Zwischenruf von Michael Krieg

06/2009

Zwischenruf von Michael Krieg

Es wird wieder gebaggert am Darßer Ort. So soll die Fahrrinne zum Darßer Nothafen schon in diesem Sommer wieder befahrbar sein. Das jedenfalls war Ende März aus dem zuständigen Schweriner Verkehrsministerium zu hören, nachdem sowohl der Deutsche Seglerverband als auch der Seglerverband Mecklenburg-Vorpommern immer wieder darauf hingewiesen hatten, dass der Nothafen Darßer Ort unverzichtbar sei – für die Sicherheit in diesem Seegebiet und für den maritimen Tourismus bis zur Inbetriebnahme des schon lange geplanten neuen Hafens bei Prerow. Nachträgliche Unterstützung erfuhren die Verbände zuletzt auch durch die Seenotretter des DGzRS – unter Berufung auf den Grundgesetz-Artikel 2 (2), wonach jeder das Recht „auf Leben und körperliche Unversehrtheit“ hat.
Warum dieser plötzliche Sinneswandel, werden vor allem die kritisch hinterfragen, die sich lange – und in den letzten Jahren erfolgreich – dafür eingesetzt haben, dass dieser Ort möglichst unberührt bleibt. Mitten im Naturschutzgebiet Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft gelegen, mit seltenen Pflanzenarten und hier zahlreich brütenden Seevögeln, wird er immer wieder von Seglern als günstige Übernachtungsmöglichkeit angelaufen – ohne jede Not.
Bisher war alles gut gegangen. Mehrere Sportbootunfälle, so die Seenotretter, verliefen glimpflich. Ende März ist dann eingetreten, wovor viele immer gewarnt hatten: Ein Angler erlitt vor der Küste nördlich des Ostseebads Prerow einen tödlichen Herzinfarkt, und die Rettung mittels SAR-Hubschrauber aus Kiel kam viel zu spät.
Seitdem der Darßer Ort wegen geringer Wassertiefe auch per Rettungskreuzer nicht mehr angelaufen werden kann, sind die Seenotretter zu Einsätzen in dieses Seegebiet (von Warnemünde oder Barhöft aus) fast zwei Stunden unterwegs. Das ist zu viel für eine in Not geratene Crew, die den 50 Meilen langen Sprung von Warnemünde nach Stralsund ohne vorhandenen Zwischenstopp wagt. Der neue Hafen in Prerow soll Platz für 250 Sportboote bieten. Dann wird wohl endlich Ruhe eintreten – nach 18 Jahren Streit.