Die Bürgermeisterin habe ich gestern staubsaugen gesehen, danach hat sie Betten bezogen. Nicht, dass ich denken würde, Politikerinnen müssten zwingend Angestellte haben und taugten nicht zur Hausarbeit (wer saugt wohl im Haushalt Merkel?), aber es war nicht die eigene Wohnung, in der die Bürgermeisterin geputzt hat.
Nein, es war im Open Gates, denn Kelly Spratt ist im Nebenberuf auch Inhaberin eines historischen Bed & Breakfast in Darien im US-Bundesstaat Georgia – und sie hat dort kein Zimmermädchen. Das Open Gates ist zugegebenermaßen kein Hotelpalast mit 100 Zimmern. Und auch der Ort Darien ist klein: Mückengebiet und Sumpflandschaft mit Fischgeruch, Spanish moss, zu deutsch: Dschungelmoos, in den Eichen hängend. Schillerndes Licht, weiße Holzkirchen, Veranden mit Ventilatoren, ein hübscher Ort im Bibelgürtel. Aber Bürgermeisterjob ist Bürgermeisterjob. Und Hotel ist Hotel. Jeden Abend steht ein frisch gebackener Kuchen im Speiseraum.
Kelly Spratt ist zudem Ehefrau, Mutter, Zoologin und Beauftragte des Naturschutzamts für Küstenschutz. Sie hat als Wissenschaftlerin auf Hawaii gearbeitet und in Mikronesien, ist auf Forschungsschiffen mitgefahren, und wenn Gäste das Bedürfnis haben, sich über die Natur der Küste zu informieren, dann nimmt Kelly Spratt das Boot und führt die Touristen durch die Sümpfe. Will einer auf einem Shrimp-Fangschiff mitfahren, schafft sie den Kontakt zu den Fischern.
Für Fragen rund ums Angeln ist ihr Mann zuständig. Auch er ist Biologe und arbeitet als Projektentwickler für die staatlichen Parks. Man kann über Amerikaner denken, was man will, doch ihre Unkompliziertheit ist schon herrlich. Bevor die Bürgermeisterin sich morgens zu ihrer Arbeit im Gemeindehaus aufmachte, hat sie mir übrigens ein Soufflé serviert. Zubereitet hat es der Gatte. Es hat wirklich exzellent geschmeckt.