Übers Wasser am Zürichsee
Wir Schweizer haben ja eine seltsame Sprache. Nicht nur die kehligen Laute tragen zum Unverständnis bei, auch die vielen aus dem Französischen stammenden Wörter irritieren unsere deutschen Gäste. So sagen wir Trottoir statt Bürgersteig, Necessaire statt Kulturbeutel (was mir in der Tat sinniger erscheint: Notwendigkeit statt Kulturleistung). In Basel sprechen einige noch vom Parapluie, den sie öffnen, wenn es regnet, mit strengem Akzent natürlich.
Eines der Kultobjekte, das jeder Zürcher von klein auf kennt, ist das, was wir Pedalo nennen. Richtig, das Tretboot. Die traditionellen Schweizer Pedalos sind flach, schmal und nicht nur die Luftkammern bestehen aus Metall. Meist sind sie knallrot. Eigentlich sehen sie aus wie ein Bob, mit dem man eisige Bahnen heruntersausen könnte. Neuerdings ziehen aber auch Plastiktretboote ihre Runden auf dem See, klobig, ein wenig hochmütig gar. Denn im traditionellen Pedalo sitzt man tief drin, in den modernen Plastikbooten oben drauf.
Und weil wir Schweizer ja viel Geld haben (immer noch) und auch einen guten Geschmack, schlägt Manches über die Stränge. Letzthin gab es sogar einen Skandal. Der neue Pedaloverleih an der Falkenstraße ist wunderschön, eine edle Metallfassade ziert den winzigen Baukörper auf dem See, die Messingdächer knicken auf allen Seiten munter in die Höhe, eine Schmuckschatulle steht da an der Promenade.
Gekostet hat das Objektchen 720.000 Euro, was selbst die an allerlei Kostspieliges gewöhnten Zürcher entsetzt aufschreien ließ. Die zum Bootshaus gehörigen Pedalos sind leider von der hässlichen Sorte. Aber wie ich uns Schweizer kenne, wird bald einer ein elegantes, diskretes und teures Tretboot entworfen haben. Un nouveau pédalo pour le Lac de Zurich!