Übers Wasser nach Berlin
Zora del Buono über Wassergrundstücke
Was uns unterscheidet: Sie haben eine schicke Rialtobrücke, wir eine rostige Seufzerbrücke (die nur aus einem Gitter besteht, das uns wirklich seufzen lässt). Sie liegen am östlichsten Ende der Stadt, wir am westlichsten. Bei ihnen sieht es akkurater aus als bei uns, gepützelter. Sie nennen ihre Hütten Datschen, wir sprechen von Lauben.
Aber das alles macht uns keine Sorgen, wir haben ein ganz anderes Problem: Uns will man weg haben. Und sie nicht. Bei uns soll nämlich die Havel ausgebaut werden, was zum einen dazu führt, dass der Wasserspiegel sinken wird, unser Kanal also nur noch ein stinkender Sumpf sein wird, zerstörte und betonierte Uferböschungen inklusive, von der Massenflucht der Tiere ganz zu schweigen.
Zum Ausgleich für die größenwahnsinnige Havelverbreiterung sollen (seit den 1920er-Jahren bestehende) Kleingartenflächen renaturiert werden. Begonnen hat man schon längst damit: Alte Menschen wurden aus ihren Häuschen vertrieben, ich habe sie weinen sehen. Renaturierung ist eine feine Sache – wenn sie denn geschieht. Bei uns heißt das nur: Abriss, Stillstand, Verschlampung, Müll. Ein trauriges Bild. Drum schauen wir ein wenig neidisch gen Osten, nach Neu-Venedig. Vielleicht reisen wir auch aus Trotz nach Venedig, dem echten. Oder wir verbringen unseren Urlaub in Bamberg. Da gibt es auch ein Klein-Venedig. Es soll sehr schön sein dort.