Praxis Alles über Wasserskiboote
Übers Wasser auf der Havel
Es gibt da diese Schwelle. Jeder spricht von der berüchtigten Schwelle im Kanal. Viele haben sich die Schraube aufgerissen, zumal die Fremden. Aber ich bin ja keine Fremde mehr. Ich bin jetzt Teil der Bootsgemeinde an der Havel in Berlin-Spandau. Genauer gesagt, in Klein-Venedig. In diesem Dickicht von Inseln und Kanälen liegen verwunschene Lauben, und ziemlich unverhofft geriet ich an eine dieser Datschen. Sogar ein flottes Sportboot mit amerikanischem Namen, hübschen blau-weißen Sitzen und für mich gewaltigen 50 PS war dabei.
Noch nie im Leben am Steuer eines Bootes gesessen, zwei lächerliche Fahrstunden, eine Woche lang Theorie gelernt, dann die Prüfung. Schließlich die erste Fahrt, allein. Zur Werft spaziert, den verdutzten Hund ins frisch überholte Boot gepackt, abgelegt. Was für Routiniers wie ein Witz klingt: Für einen Neuling ist das alles happig. Schon der Weg aus der Werft raus ist, nun, sagen wir, ein Slalomlauf.
Draußen der Moment der Wahrheit, der Motor stirbt ab. Die Havel ist eng an dieser Stelle und die Strömung verdammt stark, Frachtschiffe pflügen unbeirrt ihren Weg. Ich gebe zu, ich war naiv. Geradezu blödsinnig leichtsinnig. Ich wollte nur um die Ecke nach Hause fahren. Keine Ruder an Bord – oder vielleicht doch? Rotes Tuch? Hupe? Überhaupt, wie manövriert man ein manövrierunfähiges Boot?
Ein junger Mann in knappem Badehöschen zieht mich an Land. Benzin in den leeren Tank. Unverschämtheit, die haben mich betrogen bei der Werft. Man hatte mich ja gewarnt vor denen. Ich ärgere mich. Mehr über mich als über die. Und fahre wutentbrannt nach Hause. Die Schwelle lasse ich souverän links liegen. Was ist schon eine Schwelle gegen den ersten eigenen Seenotfall? Ab jetzt bin ich Kapitänin.
Zora del Buono, Mitbegründerin der Zeitschrift mare und Wahlberlinerin, schreibt über ihre Erlebnisse auf und an den Gewässern dieser Welt.