Trailer-Pkw im Test: Golf an der Spitze

01/2010

Trailer-Pkw im Test: Golf an der Spitze

Große Unterschiede in der unteren Mittelklasse stellte der Autoklub ADAC bei seinem jüngsten Vergleich von PKW-Zugfahrzeugen fest.

Fünf PKW-Modelle der unteren Mittelklasse hat der ADAC auf ihre Zugwagentauglichkeit geprüft. Gemeinsam ist ihnen Dieselmotor, Schaltgetriebe sowie eine Tauglichkeit als Zugfahrzeug für mindestens 1.300 kg. Das Ergebnis: Der VW Golf liegt unangefochten an der Spitze. Für das Ziehen von Wohnanhängern dieser Gewichtsklasse ist er „gut“ geeignet, so das Urteil der Autoklub-Prüfcrew.

Der Opel Astra belegt mit dem aufpreispflichtigen Trailerpaket Platz 2. Dieses Extra beinhaltet neben einem Berganfahrassistenten auch ein Anhänger-ESP und sollte beim Kauf unbedingt mitbestellt werden. Den dritten Rang nimmt der Ford Focus ein. Der Wagen zeigt kaum Schwächen, kann aber beim Fahrkomfort im Gespannbetrieb nicht mit den beiden deutschen Konkurrenten mithalten. Peugeot und Renault belegen die letzten Positionen.


Die fünf Testkandidaten wurden speziell im Bereich Fahrstabilität, Fahrleistungen sowie Bremsen geprüft. Was für die geprüfte Zugfähigkeit mit dem Wohnanhänger gilt, lässt sich grundsätzlich auch auf das Trailern von Booten übertragen.


Der Golf 2,0 TDI hat beim Gespannfahren am Berg keinerlei Probleme: Dank des starken Dieselmotors und der Berganfahrhilfe sowie einer fein dosierbaren Kupplung fiel den Testern das Anfahren ganz leicht. Das ESP mit integrierter Anhängerstabilisierung sorgt für ein hohes Maß an Sicherheit. Anders sieht das bei den beiden letzten Plätzen aus. Erschreckend“ war laut ADAC das Ergebnis beim Peugeot 308, das als einziges Fahrzeug im Testkader für Anhänger bis 1.700 kg zugelassen ist. Aufgrund der weichen Federung und des fehlenden Anhänger-ESPs hat das Fahrzeug Schwächen bei der Fahrstabilität. Der 1.300-kg-Anhänger pendelte bei einem plötzlichen Lenkimpuls stark nach. Bei der maximalen Anhängelast stößt das französische Mittelklasse-Auto an seine Grenzen und lässt sich nur mit Mühe stabilisieren. Der Autoklub hat Peugeot inzwischen aufgefordert, die Tauglichkeit ihres Fahrzeugs für 1.700 kg schwere Anhänger zu optimieren oder die Zulassung auf 1,3 Tonnen zu reduzieren.
Der Renault Megane 1,9 dCi 130 zeigt eine „gerade noch zufriedenstellende“ Fahrstabilität. Bei hohen Geschwindigkeiten pendelt der Anhänger lange nach. Der Renault fällt zusätzlich durch schlechten Fahrkomfort während des Hängerbetriebs auf.

Technische Daten

ESP mit Anhängerprogrammen gibt es seit einigen Jahren. In der unteren Mittelklasse sind diese Systeme aber noch nicht die Regel. „Auf diesem Gebiet müssen die Hersteller unbedingt nachbessern“, lautet das Fazit beim ADAC.

Unabhängig davon gilt: Das Fahren mit Gespann muss geübt werden. Selbst Vielfahrer sind mit einem Trailer meist nur zum Anfang und Ende der Saison oder im Urlaub unterwegs – und oft überfordert. Die Autoklubs bieten aus diesem Grund spezielle Fahrtrainings an. Grundregel: Kommt ein Gespann ins Schlingern, ist die richtige Reaktion immer zuerst der Tritt auf die Bremse. Gegenlenken bringt genauso wenig wie Gasgeben.

Text: Stefan Gerhard