Praxis Stahlschiffe beurteilen Messe Interboot Friedrichshafen
148 Seiten Markt & Magazin
Ein absoluter Komfortanspruch und ein Volkswagen-Motor an Bord – das zeichnet das knallrote Motorboot auf dem Trailer und die in edlem Schwarz gehaltene VW-Limousine gleichermaßen aus, die wir an einem schönen Spätsommertag zum Lokaltermin baten.
Die Markteinführung der Oberklasselimousine im Jahr 2002 läutete eine neue Ära der Marke Volkswagen ein. Mit einer Länge von etwas über fünf Metern, 1,90 m Breite und 1,45 m Höhe gehört der Phaeton zu den größten Limousinen der Oberklasse.
Mit diesem Wagen lassen sich nicht nur Ehrengäste internationaler Filmfestivals von A nach B bringen oder für Geschäftsleute Langfahrten auf der Autobahn komfortabel gestalten. Auch für das Ziehen von Sportbooten bietet sich der Phaeton durchaus an. Das Gewicht als V6-Diesel, wie wir ihn in Wolfsburg fuhren, liegt mit 1.995 kg deutlich unter dem eines SUV.
Innen geht es luxuriös zu: Die Vordersitze lassen sich über ein Zwölf-Wege-System für jede Körpergröße einstellen. Der Sitzkomfort ist phänomenal. Für Insassenschutz sorgen neben acht Airbags die aktiven Kopfstützen vorn. Auf den äußeren Fondplätzen sind Isofix-Halteösen für zwei Kindersitze angebracht.
Luftfederung, Niveauregulierung, ESP und die hydraulisch unterstützte Zahnstangenlenkung sorgen für Oberklassekomfort beim Fahren. Man könnte, gerade auf Langfahrt, vergessen, dass man einen Trailer im Schlepp hat.
Die Motorenpalette des Phaetons umfasst drei Benzin- und ein Dieseltriebwerk – mit einem Leistungsspektrum von 233 PS bis zu 450 PS (331 kW). Spektakulär ist das Drehmomentspektrum der Motoren mit 315 bis 560 Newtonmetern. Bei den Ottomotoren stehen der 3,2-Liter-V6, der 4,2-Liter-V8 sowie der 6,0-Liter-W12 zur Wahl.
Nicht nur im Phaeton, auch im huckepack sitzenden US-Sportboot, das uns Importeur Klaus-Dieter Schallehn von Tibus Boote in Rhumspringe freundlicherweise zur Verfügung stellte, sorgt ein Volkswagen-Motor für den Antrieb. Das Aggregat in der Chaparral 204 besitzt ein Gewicht von nur 325 kg, was im Vergleich mit anderen Bootsdieseln ähnlicher Leistung einem Gewichtsvorteil von über 100 kg entspricht. Hier schließt sich der Kreis: Als PKW-Motor kommt der Volkswagen-TDI nicht nur im Phaeton, sondern auch bei den Audi-Modellen A6, A8 und Q7 sowie im SUV Touareg zum Einsatz.
Mit einem 225 PS starken Volkswagen-Marine-TDI motorisiert, ist die mit der CE-Klassifizierung der Kategorie C klassifizierte Chaparral 204 das adäquate Boot am Heck unseres V6-Phaetons. Die zulässige Anhängelast des großen VWs beträgt gebremst 2.500 kg, die Stützlast liegt bei 100 kg.
Das 6,48 m lange Boot sitzt mit leichter Überbreite von 2,54 m auf dem Trailer. Mit dem Volkswagen-Marine-Motor und dem Wick-Trailer (mit 2,2 Tonnen Kapazität) hat unser Phaeton knapp zwei Tonnen an der Anhängerkupplung. Unser Zugfahrzeug besitzt also noch eine großzügige Reserve. Die abnehmbare Anhängevorrichtung gehört nicht zur Serienausstattung, fällt mit 1.045 Euro bei der Wahl eines PKW dieser Güte aber nur wenig ins Gewicht.
Die von uns gefahrene Diesel-Variante des Phaetons ist mit dem 233 PS (171 kW) starken 3.0 V6 TDI nach Euro-5-Norm ausgestattet: Der serienmäßig mit einem Dieselpartikelfilter ausgerüstete Vierventil-Sechszylinder setzt auf eine Common-Rail-Direkteinspritzung. Sein maximales Drehmoment von 450 Newtonmetern steht zwischen 1.500 und 3.500 U/min zur Verfügung. Im Solobetrieb ohne Trailer erreicht der V6-Phaeton 100 km/h aus dem Stand in 8,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit stellt sich bei 236 km/h ein.
Beim notwendigen Wenden erwies sich die Rückfahrkamera mit grafischem Assistenten als nützliche Ergänzung zum eigenen Fingerspitzengefühl. Ihre wahre Bestimmung für Bootsbesitzer spielt die Kamera am PKW-Heck beim Anhängen des Trailers aus. Ohne die Hilfe einer zweiten Person kann mit dem TV-Auge direkt unter den Anhängerknauf gerollt werden.
Der Wendekreis des Phaetons beträgt solo moderate zwölf Meter. Bei unserer Fahrt, zum Teil über schmale Brücken und recht steile Abfahrten, hinunter in den Mittellandkanal ließ sich das Gespann souverän manövrieren. Den Testparcours über die wenig befestigte Uferstraße absolviert der Phaeton mit Bravour – kraftvoll und das hinten anliegende Gewicht absolut souverän meisternd. Ein Arbeitspferd aus bestem Hause.
Und der teure Treibstoff? Mit einem Durchschnittsverbrauch von 9,4 Litern auf 100 km gehört der Phaeton V6 TDI zu der sehr übersichtlichen Gruppe relativ sparsamer Luxuslimousinen, die allesamt unter zehn Litern auf 100 Kilometer verbrauchen. Dazu gehören unter anderem der Jaguar XJ 2.7 D mit 207 PS, die S-Klasse von Mercedes in einer 320-Diesel-Variante und der BMW 730d mit 231 PS.
Wir fahren mit dem Gespann zurück in die Autostadt, wo täglich Hunderte PKW aller Größen und Bauarten das Volkswagen-Werk verlassen – ein beeindruckendes Bild. Naturgemäß macht der in Dresden in der „Gläsernen Manufaktur“ gefertigte Phaeton nur einen geringen Anteil der VW-Produktion aus. Doch ebenso wie mit der Produktion eigener Marine-Motoren setzt Volkswagen auch beim Phaeton auf langfristige Entwicklung – mit einem neuen Modell im Jahr 2009.
Der Slogan, den Importeur Klaus-Dieter Schallehn von Tibus Boote für die Bootsmarke Chaparral ersonnen hat, kann auch für Phaeton gelten: „Für den, der sich aufgrund seiner besonderen Leistung das Besondere leisten kann.“
Für die freundliche Unterstützung danken wir
Volkswagen AG
Berliner Ring 2
38440 Wolfsburg
Tel. 0800 86 55 79 24 36
phaeton.de
Text: Stefan Gerhard