind das soziale Arbeitszeiten?

Nur selten, immer am Wochenende, komme ich auch mal raus aus der Trete und kann mich an der Weite des Ozeans erquicken. Bis mich eiskalt eine Welle erwischt, weil mein Skipper beim Steuern nicht auf den Seegang, sondern auf das schöne Gesicht seiner Begleiterin geachtet hat und vierkant in die anrollende Welle gerauscht ist. Ich kann’s ja verstehen.

Kaum habe ich mich ans Erholen gewöhnt, so gegen Sonntagnachmittag, zeigt der Bug wieder Richtung Heimathafen, und für mich heißt das: Ich werde die ganze Woche wieder kurz angebunden mein Dasein fristen.

Wenn der Chef mir wenigstens etwas Freiraum, also „Lose“ gäbe und vielleicht sogar einen dieser praktischen Ruckdämpfer einbinden würde, würde der Strick mich nicht halb strangulieren. Ich krieg davon sooo einen Hals! Meine Schrauben im Deck sagen das ja auch. Das Gelcoat um mich herum hat von der Ruckelei schon richtig tiefe Risse gekriegt. Wenn das mal nicht ins Laminat geht!

Die liebe lange Woche lang hängt der grobe Strick an mir. Und schwer hängt auch die Verantwortung für das Boot dran. Wenn ich mal nicht mehr mag oder die Heckleine sich an der Klüse das Innenleben auf- und durchgeschabt hat: Na dann, gute Nacht! Dann gibt’s ein Treibboot, das ohne Leine wie ein streunender Hund im Hafen unterwegs ist. Vielleicht lernt der Chef dann mal, wie man korrekt mit Klampen umgeht.

Aber noch schöner wäre es, wenn mein Skipper mit dem Boot – und mit mir – mal auf Langtörn gehen würde. Transatlantik vielleicht? Dann hätte ich vier Wochen lang Urlaub.

von Hans Mühlbauer